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Michael Michalskys kleiner Berlin-Führer

| Lesedauer: 4 Minuten
Tina Molin
Modedesigner Michael Michalsky in der „Catwalk Bar“ im „Marriott Hotel“ am Potsdamer Platz

Modedesigner Michael Michalsky in der „Catwalk Bar“ im „Marriott Hotel“ am Potsdamer Platz

Foto: Joerg Krauthoefer

Vom „Funkhaus Berlin“ über den Schinkel Pavillon bis zur „Catwalk Bar“: Der Modedesigner verrät seine liebsten Orte in der Stadt.

Designer Michael Michalsky hat sein Auto abgeschafft und geht nun fast alle Wege zu Fuß. Zum Interview kommt der Pünktlichkeitsfanatiker zehn Minuten zu spät, die vier Kilometer von seinem Büro an der Köpenicker Straße zu der von ihm eingerichteten „Catwalk Bar“ am Potsdamer Platz seien doch länger als gedacht, entschuldigt er sich. Im Gespräch verrät der gebürtige Göttinger, der 2006 sein eigenes Label in Berlin gründete, seine Lieblingsorte der Stadt aus den Bereichen Kultur, Kunst und Kulinarik.

Sightseeing-Geheimtipps

Meine erster Geheimtipp ist ganz klar das „Funkhaus Berlin“ in Köpenick. Das ehemalige Sendehaus der DDR ist noch komplett erhalten und beeindruckend von der Architektur, vom Design und den vielen Details her. Da gibt es einzigartige Tonstudios für Kammermusik, für Big Bands oder Hörspiele – alle anders gestaltet und von Sting, Cro, aber auch Daniel Barenboim und Lang Lang genutzt. Unbedingt einen Termin machen und besichtigen.

Ein weiterer Lieblingsort von mir ist der kleine, aber feine Schinkelplatz, schräg gegenüber vom Auswärtigen Amt. Schinkel selbst hat den Platz entworfen und nach seinen Ideen ist er wieder aufgebaut worden – vom Brunnen, über die Bänke bis zu den Blumen. Im Frühjahr ist es toll dort. Man blickt auf das neue Schloss und genießt den klassizistischen Park.

Gleich um die Ecke befindet sich der Hausvogteiplatz, der für mich als Designer ein besonderer Ort ist. Vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten kamen Adelige und Prominente aus der ganzen Welt hierher, um sich bei den Konfektionshäusern am Platz einkleiden zu lassen. Hier wurde Konfektion, also Ready-to-Wear, erfunden. Das Mahnmal aus Spiegeln symbolisiert die Ankleidespiegel, auf den Stufen zur U-Bahn stehen die Namen der berühmten jüdischen Konfektionäre.

Kunst und Kultur

Der Schinkel Pavillon hinter dem Kronprinzenpalais: In der sechseckigen Rotunde im Stil der 50er-Jahre gibt es engagierte Kunstaustellungen. Da ich Schwarz-Weiß-Fotografien sammle, empfehle ich die Galerien „Kicken“ und „CFA“. Sehr unterschätzt ist das „Deutsche Historische Museum“. Dort gibt es tolle Ausstellung, die sperrige Themen, wie den Ersten Weltkrieg, so aufbereiten, dass man sich dafür interessiert.

Über den Schlüterhof erreicht man die Ausstellungshalle von I.M. Pei, der auch die Pyramiden im Louvre entworfen hat. Auch sehr unterschätzt ist die „Berlinische Galerie“, die sich sehr viel Mühe mit ihren Ausstellungen gibt und die Konkurrenz zum Martin-Gropius-Bau nicht scheuen muss.

Typisch Berlin sind auch die Stadtnomaden an der Spree. Mein Atelier ist in der ehemaligen Maschinenhalle vom Deutschen Architekturzentrum an der Köpenicker Straße. Ich blicke dort auf die Spree – und Jurten. Denn auf dem Gelände des ehemaligen „Kiki Blofeld“ wohnen jetzt Stadtnomaden in Zelten. Die haben dort einen Park angelegt, und man kann sie besuchen und sich an die Spree setzen.

Essen und Ausgehen

Ich frühstücke zwar nie, aber wenn man das möchte, dann im „Daluma“ am Weinbergsweg. Das Essen ist sehr gesund, es gibt Veganes und Raw Food. Das hört sich schwierig an, doch es ist sehr lecker. Oder ein Stück weiter das „3 Minutes sur Mer“ an der Torstraße. Dort gibt es Eier Benedict, die man selten bekommt und die ich liebe.

Zum Dinner habe ich drei Tipps. Der Österreicher „Mutzenbacher“ in Friedrichshain ist alpenländisch, aber auch trendy. Hochwertiger ist „JoLee“ an der Winsstraße. Die machen Korean Fusion Food, wobei einen Sternekoch das Essen mit einem Twist versieht. Nichts für jeden Tag, aber toll, wenn man Gäste hat. Wer ein lustiges und lebendiges Pre-Clubbing-Dinner sucht, dem empfehle ich das „Crackers“ an der Friedrichstraße. Dort kann man auch tanzen, und das Essen ist sehr gut.

Für einen Drink empfehle ich die „Catwalk Bar“ am Potsdamer Platz. Das Interieur-Design stammt von mir. Ich habe sie eingerichtet, wie ich mir meine Traumbar vorstelle. Mit 60er-Jahre Couches, Barock-Elementen, Teppichen mit Tigermuster und Schwarz-Weiß-Fotografien. Eine Bar ist immer wie ein Laufsteg, und bei der „Catwalk“-Bar stimmt die Mischung aus tollen Leuten und Drinks.

Zum Tanzen kann ich keinen speziellen Club empfehlen. Ich mag House und Garage, daher gehe ich zu DJs wie Tiefschwarz und M.A.N.D.Y. oder zur monatlichen Gay-Party „Horse Meat Disco“ ins „Prince Charles“ am Moritzplatz in Kreuzberg.