Man sagt uns Deutschen ja ziemliches Organisationstalent nach. Wir können Pläne machen, Projekte aufsetzen, Schnittstellen organisieren, Kommunikationsketten knüpfen. Umso skandalöser, dass es so lange dauerte, bis der Staat in Berlin diese Fähigkeit angesichts der größten Herausforderung der jüngeren Geschichte beweist. Viel zu lange zeugten die unwürdigen Zustände vor der Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge vom Versagen der Behörden.
Aber allmählich scheinen sich die Abläufe einzupendeln. Die Erstaufnahmestellen am Glockenturm und neuerdings am Flughafen Tempelhof sind ordentlich organisiert. Betrieben werden sie übrigens einmal von einer gemeinnützigen und einmal von einer privaten GmbH. Hilfreich ist, dass es nun so etwas wie einen Krisenstab gibt und mit Ex-Polizeipräsidenten Dieter Glietsch einen Chef mit paramilitärischer Erfahrung, der große Lagen besser beherrscht als eine überforderte Sozialbehörde.
Enge Kommunikation in alle Richtungen verhindert, dass sich vor dem medizinischen Screening bei der Aufnahme im Hangar 1 die so katastrophenmäßig aussehenden Trauben von Menschen vor einem schmalen Eingang drängen. Die Flüchtlinge werden auf Krankheiten untersucht und gegebenenfalls behandelt. Sie werden verpflegt, sie bekommen ein Bett, sie werden per Bus zum Duschen gefahren. Die dringendsten Bedürfnisse sind befriedigt. Neulich gebar eine Irakerin direkt nach der Aufnahme ein gesundes Kind in einer Berliner Klinik.
Registrierung läuft deutlich schneller
Die laufende Aufnahme hat sich also stabilisiert. Das Zusammenwirken der Behörden hat die Registrierung deutlich beschleunigt. Schon klagen Flüchtlinge, die vor Wochen ankamen, dass Neuankömmlinge schneller erfasst sind als sie. Dieser Rückstau von Altfällen ist wohl unvermeidlich, wenn man erst mal die aktuellen Prozesse in Ordnung bringen muss. Aber das alles ist nicht mehr als ein Anfang. Wer die dramatischen Bilder aus der Ägäis sieht, muss sich darauf einrichten, dass noch so manche Halle mit Schutz suchenden Menschen belegt werden wird. Wie sie aus diesen Lagern jemals herauskommen, ist die viel größere Herausforderung für uns alle.





