Wenn aus Liebe Kummer wird, dann sind es die guten Freunde, vielleicht auch die Familie, denen man sich anvertrauen möchte. Anne Hathaways Problem ist, dass sie berühmt ist, seit sie vor acht Jahren aus der Teenager-Romanze „Plötzlich Prinzessin!“ einen Kassenerfolg machte. Aktuell ist sie auf Werbetour durch Europa für ihren neuen Film „Get Smart“. Madrid, Rom und vergangenen Donnerstag dann London.

Und wohin sie auch kommt, gucken die Reporter zwar verständnisvoll, wollen aber alle eigentlich wissen: „Wie war das denn nun mit Raffaello Follieri?“ Wie konnte sich ausgerechnet „Annie“, das gute Mädchen von Hollywood, in so einen verlieben? Denn Follieri wurde vor einigen Tagen festgenommen. Es wird gegen ihn ermittelt, weil er Millionen veruntreut haben soll. Ein Aufschneider, der sich in New York als Immobilienbeauftragter des Vatikans ausgab und der sich als Beleg seiner Nähe zur Kirche Soutane in den Kleiderschrank hängte.

Vier Jahre soll die Beziehung zu Hathaway insgesamt gedauert haben, eine Ewigkeit für eine 25-Jährige, und eine Seltenheit in Hollywood. Andere Mädchen mit ähnlichen Karriereambitionen sind deutlich weniger beständig. Gerade deshalb wird Hathaway auch in dieser unglücklichen Situation mit vergleichsweise hohem Respekt behandelt. Man möge doch bitte schön keine Fragen zur Causa Follieri stellen, wird vor dem Interview im „Claridge's Hotel“ angemahnt. Und im Übrigen habe Hathaway ziemlich kurze Hosen an, vielleicht solle man sich also lieber auf den Stuhl dort drüben setzen, dann könne Anne auf den anderen und die Beine würden nicht so ablenken. „Kurze Hosen“ ist dabei noch untertrieben, würde es nicht so sehr nach Britney Spears klingen, müsste man die Dinger beim Namen nennen: Hotpants, schwarz und elegant, aber eben Hotpants. Dazu trägt sie ein graues T-Shirt und einen schwarzen Blazer. Das brave Mädchen mit dem Seitenscheitel zeigt, dass sie auch sexy kann. Wenn also schon der Ex tabu ist, wie ist das denn so allgemein mit Anne und den Männern?

Morgenpost Online: In Ihrem neuen Film verlieben Sie sich als „Agentin 99“ in Ihren Kollegen Maxwell Smart, einen lieben Menschen, dessen starke Seite aber erst auf den zweiten Blick zu erkennen ist. Ist das auch die Sorte Mann, für die Sie im echten Leben schwärmen?

Anne Hathaway: Das kann man so nicht sagen. Liebe kommt erfahrungsgemäß immer unerwartet. Sobald man sagt, wie sein „Typ“ genau ausschaut und sich benimmt, verliebt man sich mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit in jemanden, der das exakte Gegenteil ist.

Morgenpost Online: Aber was lieben Sie an Smart?

Hathaway: Ich liebe sein Selbstbewusstsein. Er hat eine sehr angenehme, zurückhaltende Art von Selbstbewusstsein. Er drängt sich nicht auf und fordert dennoch permanent heraus.

Morgenpost Online: Den ersten Anbaggerversuch ignorieren Sie dennoch. Ist da auch ein wenig Anne Hathaway zu erkennen? Werden Sie häufig angegraben?

Hathaway: Ob ich viel angebaggert werde? Nein, ehrlich gesagt, schon eine ganze Weile nicht mehr. (lacht angestrengt, schaut vorwurfsvoll)

Morgenpost Online: Was war der merkwürdigste Anmachspruch, den Sie sich je anhören mussten?

Hathaway: Eindeutig „War für dich die Umstellung von ‚Plötzlich Prinzessin' zu ‚Havoc' eigentlich ein Problem?“ (in „Havoc“ spielt Hathaway ein Mädchen mit Hang zu wilden Partys, Flirts, Alkohol – und zeigt sich oben ohne) Der Kerl sagte das mit hochgezogener Augenbraue und so einem merkwürdigen Schimmern in den Augen. Und ich dachte nur: oh, Mann.

Morgenpost Online: Etwas weniger anzüglich frage ich dann mal: Sind Sie eher Prinzessin oder Agentin?

Hathaway: Weder noch, ich bin ein sehr bodenständiges, vielleicht manchmal auch ein wenig dummes Mädchen.

Morgenpost Online: Im Film bekommt Agentin 99 ein komplett neues Gesicht. Was denken Sie über Schönheitschirurgie?

Hathaway: Wie so ziemlich alles im Leben ist auch Schönheitschirurgie etwas, was man in einem vernünftigen Maß machen kann oder sogar sinnvoll ist, bei dem aber die Gefahr besteht, dass man es übertreibt und dass man abhängig wird. Es hängt einfach immer von der jeweiligen Person ab und ist etwas, wozu ich niemals jemandem raten würde oder was ich selber machen würde. Letztlich muss aber jeder für sich entscheiden, was ihn oder sie glücklich macht. Und man muss sich über den Suchtfaktor bewusst sein. Gerade wenn man es aus emotionalen Gründen macht, ist es verkehrt, keine Operation der Welt wird dich heilen.

Morgenpost Online: Spinnen wir dennoch etwas rum: Wessen Gesicht hätten Sie gern, wenn die Möglichkeit bestehen würde?

Hathaway: Ach, ich versuche, mit dem zurechtzukommen, was ich habe. Das ist mal einfacher, mal mühsamer, was immer davon abhängt, was ich die Nacht zuvor gemacht habe. Na ja, obwohl... ich kenne eigentlich keine Frau, die nicht gern aussehen würde wie Natalie Portman... (lacht)

Morgenpost Online: Sie sind das gute Mädchen von Hollywood, ein Vorbild für viele Teenager. Spüren Sie insofern einen Druck der Verantwortung?

Hathaway: Ich sehe mich selbst nicht als Vorbild. Ich versuche nur, mein Leben zu leben. Wenn jemand durch mich inspiriert wird, wow, das ist natürlich ein Riesenkompliment. Ich glaube nur, wenn man sich selbst als Vorbild sieht und die ganze Zeit dem zu entsprechen versucht, dann ist man nicht ehrlich mit sich selbst und verpasst außerdem so vieles im Leben. Man sollte einfach so sehr man selbst sein, wie auch immer es möglich ist. Ich würde nie, niemals etwas nicht machen, was mein Herz mir sagt, nur weil ich in Sorge bin, wie es von anderen Leuten wahrgenommen wird.

Morgenpost Online: Fühlen Sie wirklich keinerlei Druck, keine Konkurrenz mit anderen Schauspielerinnen?

Hathaway: Ehrlich gesagt, nicht besonders. Es gibt so viele Drehbücher, so viel Arbeit. Es ist natürlich echt ärgerlich, wenn man eine Rolle nicht bekommt, die man unbedingt wollte. Aber ich habe festgestellt, dass das meistens dann doch irgendwie richtig und gut war. Entweder weil diejenige, die gewählt wurde, der Rolle dann etwas gegeben hat, was ich nicht hätte können. Oder aber, weil ich dann eine gute Rolle stattdessen bekommen habe.

Morgenpost Online: Meryl Streep ist Ihr großes Vorbild. Haben Sie eigentlich schon ihren neuen Musical-Film „Mamma Mia!“ gesehen?

Hathaway: Nein! Nur Ausschnitte, und ich will den Film unbedingt sehen. Meryl ist so eine kraftvolle Schauspielerin, wenn sie eine Rolle spielt, dann ist das einfach nur pure Freude. Ich habe sie gesehen, als die Dreharbeiten vorbei waren, und sie war so glücklich damit. Sie sagte zu mir: „Anne, du musst unbedingt. ein Musical machen. Du wirst die beste Zeit deines Lebens haben!“

Morgenpost Online: Und? Wollen Sie nun?

Hathaway: Klar! Wenn irgendjemand mich nur machen lässt.

Morgenpost Online: Können Sie denn singen?

Hathaway: Ja! (überlegt) Es klingt irgendwie merkwürdig, das von sich selbst zu behaupten. So was sollte eigentlich jemand anderes für mich beantworten. Darum korrigiere ich mich: Ich singe gern. Ob man mir auch gern zuhört, kann ich nicht sagen.

Morgenpost Online: Und tanzen?

Hathaway: Oh, tanzen ist etwas, was ich zwar gern mache, wo mir aber irgendwie das Selbstbewusstsein fehlt. Insofern stehe ich mir bei Tanzszenen irgendwie selbst im Wege und muss mich immer überwinden.

Morgenpost Online: Dann ist ein Musical-Film aber eine mutige Wahl.

Hathaway: Man muss einfach machen und ausprobieren, wozu man fähig ist, was man kann. Es ist fast immer so, dass ich 48 Stunden bevor die Dreharbeiten für einen Film losgehen, weglaufen möchte, nicht glauben kann, dass ich überhaupt unterschrieben habe, und am liebsten hinwerfen will. Inzwischen habe ich aber für mich festgestellt: Wenn mir ein Projekt überhaupt keine Angst macht, dann ist das meist ein schlechtes Zeichen.

Morgenpost Online: Offensichtlich funktioniert Ihre Strategie ziemlich gut.

Hathaway: Danke, ich war gerade in einer Miró-Ausstellung in Madrid. Die war wunderschön, nicht riesig, aber toll kuratiert, und zum Schluss gab es einen Film, wo es darum ging, wie glücklich Miró am Ende seines Lebens war. Er hat darüber erzählt, dass er ein Studio habe, in dem er einfach alles machen könne und das er als seinen Garten betrachtet hat: hier ein paar Artischocken pflanzen, dort Tomaten und an anderer Stelle Auberginen. Und ich dachte darüber nach, dass das in gewisser Weise auch die Art und Weise ist, wie ich meine Karriere verfolge. Ich habe die Möglichkeit, Vielfalt in meiner Karriere zu haben, und das ist so wunderbar, dass ich darauf nicht verzichten möchte.