Morgenpost Online: Was erhoffen Sie sich von der jetzigen Fashion Week?

Harald Wolf: Einzigartig in Europa ist die gemeinsame Veranstaltung von mehr als zehn Formaten, die Präsentation von über 2000 Marken innerhalb weniger Tage im Rahmen von Messen, Modenschauen, Showrooms sowie genreübergreifenden Präsentationen. Wichtiger Neuzugang im Januar ist die JAM Berlin. Sie bietet mit rund 300 Labels in den Rathenauhallen ein breites Portfolio aus den Bereichen Jeans- und Sportswear bis Lifestylemarken und wird in der „Area 20-10“ zahlreiche Berliner Designbrands präsentieren. Mit dem Format „thekeyto“ in der Heeresbäckerei, der Green Area der Premium und nachhaltig produzierten Kollektionen, die bei den „Showfloor Berlin“ - Modenschauen in der Kulturbrauerei gezeigt werden, positioniert sich Berlin zudem als wichtige Plattform für das Thema Green Fashion.

Morgenpost Online: Soll auch die Showroom-Meile ausgeweitet werden?

Wolf: Die Showroom-Meile, deren Angebote sich an die breite Öffentlichkeit richten, zeigt im Januar 2010 unter dem Motto „how nice without you?“ Kollektionen von Modedesignern aus Berlin, Wien, Kopenhagen und Budapest. Sie bietet zahlreiche Shop-Patenschaften für Designer rund um den Hackeschen Markt, Verkaufsflächen bei Galeria Kaufhof und Showrooms, genreübergreifende Installationen bei Galeries Lafayette, im Guggenheim Museum, Epicentro Art, Collegium Hungaricum, Camera Work und im Museum The Kennedys. Hinzugekommen ist eine filmische Retrospektive zum Thema Mode. Im Sommer wird die Showroom-Meile dann größer ausfallen und mehr Orte bündeln. Wichtiger als Besucherrekorde ist, dass die inhaltliche Qualität stimmt, der Designnachwuchs eine Präsentationsplattform hat und es ein Format gibt, bei dem das modeaffine Publikum an der Fashion Week teilhaben kann.

Morgenpost Online: Der Senat fördert erneut Jungdesigner am Bebelplatz.

Wolf: Wie in den vorangegangenen Saisons erhält der Designnachwuchs kostengünstige Slots für Modenschauen im Rahmen der Mercedes-Benz Fashion Week. Im Januar 2010 gehen diese an Michael Sontag und Frida Weyer, zwei junge Modedesigner aus Berlin, die beide schon zahlreiche Preise erhalten haben und deren Kollektionen vom Stil her nicht unterschiedlicher sein könnten.

Morgenpost Online: Wird es einen Ersatz für den P&C-Nachwuchspreis im Januar geben?

P&C hat entschieden, dass der Nachwuchspreis „Designers for Tomorrow“ künftig einmal jährlich – jeweils im Sommer – im Rahmen der Mercedes-Benz Fashion Week verliehen wird. Das ist sicher auch vor dem Hintergrund sinnvoll, dass das Unternehmen neben der Auszeichnung zahlreiche unterstützende Maßnahmen für die Preisträger anbietet und dafür mehr Zeit einplant. Einen Ersatz für den P&C Designers for Tomorrow-Award wird es nicht geben. Dafür wird in 2010 ein zusätzlicher Modewettbewerb des Landes starten. Ziel ist es, Modedesigner aus Berlin mit Startkapital zur Gründung eines Modelabels und einem Paket an zusätzlichen Leistungen - von PR, Coaching, Messeauftritten bis hin zu Modenschauteilnahmen - auszustatten. Das Land will damit stärker als bisher in die Infrastruktur investieren und kommenden Shootingstars aus Berlin den Markteintritt erleichtern.

Morgenpost Online: Wie funktioniert grundsätzlich die Kommunikation zwischen den Fashion-Week-Protagonisten?

Wolf: Die Abstimmung aller Veranstalter zur Fashion Week bleibt - angesichts der großen Platzhirsche, aber auch durch neue Veranstaltungen - eine Herausforderung, der wir uns in jeder Saison neu stellen. Termine und Shuttle- Services werden zwischen den Formaten abgestimmt. Die gemeinsame Kommunikation bleibt ein spannendes Thema. Ein breiteres Commitment der Protagonisten kann dem Modestandort noch mehr internationale Strahlkraft verleihen.

Morgenpost Online: Wie sehen Sie die weitere Entwicklung des Standortes?

Wolf: „Erst war es Paris, dann London, New York – und jetzt ist Berlin dran. Berlin hat das Zeug zur internationalen Modemetropole”, das sagte vor kurzem der große Fotograf F.C. Gundlach. Schon im Januar bietet Berlin aufgrund der hohen Konzentration an Messen und Modenschauen zu einem Termin, Einkäufern und Journalisten eine umfassende Marktübersicht von Streetwear, Jeanswear, Green Fashion, Unterwäsche bis zu Avantgarde- Mode. Das macht Berlin für den Zuzug weiterer Messen interessant. Solange die finale Entscheidung nicht gefallen ist, werden die Namen absolut vertraulich behandelt. Sicher wird die Sogwirkung Berlins in den kommenden Saisons weiter zunehmen.