Kommentar

Neue Wagen für die Berliner S-Bahn

Was die Berliner S-Bahn braucht, sind neue Fahrzeuge. Die wird es erst geben, wenn der Senat den Betrieb vergibt, sagt Thomas Fülling.

Die Berliner S-Bahn investiert kräftig in ihre Werkstätten. Allein 25 Millionen Euro gibt sie für den bis Ende 2016 geplanten Umbau und die Modernisierung der Werkstatt in Friedrichsfelde aus. Jetzt bekommt das traditionsreiche Instandhaltungswerk auch noch eine neue 5,5 Millionen Euro teure Waschstraße.

Für die Kunden der Berliner S-Bahn sind das gute Nachrichten. Denn sie wurden zuletzt von der S-Bahn nicht gerade verwöhnt. Viele sind aktuell weder mit der Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit, noch mit der Sauberkeit der Züge zufrieden. Verbesserungen sind da dringend notwendig. Eine S-Bahn-Krise wie 2009 und 2010, als große Teile der Fahrzeugflotte wegen eklatanter Wartungsmängel nicht fahren konnten, darf sich nicht wiederholen. Das hat auch S-Bahn-Chef Peter Buchner erkannt. Anders als sein Vorgänger redet er die Probleme nicht klein, er müht sich erkennbar um Besserung.

Doch immer wieder stößt Buchner an Grenzen. Am Hauptproblem der S-Bahn kann er nur wenig ändern. Alle drei Baureihen, die sich im Fahrzeugbestand befinden, haben mehr oder minder große konstruktive Schwächen. Das sorgt für eine hohe Ausfallquote. Weil die S-Bahn faktisch keine Fahrzeugreserve hat, reicht schon ein kleiner Zwischenfall wie ein Notarzteinsatz oder eine Weichenstörung aus, um den Betrieb durcheinanderzubringen. Kommen schwierige Witterungsbedingungen wie in einem schneereichen Winter hinzu, ist das Chaos vorhersehbar.

Was die Berliner S-Bahn schnellstmöglich braucht, sind neue, zuverlässige Fahrzeuge. Die wird es jedoch erst geben, wenn der Senat einen Betriebsauftrag für die Zeit ab 2017 erteilt. Entweder an die Deutsche Bahn oder an ein anderes Eisenbahnverkehrsunternehmen. Die Ausschreibung der Ringbahnlinien hatte der Senat viel zu spät auf den Weg gebracht. Verkehrssenator Andreas Geisel versprach zu seinem Amtsantritt, spätestens im Herbst 2015 bekannt zu geben, wer den Zuschlag erhält. Im Interesse der Fahrgäste ist zu hoffen, dass er dieses Versprechen auch hält.