Makkabi Spiele in Berlin

„München ‘72 - so etwas will niemand mehr erleben“

Bei der Makkabiade in Berlin treten 2300 jüdische Sportler an. Es soll höchste Sicherheitsstufe herrschen. Die Polizei schweigt dazu.

Berlin ist bereit. Die Frage der Sicherheit spielt bei den am Dienstag beginnenden 14. Europäischen Makkabi Spielen in Berlin eine herausragende Rolle. Erstmals finden die Spiele des jüdischen Sports in Deutschland statt - 70 Jahre nach Ende des Holocaust ein besonders Signal. 2300 jüdische Sportler und Funktionäre aus 38 Nationen wohnen im Hotel Estrel, das besonders gut gesichert werden muss. Auch die Wettkampfstätten im Olympiapark könnten für islamistische Terroristen ein Anschlagziel sein und erfordern somit verstärkte Präsenz des Sicherheitspersonals.

Aus dem Roten Rathaus heißt es, dass Sicherheitsstufe 1 ausgerufen worden sei. Der Berliner Polizeipressesprecher Stefan Redlich wollte das nicht kommentieren. „Wir setzen je nach Tag und Veranstaltungsgröße zwischen 100 und 600 Beamte ein“, sagte er jedoch. Es seien keine Unterstützungskräfte aus anderen Bundesländern angefordert worden, so Redlich weiter. Die Veranstaltungen in Brandenburg würden von der dortigen Polizei überwacht. Im Übrigen sei für die Makkabiade auch ein Polizeihubschrauber im Einsatz.

„Spagat zwischen Offenheit und Sicherheit“

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) hält die Sicherheit für gewährleistet. Es seien alle Voraussetzungen geschaffen, damit die Spiele sicher ablaufen, sagte Maas am Montag im Inforadio des RBB. «Ich bin fest davon überzeugt, dass nichts geschieht», sagte Maas, der auch Schirmherr für die Triathlon-Wettbewerbe der Spiele ist. Im Vordergrund stehe aber nicht die Sicherheit, sondern der Sport.

„Die Sicherheitsfrage steht natürlich im Mittelpunkt der Organisation dieser Veranstaltung. Das müssen wir akzeptieren, leider“, sagte der Präsident des Dachverbandes Makkabi Deutschland, Alon Meyer. „Ich denke an '72 in München und sage Ihnen, so etwas will niemand mehr erleben.“

Vor 43 Jahren erschossen palästinensische Terroristen bei den Olympischen Spielen in München israelische Sportler und nahmen weitere als Geiseln, die später bei der misslungenen Befreiungsaktion ebenfalls getötet wurden. Insgesamt 17 Israelis mussten ihr Leben lassen.

>> Themenschwerpunkt Makkabiade in Berlin <<

Laut den Veranstaltern geht es für die Polizei um die bisher größte Herausforderung beim „Spagat zwischen Offenheit und Sicherheit“. Makkabi Deutschland hat selbst zahlreiche Wachleute engagiert, die im Hotel und an den Wettkampfstätten patrouillieren. „Viel Geld und viel Manpower“ werde man in Sicherheitsvorkehrungen investieren, sagte Alon Meyer. „Ich trauere jeden Tag um jeden Euro, den wir in Sicherheit stecken müssen.“

Meyer riet den Sportlern, nicht in einer größeren Gruppe und durch Davidsterne oder die traditionelle Kopfbedeckung Kippa als Juden erkennbar durch Neukölln zu spazieren. Denn in Stadtteilen, die besonders von türkisch- und arabischstämmigen Menschen bewohnt sind, kommt es immer wieder zu antisemitischen Beleidigungen und Angriffen.