Mit sicherem Handgriff zieht Eva Lutz der Schaufensterpuppe den Mantel über, dann montiert sie den Arm und positioniert die Plastikhand lässig am Kragen. Die 56-jährige Modedesignerin aus Franken ist mit ihrem Label „Minx by Eva Lutz“ auf Erfolgskurs. Anlässlich der „Vogue Fashion’s Night Out“ rund um den Kurfürstendamm veranstaltete sie am Mittwochabend einen Pop-up-Store für 450 Gäste. In einer kurzen Verschnaufpause erklärt sie die kommenden Herbsttrends, warum Miniröcke out sind und das Bikini Haus dagegen in.
Berliner Morgenpost: Erstmals findet die „Fashion’s Night Out“ nur am Kurfürstendamm statt. Sie zeigen Ihre Mode in diesem Rahmen im Hotel „Sofitel“ an der Augsburger Straße. Finden Sie den Westen spannender als den Osten?
Eva Lutz: Ich war früher oft in West-Berlin, weil mein Bruder dort lebte. Nach der Wende bin ich dann aber Fan des Ostens geworden, war oft am Prenzlauer Berg und am Hackeschen Markt, um neue Labels und Läden zu entdecken. Doch seit zwei Jahren bin ich auch wieder in West-Berlin unterwegs – obwohl ich jahrelang nicht mehr da war.
Woher kommt das wiedererwachte Interesse?
Das Bikini Haus ist für mich ein großes Zugpferd. Dort gibt es Läden, die ich nur da finde, denn Prada und Versace kann ich mir auch in München anschauen.
Sie zeigen im Pop-up-Store die kommende Herbst-/Wintermode. Verraten Sie uns zwei Trends.
Definitiv Marsala-Töne. An der Puppe sieht man das sehr schön: ein weinroter Rock, kombiniert mit einem lachsfarbenen Pullover. Stücke in Weinrot, Lachs und Apricot finden reißenden Absatz. Außerdem ist die Kombination von Erdtöne mit Grau, Dunkelblau, Dunkelbraun oder Schwarz angesagt, dadurch bekommt ein Look Tiefe.
Was ist neu bei den Schnitten?
Einen Petticoat-Rock, den man lässig mit einem weiten Pullover kombiniert. Oder einen lose Silhouette, die den Körper umspielt. Etwa ein Oberteil in O-Form, das man zur Jogginghose trägt.
Zur Jogginghose? Kann man die denn wirklich ins Büro anziehen?
Es gibt sie in der edlen Variante aus weichem Velour, dazu einfach eine weiße Bluse und einen schwarzen Blazer anziehen und man ist top angezogen. Am Abend wechselt man die weißen Sneaker dann gegen Pumps und der Look ist perfekt.
Sie sind 56 Jahre alt. Wie trägt eine Dame mit 60 oder 70 Jahren denn Jogginghose?
Am besten mit einer Seidenbluse mit Stehkragen, die sie vorne locker in die Hose trägt. Wenn die Hose aus einem edlen Material ist und fließend fällt, kann man das auch noch im hohen Alter anziehen ohne blöd auszusehen.
Über welchen Trend freuen Sie sich?
Über den knielangen Rock. Damit sieht die Frau viel gestreckter und damit natürlich auch schlanker aus. Der Midirock sieht einfach raffiniert und sexy aus. Viel mehr als ein Minirock. Überdies sind die offensichtlichen Dinge nicht mehr angesagt: zu hohe Stöckelschuhe, zu viel Make-up, zu viel Glitzer und Blingbling entsprechen nicht mehr dem Zeitgeist.
In welche Stücke sollte man investieren?
Overalls und Pencil Skirts bleiben weiterhin ein Thema, auch legere Oberteile wie Blousons oder Bomberjacke werden uns noch begleiten. Genauso wie weiße Sneaker und die Jogginghose.
Welche Outfits gehen nicht mehr?
Wenn die Röcke zu kurz sind, habe ich inzwischen ein Problem damit. Auch wenn die High Heels zu hoch sind und das Make-up zu stark, hat das einen komischen Touch. Vor vier Jahren war das alles in, aber jetzt sieht es nicht mehr cool aus. Ich denke, dass sich die Männer über diese Entwicklung freuen, denn Frauen sehen wieder raffinierter und weiblicher aus.
Wie sehen Sie die Zukunft der Fashion Week nach dem Wegfall der „Bread & Butter“ unter Karl-Heinz Müller?
Ich habe bei der letzten Show davon nichts gemerkt, denn Berlin hat sich auch ohne die „Bread & Butter“ etabliert. Statt zu kippen, haben sich alle Messen zusammengesetzt und die nächsten Termine abgestimmt. Daher steht nun bereits der Winter- und der Sommertermin fest. Außerdem gibt es das neue „Fashion Council“, und der „Berliner Mode Salon“ im Kronprinzenpalais hatte so viele tolle Designer und Gäste, dass die Fashion Week auf einem guten Weg ist mehr Wertigkeit zu bekommen.
Was sind Ihre Lieblingsplätze in Berlin?
Ich bin Vegetarierin und gehe hier sehr gerne essen. Ich liebe das „Katz Orange“, außerdem kann ich „Pauly Saal“, „Dudu“, „Cookies Cream“ und „Neni“ empfehlen.
Auch bei eBay erhältlich: Damenmode von Minx by Eva Lutz*.
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