Nicht immer ist beim Wein die Industrie-Großserie auch gleich schlecht. Ich erinnere mich an nordamerikanische Fetzer-Weine, die sehr ordentlich waren. Auch der Schraubverschluss vieler Weine im Supermarkt wie auch beim Weinhändler sagt gar nichts über die Qualität aus. Gerade in Nordamerika werden selbst von zahlungskräftigen Kunden Schraubverschlüsse gefordert, weil die Korkqualität international dermaßen abgenommen hat. Deutsche Top-Winzer versehen deshalb manche Weine, die sie bevorzugt exportieren, gleich durchgehend mit dem Schraubverschluss.
Auch der 2008 Cimarosa Zinfandel Rosé aus dem Supermarkt Lidl hat einen Schraubverschluss. Der kalifornische Wein hat auf einem zusätzlichen Etikett die Bestätigung eines Wein-Instituts. Was bestätigt wird, ist nicht zu entdecken. Vielleicht bestätigt das Institut ja auf Anfrage, dass es sich beim Inhalt der Flasche um Wein handelt.
Grundsätzlich kann die Rebsorte „Zinfandel“, die in Süditalien „Primitivo“ genannt wird, etwas Köstliches sein. Aus dieser Rebsorte lassen sich ausdrucksstarke, wenn auch etwas rustikale Weine schaffen. Davon ist beim „Cimarosa“ gar nichts zu schmecken.
Der halbtrockene Rosé wirkt wie aus der Retorte. Die grobe Urkraft des Zinfandel fehlt völlig. Der Wein hat Aromen von Zucker und Erdbeere, und er ist kurz im Abgang. Eiskalt genossen ist er wahrscheinlich eine Empfehlung nach dem Motto „Hauptsache, es dreht...“
Was die Discounterketten in Deutschland brauchen, ist ein grundsätzliches Wein-Qualitätsmanagement, wie wir es bei ALDI-Süd finden. Ein Wein muss nicht 1,99 Euro kosten. Er darf – bei einer gesicherten Grundqualität – auch teurer sein. Vor allem aber sollte er auch im niedrigen Preisbereich erkennbar eine Landschaft widerspiegeln.
2008 Cimarosa Zinfandel Rosé: 1,99 Euro pro Flasche. Lidl-Märkte
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