Der böse Winter geht auch an zarter Modelhaut nicht einfach so vorüber. Zumindest hält Make-up-Artist Max Delorme in seinem weichen Französisch-Englisch gerade der 18-jährigen Roksana einen wohlwollenden Vortrag darüber, wie sie ihr Gesicht zu pflegen habe. Designerin Bernadett Penkov sitzt geduldig daneben. Acht Tage vor ihrer Modenschau steht die sogenannte Lookprobe in der „Académie l’Oréal Professionnel“ an der Friedrichstraße an, das kennt die 34-jährige Berlinerin schon.
25 bis 30 verschiedene Looks will sie in dieser Saison im weißen Zelt am Bebelplatz zeigen – dazu gehören auch das passende Make-up und Haarstyling. „Auffällige Smokey Eyes sollen es sein, sonst eher weniger Make-up“, sagt Penkov. Und wer glaubt, es dauere höchstens eine Viertelstunde, die Augen irgendwie verrucht-verwischt aussehen zu lassen, der irrt. Bestimmt eine Stunde pinselt, tupft und tuscht Delorme an dem Model herum. Penkov ist die Ruhe in Person, Roksana muss es berufsbedingt sein. Schließlich wurden ihr vorher von André Märtens, der Berliner Friseur ist zum sechsten Mal „Head of Hair“ der Mercedes-Benz Fashion Week, auch schon die Haare gemacht.
„Gerade für ein kleines Label ist es super, sich nicht um alles selbst kümmern zu müssen, sondern die vorhandene Infrastruktur nutzen zu können“, sagt Bernadett Penkov. Sprich – wer im Zelt zeigt, kann mit Musterstücken, Fotos, Magazinseiten oder auch bloß Ideen zum Stylingteam kommen und gemeinsam beraten, wie genau die Models aussehen sollen. Die verantwortlichen Stylisten fertigen dann ein richtiges Lookbook an, an das sich im Ernstfall die vielen Helferlein halten müssen.
Bei Penkov muss das Styling zu einer Mode passen, die „dezent militärinspiriert“ ist. Khakitöne, viel Goldknöpfe, einige Mäntel und trotzdem so „elegant wie immer“. „Die letzte Fashion Week hat mir gezeigt, dass eine Show am Bebelplatz genau richtig ist, um in Deutschland Aufmerksamkeit zu bekommen.“ Natürlich vor allem bei den Einkäufern. Dass Penkov auch im Departmentstore im Quartier 206 vertreten ist, ist ein großer Erfolg für das Label.
„Mir gefällt die Mischung von Designern in diesem Jahr“, sagt Penkov mit Blick auf den offiziellen Schauenplan. Jüngere Marken seien dabei, die man nicht woanders sehe. Nicht bloß aus Berlin, sondern auch andere Namen wie etwa Stefan Eckert aus Hamburg oder Patrick Mohr aus München sind dabei, „homemade“ sozusagen. Ein solches Alleinstellungsmerkmal sei wichtig, um international an Profil zu gewinnen.
Penkov ist diesmal auch auf der Fachmesse Premium vertreten – mit ihrer neuen Zweitlinie Penkov Weiss. Damit ist die Designerin nicht die erste, die eine günstigere Zweitlinie herausbringt – Frida Weyer zum Beispiel entwirft neben ihren opulenten Roben auch leichtere Kleidchen für die eigene „Light Collection“. „Ich habe viele Fans, die eher etwas jünger sind als meine Kernzielgruppe und dementsprechend auch ein kleineres Budget für Kleidung haben“, erzählt Penkov. Bis zu 40 Prozent günstiger als die Hauptlinie soll die neue deshalb sein und 15 Teile umfassen. Trenchcoat, Blazer, Jerseykleider gehören dazu. „Alles Lieblingsteile, die man auch in zwei Jahren noch gern trägt.“
Im Ernstfall dauert das Schminken nur 20 Minuten
Roksanas Augen sind jetzt übrigens fertig. Zur Endabnahme kommt „Head of Make-up“ Boris Entrup, gewohnt locker-flockig, der sich kurz darauf schon seinem nächsten Schützling widmen muss: Sam Frenzel, zuletzt Gewinner des „Designer for Tomorrow-Awards by Peek & Cloppenburg“. Eher zurückhaltend soll sein Make-up sein. „Super healthy“ eben, so wie die junge, sportive Stéphanie von Monaco oder Lauren Hutton, als sie noch ins Studio 54 ging oder Brooke Shields bei diesem berühmten Calvin-Klein-Foto von Richard Avedon. Frenzel hat ganz genaue Vorstellungen. Die von ihm entworfene Kleidung sei schon „sehr laut“, da müsse das Make-up zeitlos sein. Boris Entrup studiert ein altes Vogue-Cover, das der Designer mitgebracht hat.
Egal, wie lang die Umsetzung in der Probe nun dauern wird – kurz vor der Show darf das Schminken dann nur rund 20 Minuten dauern, und die Haare brauchen ja auch eine halbe bis Dreiviertelstunde. Allerdings werden auch im Backstage-Bereich von Bernadett Penkov am 20. Januar gleich 20 Stylisten aus jeder Sparte im Einsatz sein.




