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Die PanAm-Lounge – Eine Zeitkapsel an der Budapester Straße

Einst war die PanAm Lounge ein exklusiver Ort für die Crews der Airline. Dann wurde es still um die Location. Bis vor zehn Jahren.

Michael Michalsky bei dem Empfang zu 10 Jahren PanAm Lounge

Michael Michalsky bei dem Empfang zu 10 Jahren PanAm Lounge

Foto: Eventpress Herrmann / Eventpress

„Die Lounge der ehemaligen Fluggesellschaft PanAm in Berlin ist ein einzigartiger Ort“, findet Außenminister Frank-Walter Steinmeier – und steht mit dieser Meinung nicht alleine da. Vor zehn Jahren erweckte die Schauspielerin Natascha Bonnermann, bekannt aus der „Lindenstraße“, den ehemaligen Treffpunkt der Piloten und Stewardessen der legendären Fluglinie und ihrer internationalen Gäste aus Film, Entertainment, Jet Set und Politik als Eventlocation aus den Dornröschenschlaf.

Das Jubiläum feierte sie am Donnerstagabend mit Gästen wie Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller, US-Botschafter John B. Emerson, Berlinale-Chef Dieter Kosslick sowie Designer Michael Michalsky im zehnten Stock des Eden-Hochhauses.

Außenminister Steinmeier feierte am Abend selbst eine Grillparty, konnte deswegen nicht in der Lounge dabei sein. Doch Dieter Kosslick wusste Abhilfe zu schaffen. Er ließ sich ein großes Stück der Geburtstagstorte einpacken und versprach, sie mit besten Grüßen beim Außenminister abzuliefern.

Mehrere Berliner Spitzenköche versorgten die Gäste

Ganz im Zeichen des Glanzes vergangener Tage waren mit Kolja Kleeberg, Christian Lohse, Chef Tam, Benjamin Rüdiger, Hartmut Japs und Tom Hartmann gleich mehrere Berliner Spitzenköche für das leibliche Wohl der Geladenen verantwortlich. Und so standen unter anderem Champagner und Austern, aber auch Berliner Kartoffelsuppe mit Würstchen auf der Speisekarte.

„Zwischen 1966 und 1991 war die PanAm Lounge ein Geheimtipp im Westteil der Stadt. Eingerichtet als Treffpunkt für die Crews der Fluggesellschaft, entwickelte sie sich schnell zu einem Ort der Begegnung mit Flair“, so Frank-Walter Steinmeier in seinem Grußwort. Schließlich gehörte Feiern bei PanAm schon immer zum Fliegen und begründete so den Beginn einer ganzen Ära.

Von Key West nach Havanna, Kuba

1927 gingen die ersten Flüge mit Pan American World Airways in die Luft. Am 19. Oktober startete die Maschine in Key West, Florida, und landete in Havanna auf Kuba. Gleich nach der Landung wurde die Crew in die berühmte El Floridita Bar geführt, wo das Ereignis mit Rum und Ananas Daiquiris gefeiert wurde. Pan American Airlines war 1939 die erste Fluglinie, die den Pazifik überquerte und Passagierflüge nach Europa anbot. Mehr als zwei Jahrzehnte später war der 100.000. Atlantikflug erneut ein Grund zum Feiern. Die Fluglinie war so gewachsen, dass es Pläne gab, weltweit nach Mitarbeiter-Unterkünften zu suchen.

Zur gleichen Zeit entwickelte sich der Berliner Breitscheidplatz in rasanter Geschwindigkeit. Der Unternehmer, Architekt und Investor Karl-Heinz-Pepper gab der Gegend zwischen der Gedächtniskirche, dem Kurfürstendamm, Tauentzien und der Budapester Straße mit dem visionären Europa-Center eine neue Gestalt. In direkter Nachbarschaft, an der Budapester Straße 43, war noch ein Bau geplant: das Eden-Hochhaus, benannt nach dem Hotel, das einst dort stand. Im Voraus sicherte sich PanAm den Wohnturm. Ziel war es, eine repräsentative Zentrale zu haben.

1966 war das Eden-Hochhaus fertig und PanAm bezog seine neue Berliner Adresse. Für die dort lebenden Crew-Mitglieder war ein Penthouse für das Amüsement eingerichtet: Es wurde zu einer wichtigen Adresse für das High-Society-Nachtleben in Berlin.

Der Ort atmet den Geist der 60er-Jahre

Am 8. Januar 1991 musste PanAm Konkurs anmelden, die Treibstoffpreise waren in die Höhe geschossen, ausgelöst durch den ersten Golfkrieg. Ein weiterer Grund war Lockerbie, jenem Bombenanschlag auf einen Pan-Am-Jumbo 1988, bei dem 270 Menschen starben. Es ging bergab, nicht nur wirtschaftlich, sondern auch beim Passagierservice. Am 4. Dezember 1991 wurde im Eden-Hochhaus ein letztes Glas gehoben. Die Party dauerte bis in die Morgenstunden.

Zufällig entdeckte Natascha Bonnermann 2005 die PanAm Lounge. „Es war, als wäre ich in eine andere Zeitzone transportiert worden“, so die Wahlberlinerin. „Als ob die Piloten und Stewardessen gerade gegangen wären. Bonnermann beschloss, alles, was sie hatte, in die Erhaltung der PanAm Lounge zu investieren. Heute finden dort ausgewählte Events wie die Nominiertenparty des Deutschen Filmpreises, Premierenfeiern und Empfänge statt. „Die Lounge macht es uns heute möglich, den Zeitgeist der 60er-Jahre, den PanAm aus der Welt ins abgeschottete Berlin transportierte, zu atmen und ihren Stil, ihre Mode, die Musik und die Kultur von damals noch heute zu spüren“, sagt sie.

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