Nach heftigen Protesten stellt der WDR die „Hart aber fair“-Sendung zur Gender-Thematik wieder in die Mediathek und auf die Senderhomepage. WDR-Fernsehdirektor Jörg Schönenborn räumte am Montag in Köln ein, dass die Entscheidung, die Sendung „Nieder mit den Ampelmännchen“ vom 2. März aus der Mediathek zu entfernen, ein Fehler gewesen sei.
Es habe zuvor eine lange, selbstkritische Diskussion über die Sendung gegeben, sagte er. „Dass daraus der Vorwurf der Zensur und Selbstzensur abgeleitet würde oder der Eindruck, wir seien vor Lobbygruppen eingeknickt, hatte ich mir nicht vorstellen können.“ Der Sender wolle den Anschein vermeiden, dass seine Unabhängigkeit beeinträchtigt sei.
Die WDR-Chefredakteurin Fernsehen, Sonia Mikich, erklärte: „Das Gender-Thema ist mir politisch und persönlich wichtig. Gleichzeitig macht mich die öffentliche Reaktion auf den Fehler, die Sendung aus der Mediathek herauszunehmen, betroffen. Ein Krampf ist so entstanden, den wir jetzt schnörkellos beseitigen wollen - im Interesse der öffentlichen Meinungsbildung.“
Viele Frauen hätten die Sendung anders verstanden als gemeint
Die Talkshow-Folge hatte dem Sender Programmbeschwerden und zahlreiche Protestbriefe, unter anderem vom Deutschen Frauenrat und Gleichstellungsbeauftrage, beschert. Der WDR-Rundfunkrat lehnte die Programmbeschwerden zwar ab, da die Sendung nicht gegen die Programmgrundsätze des WDR verstoßen habe. Die Rundfunkräte empfahlen aber, die Sendung nicht zu wiederholen und aus der Mediathek zu nehmen. Viele Frauen hätten die Sendung anders verstanden, als sie gemeint gewesen sei.
Der WDR plant am 7. September eine Neuauflage der Sendung. Eingeladen wurden dieselben Talkgäste, darunter Sophia Thomalla und der stellvertretende FDP-Vorsitzende Wolfgang Kubicki. Nach Angaben der „Bild“-Zeitung haben alle Teilnehmer der gelöschten Sendung zugesagt, lediglich Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter sei im Urlaub.
dpa/joe




