Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hat in der ARD-Sendung „Hart aber Fair“ den Sänger Roberto Blanco als „wunderbaren Neger“ bezeichnet. In der Talkshow von Frank Plasberg diskutierten die Gäste am Montagabend über das Thema Flüchtlinge.

Als „Focus“-Chefredakteur Ulrich Reitz Erfolgsgeschichten von Einwanderern einbrachte, sagte Herrmann: „Roberto Blanco war immer ein wunderbarer Neger, der den meisten Deutschen wunderbar gefallen hat.“ Beim FC Bayern spielten auch eine ganze Menge mit schwarzer Hautfarbe mit, und das fänden die Fans von FC Bayern auch gut, fügte er hinzu.

Der "Duden" hat für manche Wörter besondere Hinweise. Das Wort "Neger" gehört dazu. Dort heißt es: "Die Bezeichnung Neger gilt im öffentlichen Sprachgebrauch als stark diskriminierend und wird deshalb meist vermieden. Als alternative Bezeichnungen fungieren Farbige[r] sowie Schwarze[r], wobei die Bezeichnung Schwarze[r] z. B. in Berichten über Südafrika vermehrt anzutreffen ist, wohl um eindeutiger auf die schwarze Bevölkerung (im Gegensatz zu den Indern etc.) Bezug nehmen zu können. In Deutschland lebende Menschen dunkler Hautfarbe haben die Ausweichbezeichnung Afrodeutsche[r] vorgeschlagen. Diese setzt sich immer mehr durch."

Flüchtlinge sind nationale Aufgabe

Die Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung für die Flüchtlinge ist groß - beinahe so groß wie die Hilflosigkeit, mit der die Politik dem Andrang begegnet. Europa baut Zäune. In Ungarn, in Südspanien, in Calais am Eurotunnel. Deutschland lädt das Problem bei denen ab, die es nicht weiterreichen können: bei den Städten und Gemeinden, die oft am Rande ihrer Kräfte stehen. Nun hat die Bundeskanzlerin die Flüchtlingsfrage zur "nationalen Aufgabe" erklärt. Und sie verbreitet Zuversicht: "Wir schaffen das." Es klang ein bisschen so, als wollte Angela Merkel sich selbst überzeugen. Einen zumindest halbwegs konkreten Plan legte sie jedenfalls bislang nicht vor.

"Schafft Deutschland das?", fragte auch Frank Plasberg seine Gäste bei "Hart aber fair". Die Talkrunde, Teil eines Themenabends in der ARD zur Flüchtlingsproblematik, war allein deshalb ein Gewinn, weil sie einen Spiegelbild bot der Diskussion, wie sie über weite Strecken seit Monaten in der Republik abläuft: Man blickt vom jeweiligen Standpunkt auf einen isolierten Aspekt und formuliert dazu eine Meinung. Dabei ist die Gesamtproblematik so vielschichtig und unübersichtlich, dass einfache Antworten nicht reichen.

Da ist der TV-Journalist Ranga Yogeshwar, der angesichts von womöglich einer Millionen Flüchtlinge, die in diesem Jahr nach Deutschland kommen, empfiehlt: "Wenn jeder sich um einen kümmert, haben wir kein Problem." Das klingt zwar gut und mag rechnerisch stimmen. Aber was ist, wenn im Rathaus einer Stadt plötzlich ein Alarmanruf eingeht, man müsse sich binnen 24 Stunden auf hundert neue Flüchtlinge einstellen? Und was ist, wenn, wie in Dortmund geschehen, eine Erstaufnahmeeinrichtung wegen schierer Überfüllung schließen muss?

Da ist die Grünen-Vorsitzende Simone Peter, die ähnlich wie die Kanzlerin von einer "Herausforderung" für Deutschland spricht, aber betont, sie sehe "keine Überforderung" für das Land. Dabei ist es gerade die Politik, die seit Jahren überfordert ist von der Aufgabe, den Umgang mit den Flüchtlingen, ihre Unterbringung und Integration zu organisieren. Die Grünen machen da keine Ausnahme, wenn sie sich an den Scharfmachern bei der CSU abarbeitet, selbst aber auch keine Konzepte vorlegen, die wirklich weiterführen.

Und da ist eben jene CSU, bei Plasbergs Talkrunde in Person des bayerischen Innenministers Joachim Herrmann. Er fokussiert seinen Blick auf die Flüchtlinge vom Westbalkan. Deren Asylanträge werden in mehr als 99 Prozent der Fälle abschlägig beschieden. Herrmann forderte, was seine Partei seit Wochen fordert: Die Abschiebung der abgelehnten Asylbewerber müsse "wesentlich schneller gehen" als bisher. Auch "Focus"-Chefredakteur Ulrich Reitz sieht in diesen Menschen pauschal "falsche Flüchtlinge", weil sie in Deutschland "keine Chance haben auf Asyl".

Kein Asylanspruch, keine Zukunft in Deutschland - ist das also die Faustregel für den Umgang mit denen, die in der Hoffnung auf ein besseres Leben zu uns kommen?

Der lebende Gegenbeweis für diese Sicht saß direkt neben Herrmann und Reitz. Nurjana Arslanova kam 2002 als Elfjährige aus Dagestan im Kaukasus mit ihren Eltern und ihren Geschwistern hierher. Der Asylantrag der Familie wurde abgelehnt - mithin genau so wie die Anträge der allermeisten Flüchtlinge aus dem Westbalkan. Heute, nachdem Nurjana Arslanova jahrelang auf engstem Raum in Flüchtlingsunterkünften lebte, sich von einer Duldungsfrist zur nächsten zitterte, stets "auf gepackten Koffern" saß, nicht wissend, "ob die Polizei uns morgen abholt oder in fünf Jahren" - heute also steht die junge Frau, die in der Schule Klassenbeste war und längst perfekt Deutsch spricht, vor ihrer Abschlussprüfung zur Kita-Erzieherin. Nach einem Job wird sie nicht lange suchen müssen. Nurjana Arslanovas Empfehlung für Deutschland: "Nicht mit der Abschottung weitermachen, sondern die Menschen möglichst schnell integrieren."

Die Frage ist: Schafft Deutschland das?