Ein Bündnis um den Berliner Ehrenbürger Edzard Reuter will die Fashion Week vom Bebelplatz verbannen. Aus Rücksicht auf das dortige Mahnmal, das an die nationalsozialistische Bücherverbrennung erinnert, müsse der Platz „frei von trivialisierenden Massenveranstaltungen bleiben“, heißt es in einem offenen Brief an den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), der am Sonntag veröffentlicht wurde.
Zu den Unterzeichnern des Schreibens gehören neben dem früheren Daimler-Chef Reuter auch die Vorsitzende der Berliner Jüdischen Gemeinde, Lala Süßkind, die CDU-Bundestagsabgeordnete Monika Grütters sowie verschiedene Künstler und Kirchenvertreter. Sie beklagen, dass der Zugang zum unterirdischen Mahnmal durch Modeschauen, Weihnachtsmärkte und Eislaufbahnen regelmäßig behindert werde. Die „provinzielle Bespielung“ eines authentischen Tatorts von Nazi-Verbrechen beschädige zudem das Ansehen Deutschlands.
Im Rahmen der Berliner Fashion Week finden in den kommenden Tagen wieder mehrere Modeschauen auf dem Bebelplatz im Bezirk Mitte statt. Seit 1994 existiert dort aber auch das Denkmal des israelischen Künstlers Micha Ullman, das an die Bücherverbrennung auf dem damaligen Opernplatz am 10. Mai 1933 erinnert. Das Kunstwerk zeigt eine unterirdische Bibliothek mit leeren Regalen. Besucher des Platzes sehen das Denkmal durch eine Glasscheibe im Boden. Schon der Bau einer Tiefgarage unter dem Platz hatte vor einigen Jahren für einen erbitterten Streit gesorgt.
Wirtschaftssenator Harald Wolf kündigte am Sonntag an, ein Ausweichquartier für die Modenschau zu suchen. „Der Bebelplatz ist mit seinen historischen Gebäuden ein schöner Rahmen für die Modenschauen der Mercedes-Benz Fashion Week“, sagte Wolf Morgenpost Online. „Allerdings ist er aufgrund seiner Historie und insbesondere aufgrund der Bedeutung des Mahnmals eine Interimslösung.“ Weder der Veranstalter noch der Bezirk hätten die Nutzung des Platzes durch die Mercedes-Benz Fashion Week auf die leichte Schulter genommen, sondern stellten mit zahlreichen Maßnahmen die umfassende Zugänglichkeit und einen möglichst respektvollen Umgang sicher.
Das bestätigt auch der Baustadtrat von Mitte, Ephraim Gothe (SPD): „Weihnachtsmärkte haben wir bereits vom Platz verbannt“, sagte er. Bei der Fashion Week habe die Bezirksverordnetenversammlung allerdings die „außerordentliche wirtschaftliche Bedeutung für Berlin“ anerkannt. „Wenn ein alternativer Veranstaltungsort gefunden würde, würden wir das sehr begrüßen“, so Gothe.
Doch die Suche nach einer Alternative gestaltet sich offenbar schwierig. „Bei der Suche nach einem Ort für die Modenschauen sind im Vorfeld alle zentral gelegenen Plätze geprüft worden, alle haben genehmigungsrechtliche Tücken, daher wird es notwendig sein, dass IMG als Veranstalter alle Möglichkeiten noch einmal durchgeht und perspektivisch auch Indoor-Locations ins Auge fasst“, sagte Wolf weiter.
Veranstalter IMG ist von der Dynamik der Debatte über den Bebelplatz zwar überrascht, hatte allerdings bereits im vergangenen Jahr damit begonnen, einen anderen Veranstaltungsplatz zu suchen. „Wir hatten im November ein sehr gutes Gespräch mit dem Berufsverband Bildender Künstler (BBK), bei dem der Verband uns seine Bedenken noch mal deutlich gemacht hat“, so IMG-Sprecher Daniel Aubke. Der BBK vertritt die Interessen des Künstlers Micha Ullmann. IMG habe damals bereits signalisiert, dass die Veranstaltung nicht zwingend auf dem Bebelplatz stattfinden müsse und man offen für andere Plätze sei. Seither hat der Fashion-Week-Organisator gemeinsam mit dem Senat etwa 20 Plätze und Gebäude in Mitte besichtigt, unter anderem waren der Pariser Platz, der Gendarmenmarkt, der Leipziger Platz und der Martin-Gropius-Bau im Gespräch.
Bislang hat IMG jedoch noch für keinen der Orte grünes Licht bekommen. „Es gibt bei vielen Plätzen berechtigte Sicherheitsbedenken oder eine gute Zugänglichkeit ist nicht gewährleistet“, so Aubke. Außerdem müsse das neue Zuhause der Fashion Week ebenso geräumig sein wie das Zelt auf dem Bebelplatz – wo den Designern 3000 Quadratmeter zur Verfügung stehen. IMG sei aber zuversichtlich, eventuell schon für die nächste Fashion Week im Juli einen neuen Veranstaltungsort zu finden.
BM/dpa



