Kommentar

Die Makkabi-Spiele sind mehr als ein Sportevent

Zum ersten Mal seit Ende des Zweiten Weltkriegs finden die Makkabi-Spiele jüdischer Sportler in der deutschen Hauptstadt statt.

Ausstellung "Jüdische Stars im deutschen Sport": Das Bild von Alfred und Gustav Felix Flatow steht in Berlin auf dem Washingtonplatz

Ausstellung "Jüdische Stars im deutschen Sport": Das Bild von Alfred und Gustav Felix Flatow steht in Berlin auf dem Washingtonplatz

Foto: Soeren Stache / dpa

Der höchste Repräsentant der Bundesrepublik nimmt sich die Zeit: Am heutigen Dienstagabend wird Bundespräsident Joachim Gauck die Makkabiade in Berlin, in der Waldbühne, offiziell eröffnen. Nicht ohne Grund nimmt sich Gauck mitten im Sommer für diese Veranstaltung Zeit: Die Maccabi Games sind die größte jüdische Sportveranstaltung Europas – und sie finden zum ersten Mal seit Ende des Zweiten Weltkriegs in Berlin statt. Und dies in dem Jahr, in dem wir auch 50 Jahre deutsch-israelische Beziehungen feiern. Was für Symbol.

Auseinandersetzung mit dem Holocaust

Für Berlin ist die Austragung dieser Spiele mit jüdischen Sportlern ein Grund zur Freude. Zumal zu den vorangegangenen Makkabi-Spielen noch nie so viele Sportler angereist sind wie in diesem Jahr. Weil Berlin ein Ort ist, an dem man gerne sein mag. Weil Berlin es geschafft hat, sich seiner Geschichte zu stellen, weil die Stadt die schreckliche Vergangenheit mit Holocaust und Krieg nicht vergessen, verleugnet oder aus dem Stadtbild verdrängt hat.

Wer durch Berlin geht, stößt überall auf historische Orte, an denen man sich mit der Nazi-Herrschaft oder mit dem Holocaust auseinandersetzt – von der Wannsee-Villa über das Holocaust-Mahnmal bis zum Dokumentationszentrum Topographie des Terrors. Auch deshalb können Juden aus aller Welt wieder nach Berlin reisen, deshalb kommen so viele junge Menschen aus Israel gerne in die deutsche Hauptstadt, deshalb können die jüdischen Sportler ihre Wettkämpfe an dem Ort austragen, der von den Nationalsozialisten 1936 missbraucht wurde.

Leistung ist wichtig

Im Olympiastadion geht es in den kommenden Tagen um Leistungen und Medaillen – sicherlich nicht um Weltrekorde, aber wer selbst Sport treibt und sich für Wettkämpfe meldet, weiß, wie wichtig Leistung ist, dass der Sport mehr ist als ein Zeitvertreib. Die jüdischen Sportler, die leider immer noch unter besonderem Polizeischutz stehen, werden sich aneinander messen – und hoffentlich von vielen Berlinern und Touristen im Olympiastadion angefeuert werden. Sie sind willkommen in der Stadt – nicht nur in diesem Jahr.

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