Berliner Szene

Lützow-Bar will mit neuem Konzept zu alten Hoch-Zeiten

In den 90er-Jahren besuchten die „Bar am Lützowplatz“ Kevin Costner, Liza Minelli und Danny de Vito. Dann kamen schlechtes Publikum und das Aus. Zwei Berliner wollen sie zurück in Hoch-Zeiten führen.

Foto: Amin Akhtar

René Dreher ist einer der wenigen Männer, die es schaffen, mit Anzugweste, Fliege und großer Hornbrille nicht spießig auszusehen. Vielleicht liegt es an den Tattoos auf seinen Unterarmen, dem Bart oder dem Grinsen, wenn er sich überlegt, wie er auf eine Frage antwortet.

„Bartender zu sein, das kann man nicht lernen – das ist einfach eine Berufung“, sagt der 26-Jährige und nickt Thomas Pflanz zu, der einen knappen Meter neben ihm steht und an einer Zigarette zieht. Pflanz ist mit seinen 54 Jahren mehr als doppelt so alt wie sein junger Kollege. Doch was das neue Konzept der Bar, die sie gemeinsam planen, angeht, sind sie einer Meinung.

Es geht um die „Bar am Lützowplatz“ (Lützowplatz 7, 10785 Berlin-Tiergarten). Für viele Berliner eine bekannte Adresse aus der Vergangenheit. 1990 öffnete sie zum ersten Mal ihre Türen und entwickelte sich innerhalb kürzester Zeit zu einer der angesagtesten Bars Berlins. „Leute, die hier gearbeitet haben, wurden später in anderen Bars mit Kusshand genommen“, sagt Thomas Pflanz, der mit zum Gründungsteam gehörte – und viele Geschichten aus der damaligen Zeit zu erzählen hat.

Damals in den 90er-Jahren, als Schauspielerin Alice Brauner Türsteherin war, als Sänger Falco regelmäßig seinen Champagner an der Bar trank, als er Stars wie Liza Minelli und Danny Devito ihre Lieblingsdrinks mischte.

Als „Mr. T“ Kevin Costner traf

„Einmal habe ich Kevin Costner erst erkannt, als ich seinen Namen auf der Kreditkarte gelesen habe – das war die perfekte Tarnung“, erzählt Thomas Pflanz, der von seinem Team „Mr. T“ genannt wird. „An einem anderen legendären Abend haben wir morgens um halb vier eine unfreundliche Frau rausgeworfen, am nächsten Tag stellten wir fest, dass es Leni Riefenstahl war. Das war schon eine ziemliche Nummer.“

Wenn „Mr. T“ von dieser Zeit erzählt, hört der stellvertretende Barchef René „McCoy“ Dreher – das ist ein Spitzname – ganz genau zu. Genau das seien die glorreichen Zeiten, an die das Team der Bar anknüpfen will, sagt er. Gute Drinks, gute Musik, angenehme Atmosphäre. Sie haben dem Namen der Bar den Untertitel „A legend reborn“ gegeben.

Nach der Jahrtausendwende hatte die Bar den Glanz ihrer Anfangsjahre verloren, zeichnete sich für flirtbereite Kundschaft bei After-Work-Partys an Donnerstagabenden aus, als für gute Drinks. „Die Bar ist damals in der Entwicklung stehen geblieben, die Luft war raus, ich musste was neues machen“, erzählt Pflanz. Und so ging der gelernte Jurist nach 16 Jahren seine eigenen Wege, machte Stationen im „Lebensstern“ im „Einstein“-Stammhaus, in der „Victoriabar“ und leitete später die Bar von Roland Marys „Grosz“ in Charlottenburg.

Cocktails im geeisten Glas - selbstverständlich ohne Schirmchen

Als ihn der Schweizer Unternehmer Thomas Sterch, der die „Bar am Lützowplatz“ vor der Insolvenz gerettet hatte, bat, das Lokal mit einem neuen Konzept aufleben zu lassen, nahm er die Herausforderung an. Nach einigen Monaten der Umgestaltung eröffnete er sie wieder - mit neuem Team, neuem Service, neuer Karte. Sowie mit dem Bestreben, ihr wieder den Stil und Ruf zurückzugeben, den sie einst hatte.

„Ich habe beim Bewerbungsgespräch damals gesagt, dass ich kein Typ für Pina Colada und Happy Hour bin“, erzählt René Dreher und grinst. „Wahrscheinlich habe ich damit schon gepunktet.“

Ein halbes Jahr nach der Neueröffnung ziehen die beiden Barmänner ein positives Resümee. Mittlerweile hätten sie viele Stammkunden – und auch von den ehemaligen Gästen kämen immer wieder einige vorbei. „Und wenn sie dann ihren Mai Tai haben wollen, dann mixe ich ihnen diesen natürlich auch“, sagt René Dreher. Auch wenn er ihnen lieber einen Ranglum oder Kashmir servieren möchte, wie er sagt. Doch er findet einen Kompromiss: „Wir veredeln die Klassiker immer mit exklusiven Zutaten, servieren sie im geeisten Glas“, sagt er. „Schirmchen und Obstdeko wird es bei mir ganz sicher nicht geben.“