Sommerfrische

Wie man eine erfrischende Limonade selber machen kann

Limonaden liegen im Trend - selbstgemachte, natürlich. Immer mehr Geschäfte in Berlin bieten sie an. Man sie sich aber auch ganz einfach zu Hause selber mixen. Mit diesen Rezepten.

Foto: Sergej Glanze / Glanze

Für Lea Wehner schmeckt Limonade nach Sommer. „Ich mixe mir selbst eine aus Mineralwasser, Zitronensaft und braunem Zucker. Dazu gebe ich noch ein paar Blätter Minze“, erzählt die Studentin aus Tempelhof. Mit ihrem Getränk liegt sie im Trend, denn auch immer mehr Bars und Cafés bieten hausgemachte Brausen an. Auch die Getränkeproduzenten haben den Trend erkannt – und einige junge Berliner Unternehmen. Kreuzberg gilt dabei als Limonaden-Hochburg, denn hier sind „Proviant“, „Wostok“ und „Kreuzbär“ zu Hause.

Im Kiez gibt es sogar eine Limonadenbar. „Es ist einfach, eine gute Limonade selbst herzustellen“, sagt „Limonadier“-Betreiber Erich dos Santos. Sein Grundrezept besteht aus drei Teilen Zitronensaft, drei Teilen Sirup, dazu kommen Bitter, Soda sowie frische Gewürze und Früchte. Der Sirup wird selbst gemacht, dreimal pro Woche kocht das Team Früchte wie Orangen, Birnen oder Rhabarber ein. Gelegen an der Nostitzstraße, kommt seine Bar wie eine Mischung aus einem 20er-Jahre-Etablissement und aktueller Berliner Lounge-Ästhetik daher. Auf der Sommerkarte befinden sich mit Lindenblüte-Grapefruit-, Himbeer-Grüntee- oder Birne-Rhabarber-Limonade eher ungewöhnliche Erfrischungsgetränke. Dazu kommen Orangen-Ingwer, Kräuter oder – besonders sommerlich – Wassermelonen-Brause.

Mit Bauchladen auf dem Basar

Erich dos Santos hat zuvor in London, Stuttgart und Düsseldorf gastronomische Erfahrung gesammelt und kam dabei auf die Idee, neben Cocktails selbst gemachte Limonaden zu verkaufen – als Alleinstellungsmerkmal für seine Kneipe. Bei seinen Recherchen stieß dos Santos dann auf die sogenannten Limonadiers als Urväter der Barkeeper. „Im Orient verkauften sie auf Basaren aus ihren Bauchläden heraus Limonaden, die sie aus verschiedenen Essenzen selbst herstellten“, sagt er. Der Erfolg selbst gemachter Brausen liegt für ihn auch in der Zuckerdosierung: „Die Kunden schätzen es, dass unsere Limonade wegen ihrer natürlichen Geschmacksstoffe nicht so süß ist.“

Auch im „Princess Cheesecake“ in der Tucholskystraße in Mitte kann man zum Kuchen Eigenkreationen bestellen. Ganz neu ist die Waldmeisterlimonade, die bei den Gästen gut ankommt. Außerdem stehen verschiedene Varianten von Zitrone über Flieder oder Holunderblüte auf der handbeschriebenen Tafel – oft kommen neue Brause-Ideen dabei vom Konditorteam. Selbst gemachte Limos sind recht gesunde Durstlöscher, etwa Zitronenlimonade: „Mit dem Saft aus frischen Zitronen und seinem natürlichen Vitamin-C-Gehalt bietet sie einen perfekten Booster für Kreislauf und Körper an“, sagt Inhaberin Conny Suhr.

Von Apfelschorle zu Ingwer-Zitrone

Wie die Gastronomen setzen auch zahlreiche Getränkehersteller auf besondere Limonaden-Rezepturen. „Um neben den Smoothies ein zweites Standbein aufzubauen, haben wir 2012 begonnen, auch hausgemachte Limonade anzubieten“, erzählt Proviant-Geschäftsführer Paul Löhndorf. Zunächst waren dies die klassischen Geschmacksrichtungen Apfelschorle und Zitrone. „Ich habe ein ganz simples Rezept ausprobiert, was heute noch in unsere Flaschen kommt: Nur frisch gepresster Zitronensaft, Wasser und Rohrzucker – ohne Aromastoffe oder sonstige Zusätze“, berichtet er. Später kamen mit Rhabarber, Orange und Ingwer-Zitrone ein paar ausgefallenere Mixturen dazu. Alle Etiketten haben das EU-Bio-Siegel.

Muss eine Limonade, die das Image „hausgemacht“ für sich beansprucht, zwangsläufig bio sein? Beim Hersteller Wostok kommen drei von vier Limonaden ohne Bio-Siegel aus. Einzig die neueste Kreation Birne-Rosmarin ist bio-zertifiziert, da es sie bislang nur in den Filialen einer Bio-Supermarktkette zu kaufen gibt. Ansonsten ist der Bio-Hype dem Wostok-Gründer Joris van Velzen eher egal. „Wir sind da am Anfang sogar extra nicht aufgesprungen und haben stattdessen gesagt: Wir sind nicht bio, aber ehrlich“. Wichtiger sind ihm schräge, unkonventionelle Geschmacksrichtungen: So heißen die Sorten dann Tannenwald, Dattel-Granatapfel und Estragon-Ingwer.

Das Rezept der ersten Tannenwald-Limo stammt aus der früheren Sowjetunion. Als kommunistisches Pendant zur westlichen Coca-Cola wurde 1973 die Brause „Baikal“ vom Moskauer Staatsinstitut für nichtalkoholische Getränke, Bierbraukunst und Weinbau erfunden. Bei seinen Reisen als Werbefotograf lernte van Velzen „Baikal“ schätzen. 2009 gründete er „Wostok“ – russisch für Osten. Für seine Brause veränderte er die Rezeptur, das würzige Tannenaroma kommt bei ihm aus Taigawurzel, Fichtennadelöl, Eukalyptus und Kardamom. Vertrieben wird die Limo aus einem Hinterhofbüro im Bergmannkiez, die Abfüllung übernehmen jedoch Brauereien in Bayern, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. „Es besteht vielleicht der Eindruck, dass wir die Limo im Keller mit dem Trichter einrühren, aber das ist technisch gar nicht möglich“, sagt van Velzen.

Gewinn hat er auf dem umkämpften Limonadenmarkt damit bis heute zwar noch nicht gemacht, aber man nähere sich dem rentablen Punkt. Auf eine große Fanbasis kann sich Wostok schon jetzt stützen, die Internetseite zeigt eine Karte, wo es die Limo zu kaufen gibt. Neben vielen Spätis, Getränke- und Supermärkten in Berlin sind Städte wie Valencia, Edinburgh, Oslo oder Paris dabei.

Folgen einer durchfeierten Nacht

Kreative Start-up-Atmosphäre herrscht auch im Dachgeschoss eines Kreuzberger Hinterhofs, in dem Julia Akra sitzt und an Marketingkonzepten für eine neue Variante jenes Getränks tüftelt, das als Urberliner Limonade gelten darf: „Kreuzbär“. Die Idee dazu entstand in einer langen, durchfeierten Nacht, die vier Freunde aus Kreuzberg zusammen verbrachten. Ihr Anspruch: das vor über 100 Jahren von dem Chemiker Ludwig Scholvien erfundene Erfrischungsgetränk partytauglich zu machen.

Und so entwickelten sie auf Basis der überlieferten Scholvien-Vorlage eine Rezeptur, die neben traditionellen Zutaten wie Wasser, Malz, Zitronen und Kräutern auch Rohrohrzucker und Koffein enthält, erzählt Akra. Inzwischen gibt es auch eine Kreuzbär-Kindervariante ohne Koffein. Die ersten Flaschen wurden 2012 im Brauhaus Südstern von Hand abgefüllt, mittlerweile wird die Brause wegen steigender Absatzzahlen in Oranienburg produziert, denn Kreuzbär ist im Handel angekommen. Für Start-ups ist dieser Schritt erfahrungsgemäß die größte Hürde. In den Berliner Kaiser’s-Filialen sind die Glasflaschen mit dem Bären-Etikett zu finden, mit zwei weiteren großen Einzelhandelsketten sei man im Gespräch. Auch ein Internethändler vertreibt die Fassbrause.

Noch werfe „Kreuzbär“ keine Gewinne ab, sagt sie: „Im Moment ist es ein teures Hobby.“ Doch die Anteilseigner glauben an ihre Brause, stecken alles Geld gleich in die nächste Produktion, denn die Verkaufszahlen klettern nach oben. So hat der Kreuzbär-Absatz im ersten Halbjahr 2014 im Vergleich zum zweiten Halbjahr 2013 um 30 Prozent zugelegt. Sogar im Rheinland hat sich die Fassbrause mit Koffein schon einen Markt erobert. In Düsseldorf hat ein „Berliner Imbiss“ ein Currywurst-Menü mit Kreuzbär im Angebot. Ähnliche Nachfragen gibt es aus anderen Regionen, doch Julia Akra weiß: Im Moment muss der Berliner Markt Vorrang haben – wegen der aufwendigen Logistik.