Kommentar

Neubau hilft dem Berliner Wohnungsmarkt

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Andreas Abel

Ein gewisser Anteil an Wohneigentum hilft, die angestammte soziale Mischung in den Kiezen zu erhalten, sagt Andreas Abel.

Wer in Berlin und dem Umland eine Wohnung oder ein Haus kaufen möchte, benötigt nicht nur ein ordentliches finanzielles Polster, er braucht auch Geduld und gute Nerven. Angesichts des knappen Angebots und der großen Konkurrenz unter den potenziellen Käufern mangelt es vielen offenbar vor allem an Letzterem.

Ein Beispiel: In Reinickendorf bot ein Eigentümer eine Doppelhaushälfte aus den 90er-Jahren in anständiger Lage an. 450 Quadratmeter Grundstück, 130 Quadratmeter Wohnfläche, fünf Zimmer, Fertigbau. Der Verkäufer wollte dafür 290.000 Euro haben, was der beauftragte Makler ehrgeizig fand. Er bot sie dennoch zu diesem Kurs drei Interessenten an. Ergebnis: Alle drei wollten unbedingt zugreifen, die Immobilie wechselte schließlich für 340.000 Euro den Besitzer. Andere Makler berichten von Käufern, die ohne Anlass ihr Angebot erhöhen – aus lauter Angst, ein Mitbewerber könnte sie überbieten.

Über solche Entwicklungen schütteln gemeinhin nur die Berliner den Kopf, die gerade kein Eigenheim suchen. Bei den Betroffenen vergrößert es den Druck. Doch was lässt sich dagegen tun? Den Markt regeln nun einmal Angebot und Nachfrage, der Staat kann, anders als bei Mietwohnungen, nicht eingreifen. Die Nachfrage wird angesichts des anhaltenden Zuzugs von mehreren Zehntausend Menschen pro Jahr nach Berlin eher wachsen. Also muss auch das Angebot vergrößert werden. Und das geht nur mit Neubau.

Das bedeutet nicht, dass jetzt massenhaft Eigentumswohnungen errichtet werden sollen. Ein breiteres Angebot auf dem Mietwohnungsmarkt würde dort preisbremsend wirken – und nach kurzer Zeit auf den Eigentumsmarkt durchschlagen. Denn die neue Lust aufs Wohneigentum gerade bei Familien hat auch etwas damit zu tun, dass gut ausgestattete Mietwohnungen für sie in vielen Berliner Stadtteilen exorbitant teuer geworden sind. Da verursacht es oft nicht mehr Kosten, die eigene Immobilie abzubezahlen. Und schließlich: Ein gewisser Anteil an Wohneigentum bei Neubauten deckt selbst in der Mieterstadt Berlin vorhandene legitime Bedürfnisse ab. Er hilft, die angestammte soziale Mischung in den Kiezen zu erhalten.

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