Berliner Szene

Party geht für das Yaam am Spreeufer weiter - vorerst

Der Grundeigentümer hat auf die Räumung des Berliner Clubs im Dezember verzichtet. Die Betreiber müssen trotzdem einen neuen Ort suchen.

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Von einer Rettung zu sprechen, wäre verfrüht. Aber immerhin: Die Chancen auf den Erhalt des Berliner Jugend- und Kulturclubs Yaam auf der Brache gegenüber vom Ostbahnhof sind wieder deutlich gestiegen.

Nach einem klärenden Gespräch zwischen dem Grundstückseigentümer, der spanischen Immobilienfirma „Urnova“, dem Bezirk, der Senatskanzlei und dem Yaam-Club ist die angedrohte Räumung des knapp 9000 Quadratmeter großen Areals zum 10. Dezember 2012 definitiv vom Tisch.

Allerdings bleibt es dabei, dass das Yaam das Filet-Grundstück direkt an der Spree wird räumen müssen. Unter Hochdruck muss nun ein alternativer Standort her. Denn die Räumung ist nur bis Mitte Januar kommenden Jahres ausgesetzt.

Yaam-Betreiber Ortwin Rau ist überzeugt, dass die Frist ausreichen wird. „Es gibt die konkrete Aussicht auf ein Ersatzgelände an der Schillingbrücke“, teilte Rau am Donnerstag mit. Der Young African Arts Markt (Yaam) könnte auf das Areal ziehen, auf dem aktuell das „Magdalena“ – vormals „Maria am Ostbahnhof“ – von Club-Legende Ben de Biel beheimatet ist. Allerdings setzt dies voraus, dass das Magdalena auszieht.

Möglicher Umzug auf das Areal der Schillingbrücke

Er habe keine Probleme damit, das Grundstück an der Schillingbrücke für den befreundeten Yaam-Macher zu räumen, sagte de Biel Morgenpost Online am Donnerstag. „Wir wurden ja selbst mehrfach gekündigt und sind an diesem Standort wiederum schon ein Jahr länger, als gedacht“, sagte Biel, der auch Pressesprecher der Berliner Piraten ist und als Fotograf arbeitet. Für ihn sei wichtig, dass das Gelände an der Spree überhaupt für die Club- und Kulturszene erhalten bleibe. „Wenn es gelingt, das Yaam hier anzusiedeln, wäre ich damit sehr einverstanden“, so de Biel. Allerdings laufe sein Vertrag noch bis zum 30. Januar 2014. „Vorher wird das Magdalena auch nicht ausziehen“, stellte er klar.

Für das Yaam sind damit noch längst nicht alle Probleme beseitigt: Damit der Umzug auf das Areal an der Schillingbrücke gelingen kann, muss als erste Voraussetzung nun die Rückübertragung dieses Grundstücks durch den Berliner Liegenschaftsfonds an den Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg erfolgen. Die dafür notwendigen Schritte wurden bereits eingeleitet. „Den Rückübertragungsantrag habe ich bereits in der vergangenen Woche gestellt“, sagte Franz Schulz (Grüne), Bezirksbürgermeister von Friedrichshain-Kreuzberg. Der Aufsichtsrat des Liegenschaftsfonds werde bereits auf seiner kommenden Sitzung am 14. Dezember 2012 darüber beraten.

Finanzsenator Nußbaum will Yaam helfen

Da die geplante Rückübertragung nun vor allem Mindereinnahmen in zweistelliger Millionenhöhe für die Berliner Landeskasse bedeuten, ist besonders die Haltung von Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos, für SPD) entscheidend. Dieser hat bereits seine generelle Bereitschaft signalisiert. „Auf Basis unseres neuen Liegenschaftskonzepts ist die Rückübertragung des Grundstücks an den Bezirk mit Zustimmung des Vermögensausschusses im Abgeordnetenhaus möglich“, so Nußbaum gegenüber Morgenpost Online. Die Idee mit dem Umzug war „unser Vorschlag und ich freue mich, dass es eine Einigung gibt“, so Nußbam weiter.

Auch auf Seiten des Eigentümers ist man an einer einvernehmlichen Lösung interessiert. Der Berliner Rechtsanwalt Tilman Scheffczyk, der den spanischen Grundstückseigentümer vertritt, betonte, dass man dem Yaam und dem Land Berlin Gelegenheit geben wolle, den Alternativstandort zu sichern. „Eine Räumung des Geländes durch Urnova wird während der Dauer der Gespräche nicht betrieben“, sagte Scheffczyk. Der Aufsichtsrat des Liegenschaftsfonds sei jetzt gefragt, einen positiven Beschluss zu fassen. „Anders als zunächst geplant, will die spanische Urnova nicht selbst bauen, sondern das Areal samt Baurecht verkaufen. Der Wert des Areals wird mit rund 26 Millionen Euro angegeben. Solange jedoch das Yaam auf dem Areal beheimatet ist, wird sich wohl schwerlich ein Käufer finden lassen, der auch bereit ist, diese Summe zu zahlen. Mit der konkreten Umzugsoption an die Schillingbrücke wäre dieses Vermarktungshemmnis jedoch beseitigt.

Prominente Unterstützer auch außerhalb der Clubszene

Das Yaam, das in keinem Reiseführer fehlt, hat unzählige prominente Unterstützer vor allem in der Musikszene, darunter auch die Bandmitglieder von Seed und Culcha Candela. Mit seinen kostenlosen Jugend- und Kulturangeboten in der großen Veranstaltungshalle und auf den Sportplätzen hat das Yaam zudem starken Rückhalt auch außerhalb der Clubszene.

Das Yaam existiert bereits seit 18 Jahren, musste allerdings, genau wie viele andere Clubs an der Spree, mehrmals umziehen. Angefangen hatte der Club auf dem Arena-Gelände in Treptow, zog dann um nach Kreuzberg, zum Postbahnhof in Friedrichshain, wieder nach Treptow und schließlich an den Stralauer Platz 35. Das Areal an der Kreuzberger Cuvrystraße, das das Yaam 1998 räumen musste, weil gebaut werden sollte, ist bis heute eine Brache. Ähnlich wie das Yaam ist auch die Existenz weiterer Berliner Clubs und Strandbars bedroht, weil sie auf Grundstücken angesiedelt sind, auf denen laut geltender Bebauungspläne gebaut werden darf.

"Yaam Street Parade“ am Sonntag zieht zum Roten Rathaus

Auch die „Bar 25“ an der Holzmarktstraße 25 musste 2010 schließen, weil die Berliner Stadtreinigung (BSR) das Grundstück meistbietend vermarkten wollte. An diesem Verkauf entzündete sich auch eine Diskussion um die Berliner Liegenschaftspolitik. Demnach soll bei der Vergabe landeseigener Grundstücke nicht mehr nur das Höchstgebot, sondern auch das Nutzungskonzept eine stärkere Rolle sielen. Den ehemaligen Bar-25-Betreibern gelang es schließlich, jedoch auch ohne politische Einflussnahme, sich das angestammte Grundstück zu sichern. Mithilfe einer gemeinnützigen Stiftung hatten sie das nötige Geld aufbringen können. Mit Partnern soll nun dort das Kreativendorf Holzmarkt entwickelt werden.

Eben weil die Existenz so vieler Kultureinrichtungen an der Spree bedroht sei, werde man an der geplanten Demo am Sonntag, dem 2. Dezember dennoch festhalten, so Ortwin Rau. Die „Yaam Street Parade“ wird sich um 15 Uhr vor dem Yaam am Stralauer Platz 35 in Bewegung setzen und zum Roten Rathaus ziehen. Neben einer Kundgebung wird es Live-Konzerte von befreundeten Musikern geben – darunter Johnny Strange (Culcha Candela), Nosliw und LMNZ und zahlreiche andere Yaam-Künstler.

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