Messe in Berlin

Grüne Woche erwartet rund 15.000 Besucher weniger als 2015

Schlechtes Wetter war der Grund für den geringeren Zulauf. Am Sonntag ist die Grüne Woche noch einmal von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

Weniger Publikum und doch allzeit dichtes Gedränge: Die Grüne Woche ist die größte Agrarmesse der Welt

Weniger Publikum und doch allzeit dichtes Gedränge: Die Grüne Woche ist die größte Agrarmesse der Welt

Foto: Jörg Carstensen / dpa

Mit einem prognostizierten leichten Besucherrückgang endet am Sonntag die 81. Grüne Woche. In ihrer ersten Bilanz geht die Messe Berlin von „knapp 400.000 Messe- und Kongressbesuchern“. Im vergangenen Jahr waren es noch 415.000 Besuchern. Sprecher Wolfgang Rogall führt dies auf ungünstige Wetterbedingungen zurück, die die Besucher abgehalten hätten.

>> Kommentar: Unveränderte Anziehungskraft

1660 Aussteller aus 65 Ländern stellten in diesem Jahr auf 118.000 Quadratmetern aus. Der Umsatz der Aussteller betrug 47 Millionen Euro. Für Berlin habe die größte Agrarmesse der Welt einen Kaufkraftzufluss von 150 Millionen Euro gebracht.

Christian Tänzler vom Berliner Tourismus-Vermarkter visitBerlin erklärte, die Grüne Woche, die parallel veranstalteten Modemessen und das Sechstagerennen sorgten dafür, dass im Januar „keine Delle bei der Zahl der Berlingäste“ zu verzeichnen sei. Im vergangen Jahren waren 741.000 Gäste in der Stadt, 5,2 Prozent mehr als im Vorjahresmonat (706.000).

Ärger in der Gartenbauhalle

Messesprecher Rogall zufolge gaben die Besucher im Durchschnitt 121 Euro (2015: 117 Euro) aus. Davon 29 Euro für Speisen und Getränke und 92 Euro für Waren, etwa größere Weinmengen, seltene Fleischsorten oder Gartengerät.

Unter 45 Ausstellern in der abgelegenen Gartenbauhalle 26 war während der Grünen Woche erheblicher Unmut ausgebrochen. Einige Teilnehmer beklagten Umsatzrückgänge von 70 Prozent. Der Lageplan der Grünen Woche war für 2016 erheblich umgestellt worden. Drei Tage lang fand gleichzeitig in zehn abgetrennten Hallen die Modemesse Panorama statt. Daher lagen Blumen- und Gartenbau diesmal weit voneinander getrennt.

Die Nähe der Vorjahre habe für ausreichend Laufpublikum Interesse an den Waren gesorgt, sagte Pflanzen- und Blumenhändler Theo Keyzers. sein nordrhein-westfälisches Unternehmen kommt seit 45 Jahren zur Messe kommt und hat 2016 eine Standfläche für 20.000 Euro gebucht. Keyzers beklagte einen Verlust von „50 bis 60 Prozent“. Messesprecher Rogall kündigte an, man werde „analysieren wie das gelaufen ist und mit den Ausstellern für das nächste Jahr eine einvernehmliche Lösung finden.“

Exotische Lebensmittel kosten

Am Sonntag ist die Grüne Woche noch einmal von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Da lassen sich zum letzten Mal Länder von einer Seite kennen lernen, die weit positiver ist als die tatsächlich dort herrschende politische Realität. Offen und aufgeschlossen zeigt sich beispielsweise Ungarn in Berlin. Halle 10.2 wird in diesem Jahr zur wohlriechenden Speisekammer des umstrittenen Balkanlandes.

Auch Dank des Standes von Mária Magdolna Makainé Kászoni. Schon bevor die Messetüren öffnen, wird bei ihr emsig Hefeteig gerollt, verlängert, verarbeitet. Was da duftet ist der Hefeteig der Gebäckspezialität namens Kürcsi. „Sie ist mit dem Baumkuchen verwandt“, sagt Kászoni, die aus einer Region stammt, die wenige als erstes mit süßen Leckereien verbinden würden: Transsilvanien. Inzwischen lebt sie im 8000-Einwohner Dorf Csömör bei Budapest. Dort bildet sie Kinder zwischen fünf und zehn Jahren in der Kunst des Kürcsi aus und schult Lehrlinge.

Zwei Meter lange Teigrolle

Die meiste Zeit des Jahres aber sind sie und ihr Mann Rezsö - der Name sei das „ungarische Rudolf“, sagt sie - mit ihrem Ofen unterwegs. Den hat Rezsö selbst erfunden. Zunächst wird der Hefeteig zu einem zwei Meter langen Band ausgerollt, das dann um einen Holtstab gewickelt wird. Der Ofen backt das Ganze zehn Minuten lang mit seitlichen Hitzespendern und aufsteigendem Dampf aus einem Wasserbecken unter dem Gebäck. Schließlich wird der gehärtete Teig abgestreift, mit Zuckerglasur und Wal-, Erd- oder Kokosnuss überzogen. Preis: vier Euro. „Es ist eine traditionelle Spezialität bei Hochzeiten und anderen Familienfesten“, sagt Mária Magdolna Makainé Kászoni.

Seit 2004 kommen sie und Rezsö, mit dem sie seit 38 Jahren verheiratet ist, zur Grünen Woche.Daheim im Dorf habe sie keine Verkaufsstelle. Das lohne sich nicht. „Unser Geschäft lebt davon, dass man zusehen kann, wie wir Heferollen machen“, so die Chefin. Oft bildet sich eine Schlange vor dem Stand. Und immer bleibt irgendjemand stehen, um genau zu beobachten, wie die nächsten Kürcsi entstehen.

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