Holzkunst

Möbel und Skulpturen aus kranken Bäumen und alten Balken

Der Marienfelder Christian Friedrich fertigt Unikate wie Tische und Sideboards für Kunden weltweit. Auch Berliner Clubs wie das „Yaam“ baute er mit aus. Alle Techniken hat er sich selbst angeeignet.

Foto: Uniic

Christian Friedrich ist ein Baum-Versteher. "Ich sehe einen Baum und will die innere Schönheit entdecken", sagt der Berliner. Dass der Baum dafür sein irdisches Sein beenden muss, ist kein Grund zur Sorge. Im Gegenteil. Der 52-Jährige guckt sich nur kranke Straßen- und Waldbäume in Berlin und Umgebung aus, die etwa Fäule im Stamm oder Ameisen in der Wurzel haben.

Der Marienfelder baut Möbel und Skulpturen, vornehmlich (Konferenz-)Tische und Sideboards. Dass er inzwischen weltweit Kunden hat, liegt an Friedrich selbst. Er ist ein Fanatiker im besten Sinne des Wortes. Und, wie er sagt, ein willensstarker Draufgänger.

Mit Mitte 20 packte er die Koffer, ging nach Amsterdam. "Dort sah ich, wie aus Grachtenhäusern Balken aus dem 16. Jahrhundert rausgerissen und weggeworfen wurden", erzählt er, "aus Berlin holte ich meinen Kutter, sagte den Jungs, schmeißt rauf, was ihr nicht braucht. Dann habe ich eine Werkstatt eröffnet." Learning by Doing. "Tische, Einbauschränke, Wickelkommoden, ich habe wie verrückt getischlert und gut verdient", so Friedrich. Er baute Clubs wie das "Yaam" oder "Sage" mit aus. "Eines Tages hörte ich im Nebenhaus eine Motorsäge. Im Hof wurde eine Kastanie gefällt. Ich fragte: Kann ich die haben?", so der Baum-Enthusiast. Mit einer Sackkarre und einem Arm in Gips transportierte er den Stamm ab, besorgte sich eine Mini-Motorsäge und legte los.

80 Bäume zersägt, um ein Verständnis für Maserungen zu bekommen

"Da kamen tolle Bretter raus, ich habe mir dann eine große Säge zugelegt", so Friedrich. 80 Bäume habe er im Jahr 1997 zersägt, um ein Verständnis für sie zu bekommen, Maserungen kennenzulernen, zu erfahren, wie sich das Holz wellt, wenn es trocknet, wie mit Astlöchern umzugehen sei.

Die Robinie, so Friedrich, sei ein dankbares Holz, Ahorn hingegen äußerst schwierig zu beackern. Seine Bäume bearbeitet, hobelt und veredelt er per Hand über Wochen und Monate.

Das rechtfertigt auch den Verkaufspreis. Der Quadratmeter liegt zwischen 1500 und 3000 Euro. "Jedes Stück ist ein Unikat", sagt Friedrich. Mit einem Baum könnte man ihm einen Traum erfüllen, mit einer Ahorn-blättrigen Platane. Friedrich kennt deren innere Schönheit: ein feurig-rötlicher Stamm, ein fast weißes Astwerk, kurzum eine Heidi Klum unter den Bäumen.

Uniic, Werkstatt: Buckower Chausee 116, 12277 Berlin-Marienfelde, Tel. 68 05 36 12, www.uniic.de

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