Die Makkabiade lässt sich kaum noch übersehen in der Stadt. Nicht nur wegen der vielen Plakate in den Straßen mit dem Aufdruck: „Berlin freut sich auf die größte jüdische Sportveranstaltung Europas.“ Lang erwartet halten an diesem Montag die internationalen Sportdelegationen Einzug in das Estrel Hotel an der Sonnenallee. Mehr als 2000 Athleten aus 36 Ländern reisen zu den „European Maccabi Games“ an. Richtig los mit den Wettkämpfen geht es dann am Dienstagmorgen. In insgesamt 19 Sportarten treten die Athleten an, um eine Medaille zu gewinnen und dabei ein großes Fest zu feiern.
In dem zeremoniellen Teil der Eröffnungsveranstaltung am Dienstagabend in der Waldbühne wird es alles geben, was man auch von einer Olympiade erwarten würde: Der Einzug der Sportdelegationen, das Hissen der Flaggen und das Entzünden des Makkabi-Feuers. Und Bundespräsident Joachim Gauck wird die Makkabiade offiziell eröffnen.
Dann aber steht den bis zu 15.000 erwarteten Gästen eine große Party bevor. Der jüdische Popkünstler Matisyahu steht mit dem deutschen Musiker Adel Tawil auf der Bühne. Kein Zweifel, dass sie dabei auch ihr gemeinsames Lied „Zuhause“ singen werden. Außerdem tritt Dana International, hierzulande vor allem bekannt als die Gewinnerin beim Eurovision Song Contest 1998, auf, genauso wie die israelische Sängerin Gali Atari und viele weitere Künstler. Eine „mitreißende Show“ erwartet Oren Osterer, 34, Chef des Organisationskomitees der Makkabiade.
Dass der Bundespräsident für die Eröffnungsfeier gewonnen werden konnte, versteht Osterer als Zeichen für „die Bedeutung der Veranstaltung auf gesellschaftlich-politischer Ebene“. 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und des Holocausts kommen jüdische Sportler aus aller Welt, um die traditionsreiche Makkabiade in Berlin zu veranstalten. Es ist ein Ereignis von großer politischer Strahlkraft, zumal die Wettkämpfe auf dem Gelände des Olympiastadions stattfinden. Also eben jener Sportstätte, die die Nationalsozialisten für die Olympiade von 1936 errichteten und für eine große Propagandaschau nutzten. Jüdischen Athleten wurde damals die Teilnahme in der deutschen Olympia-Mannschaft verwehrt.
Erstes Treffen 1929 in Prag
Gerade als Reaktion auf solche Ausgrenzungserfahrungen gründeten jüdische Sportler am Anfang des vergangenen Jahrhunderts eigene Sportvereine. Denn aufgrund des grassierenden Antisemitismus in Europa wurden viele jüdische Athleten aus Sportvereinen verdrängt. Ein erstes Treffen jüdischer Clubs und ihrer Sportler fand dann 1929 in Prag statt.
Diese erste Makkabiade war auch ein Zeichen gegen weit verbreitete antijüdische Stereotype, wie das von der angeblichen physischen Minderwertigkeit von Juden. Während der Makkabiade in Berlin wird der antisemitischen Ausgrenzung und dem Grauen des Nationalsozialismus mit einer Gedenkfeier auf dem Maifeld beim Olympiastadion gedacht.
An der Zeremonie nehmen auch Bundesjustizminister Heiko Maas und die Holocaustüberlebende Margot Friedlander teil.
Trotz der historischen und politischen Bedeutung für Deutschland und Juden in aller Welt, die Makkabiade ist in erster Linie ein großes Sportfest mitten in Berlin. Der erste angesetzte Wettkampf findet am Dienstagmorgen statt: Im Futsal, einer Variante des Hallenfußballs, treten die Teams aus Großbritannien und Frankreich gegeneinander an. Bis zum 4. August werden dann in den verschiedenen Sportarten täglich Wettkämpfe ausgetragen. Dabei ist für jeden Geschmack etwas dabei, das Angebot reicht von Golf, Fechten und Fußball bis zu Dressurreiten, Bridge oder Ten Pin Bowling.
Für Besucher sind alle Sportveranstaltungen kostenlos. Das gilt auch für die angesetzten Freundschaftsspiele zwischen Makkabi-Athleten und verschiedenen Profi-Sportlern. Im Fußball spielen Makkabi-Spieler mit einer DFB-All-Stars-Mannschaft und im Basketball tritt eine Makkabi-Auswahl an gegen ein gemischtes Team aus Spielern von Alba Berlin und dem israelischen Club Maccabi „Electra“ Tel Aviv.
Natürlich werden „wie vor anderen Großveranstaltung auch“ Sicherheitsvorkehrungen getroffen, sagt Organisator Osterer. Mit Details zu Kontrollen und Überwachungen hält er sich aber – eben aus Gründen der Sicherheit – zurück.
Aus derselben Motivation macht auch die Berliner Polizei keinerlei Angaben zum Sicherheitskonzept während der Makkabiade. Gleichwohl sagt Polizeisprecher Stefan Redlich, dass die Vorkehrungen für die Makkabiade größer sind als bei Veranstaltungen ähnlicher Größenordnung.
„Uns ist die Bedrohungssituation für Juden bewusst“, sagt Redlich, betont aber, dass sich die Polizei wie gewohnt auch während der Makkabiade um die Sicherheit jüdischer Menschen und Einrichtungen kümmert. Für etwas Aufregung hatte jüngst ein Medienbericht gesorgt. Demnach sei Alon Meyer, Präsident von Makkabi Deutschland, besorgt um die Unterbringung der Sportler im Estrel Hotel, aufgrund seiner Lage im muslimisch geprägten Neukölln. Das Hotel gilt aber als gut zu sichern.
Indes fühlt sich Meyer in dem Bericht nicht richtig wiedergegeben. Es sei zwar richtig, sagt Meyer, dass man sich selbstverständlich Gedanken um die Sicherheit mache. Nur sei die Lage diesbezüglich „in Neukölln nicht anders als anderswo“.
Keine Warnung wegen Neukölln
Generell sei davon abzuraten, dass sich große jüdische Gruppen als solche zu erkennen gäben. Und ebenso sei es in Großstädten nicht immer ratsam, offen Kippa oder Davidstern zu tragen. Eine besondere Warnung vor Neukölln leitet Meyer daraus aber nicht ab. Im Gegenteil: „Wenn wir Ängste hätten, dann würden wir unsere Zelte nicht in Neukölln aufschlagen.“
Seinen Abschluss findet die Makkabiade am Mittwoch, 5. August, mit einer großen Abschlussfeier in der Convention Hall des Estrel Hotels. Mit dabei sind dann Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD), verschiedene DJs und die Band Jewdyssee. Letztere hat übrigens auch eine Hymne für die Makkabiade in Berlin geschrieben: „Maccabi Chai“. Übersetzt aus dem Hebräischen heißt das: „Makkabi lebt“.


