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"Maischberger": Söders entlarvende Antwort auf die K-Frage

Der CSU-Chef spricht in "Maischberger" über den Lockdown, Virus-Mutationen – und macht eine vieldeutige Äußerung in Sachen Kanzlerkandidatur.

Von Georg Altrogge
Multitalent Sandra Maischberger im Porträt

Multitalent Sandra Maischberger im Porträt

Journalistin, Moderatorin, Autorin und Geschäftsfrau - Wie Sandra Maischberger von einer Studiumsabbrecherin zu einer von Deutschlands besten weiblichen Journalisten wurde, erfahren Sie in diesem Video.

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Berlin. Am Ende ihrer Live-Sendung lächelte Sandra Maischberger entspannt in die Kamera. Es war nachts um 1.07 Uhr und hinter ihr lagen 75 Minuten, mit denen die Moderatorin mehr als zufrieden sein konnte: Sie hatte ihre Sache gut gemacht, was man auch über fast alle ihrer Gäste sagen konnte. „Maischberger. Die Woche“ konnte an diesem Mittwoch aus dem Vollen schöpfen – spannende aktuelle Themen gab es schließlich im Überfluss.

Im Angebot waren – natürlich – die viel diskutierte Lockdown-Verlängerung und die Gefahren der Coronavirus-Mutante, dazu Interviews mit dem aus München zugeschalteten Markus Söder (CSU) und – im Studio – mit Wissenschafts-Erklärer Ranga Yogeshwar sowie der Grande Dame der SPD, Gesine Schwan, die kluge Worte zum Präsidenten-Wechsel in den USA und über eine tief gespaltene Nation sagte. Lesen Sie auch: Corona-Gipfel: Alle Beschlüsse und Maßnahmen im Überblick

"Maischberger" – das waren die Gäste:

  • Markus Söder, CSU: bayerischer Ministerpräsident
  • Ranga Yogeshwar: Wissenschaftsmoderator
  • Gesine Schwan, SPD: Politikwissenschaftlerin
  • Michael Mittermeier: Kabarettist
  • Susanne Gaschke: "Welt"-Journalistin
  • Ulrike Herrmann: "taz"-Wirtschaftsredakteurin

"Maischberger": CSU-Chef Söder rechtfertigt harten Lockdown

Da Söder, wenn auch nur virtuell, schon mal da war, ging es auch um die K-Frage und Armin Laschet (CDU), der in der Runde nicht gut wegkam. Der bayerische Ministerpräsident berichtete vom elfstündigen und für ihn gefühlt „endlos langen“ Sitzungsmarathon am Dienstag bei der Bundeskanzlerin, den er gegen Kritiker in Schutz nahm.

Man habe einen „Vorsorge-Verlängerungs-Lockdown“ beschließen müssen, denn unter den Regierenden herrsche die „hochdramatische Sorge vor einer sprunghaften Entwicklung“ durch die Virus-Mutation. Und ja: „Es könnte alles schneller und effizienter gehen.“

Moderatorin Maischberger hakte in Sachen Lockdown nach: „Sie haben sich für etwas entschieden, was nicht funktioniert. Regiert statt den Fakten die Angst?“ Schließlich würden immer noch Menschen in Pflegeheimen sterben, wer denn daran die Schuld trage, wollte sie wissen.

Zunächst einmal die Institutionen vor Ort, so Söder ausweichend, um dann das große Ganze zu beschwören: „Dieses Problem lässt sich nicht lösen wie andere Dinge in der Politik. Corona kriecht durch jede Ritze. Es ist ein Irrglaube, dass das Virus einfach abgesperrt werden kann.“

Corona: Journalistin kritisiert Pandemie-Management

Am Diskussionstresen im Berliner Studio wurde die Verhältnismäßigkeit der Lockdown-Maßnahmen kontrovers gesehen. Während Kabarettist Michael Mittermeier und „taz“-Wirtschaftsredakteurin Ulrike Herrmann generell Verständnis äußerten, schnaubte die „Welt“-Journalistin Susanne Gaschke in Wutbürger-Manier gegen die Einschränkungen.

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Die Merkel-Regierung habe sich in Sachen Corona „in die Ecke gepinselt.“ Mit einem wie Helmut Schmidt, so Gaschke, wäre das alles nicht passiert. Überhaupt seien es doch fast nur die Alten, die der Pandemie zum Opfer fielen, und „gestorben wird an so vielen Sachen“. Lesen Sie auch: FFP2-Maskenpflicht und Hartz IV - Wer soll das bezahlen?

Was Mittermeier nicht komisch fand: Er kenne junge Menschen, die schwere Krankheitsverläufe gehabt hätten und bleibende Schäden davontragen würden. Der Kabarettist zeigte Verständnis für die Kontaktverbote, vermisste aber die klaren Regeln und Ansagen: „Seit November ist es ein Hin und Her, langsam geht’s an die Substanz.“

Die „taz“-Redakteurin pflichtete ihm bei, sah die Schuld aber bei den Bundesländern und lobte Angela Merkel: „Dass die Linie fehlt, haben die Ministerpräsidenten zu verantworten. Wir verschenken unheimlich viel Zeit, und es liegt nicht an der Kanzlerin.“ Für sie scheinen die Verordnungen eher zu lasch zu sein: „In Berlin sind 45 Prozent aller Kinder in der Kita – das ist doch kein Lockdown.“

Mittermeier: „Laschet weiß selbst nicht so genau, was er da gesagt hat“

Überhaupt schien es, als hätten die Abgesandte der eher konservativen „Welt“ und die Autorin der „taz“ an diesem Abend die Rollen getauscht. Während Gaschke aus dem Off gegen Söder („Das wollt Ihr doch“) giftete, als dieser erklärte, man könne nicht alles dicht machen und den CSU-Chef einen „Krisenrhetoriker“ nannte, war Herrmann von sich selbst überrascht: „Ich komme von einer linksalternativen Zeitung, und jetzt verteidige ich Herrn Söder.“

So war es am Ende ausgerechnet der Kabarettist, der den mehrheitsfähigen Satz aussprach: „Wenn schon Lockdown, dann sollte der irgendwann mal funktionieren.“

Mittermeier war es auch, der zur Wahl des neuen CDU-Vorsitzenden eine interessante Ansicht hatte. Der in den Medien vielfach gelobte Satz „Ich bin Armin Laschet, und darauf können Sie sich verlassen“ habe bei ihm eher Kopfschütteln ausgelöst: „Ich glaube, dass er selbst nicht so genau weiß, was er da gesagt hat.“

Gaschke hatte sich im Vorfeld auf Friedrich Merz als Wahlsieger festgelegt. Sie habe die Vermutung, dass etliche Delegierte vor der Entscheidung aus dem Kanzleramt „beatmet“ worden seien.

Herrmann: „Selbst die SPD denkt, es kommt Schwarz-Grün mit Söder“

Mit einer ungewöhnlichen Frage versuchte Maischberger, Söder zu entlocken, ob er als Kanzlerkandidat der Union antreten wolle. Der habe bei Instagram doch vor einigen Tagen das Foto seines Hundewelpen gepostet.

„Kommt Molly mit nach Berlin?“ wollte die Moderatorin wissen. Antwort: „Mollys Platz ist in Bayern.“ Immerhin verriet Söder, dass er gegen eine Mitgliederentscheidung über die Kanzlerkandidatur wäre und dass es Sache von Laschet sei, hier die „Initiative“ zu ergreifen.

Eine Äußerung, die „taz“-Journalistin Herrmann umgehend für die Zuschauer dechiffrierte: Der CSU-Mann erwarte, dass Laschet nach München reise, um ihm die Kandidatur anzutragen. Begründung: „Selbst die SPD denkt, es kommt Schwarz-Grün mit Söder.“ Das treffe auch auf die CDU-Abgeordneten zu: „Ich sehe nicht, wie sich Laschet gegen seine eigene Fraktion durchsetzen will.“

Überhaupt scheint Herrmann keine allzu hohe Meinung vom NRW-Ministerpräsidenten zu haben: „Laschet erzählt, was er hätte machen können, was man auch noch hätte machen können und erst dann sagt er, was er gemacht hat – irgendwie unstrukturiert.“

Yogeshwar: „Wir verlieren 30.000 Menschen im Monat. Ich finde den Preis zu hoch“

Was man von Ranga Yogeshwar keineswegs behaupten kann. Der Wissenschafts-Moderator sprach über die hoch ansteckende Corona-Mutation B117 und entwarf ein beunruhigendes Szenario: Die Virus-Variante könne „das alte Virus in zehn Wochen überholen“ und möglicherweise schon bald gänzlich verdrängen. Es sei zwar im Prinzip nicht gefährlicher: „Aber wenn es mehr Menschen ansteckt, wird es auch mehr Menschen töten.“

Schon jetzt sei der harte Lockdown gerechtfertigt: „Wir verlieren im Moment 1.000 Menschen am Tag, das sind 30.000 im Monat. Ich finde den Preis einfach zu hoch.“ Deutliche Worte, mit denen man die Lockdown-Kritikerin Gaschke hätte konfrontieren können. Der Konflikt hatte erkennbar Streit-Potenzial, und vielleicht ließ Maischberger den Moment deswegen verstreichen – eine verpasste Chance. Auch interessant: Impfpflicht: Welche Schutzimpfungen die Stiko vorsieht

Schwan zu Joe Biden: Kein falscher Ehrgeiz

So blieben die letzten Sendeminuten Gesine Schwan vorbehalten, die es tatsächlich schaffte, dem Thema Amerika nach den vielen Beiträgen rund um die Inauguration des neuen US-Präsidenten eine eigene Note beizusteuern.

Es sei schon in Ordnung, so die 77-Jährige, dass man sich beim ein Jahr älteren Joe Biden die Frage stelle, ob dieser eine ganze Amtszeit durchhalten werde. Er habe aber aufgrund seines Alters den Vorteil, dass er keinen falschen Ehrgeiz mehr entwickeln müsse. Und eine Kämpfernatur sei dieser auch: „Dass er das Stottern überwunden hat, ist ein Zeichen von Stärke.“

So bodenständig hat an diesem Tag wohl niemand in den deutschen Medien dem neuen mächtigsten Mann der Welt Respekt gezollt.

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