ARD-Tatort

„Tatort“ – Warum Lena Odenthal den Ruhestand verdient

Lena Odenthal ist die dienstälteste Kommissarin im „Tatort“. In „Die Sonne stirbt wie ein Tier“ ermittelt sie auf einem Pferdehof. Aber sie hätte wirklich bessere Fälle verdient.

Von Felix Müller

Foto: ARD / SWR/Alexander Kluge

Als Lena Odenthal ihren ersten Fall lösen musste, da stand die Mauer noch. Von allen „Tatort“-Ermittlern ist sie die dienstälteste. Wir kennen sie als burschikose, herbe Einzelgängerin, die es ihren Kollegen nicht immer leicht macht mit ihrem Dickschädel. Doch als die Kommissarin im Oktober 2014 ihr 25-jähriges Dienstjubiläum beging, schien plötzlich alles anders. Ein Schatten lag da plötzlich auf ihrem Gemüt. Ein fast depressiver Selbstzweifel, den wir nicht kannten und der die Figur interessanter machte, facettenreicher, unberechenbarer. Vielleicht wäre diese Folge, „Blackout“ hieß sie, der ideale Zeitpunkt für einen Abschied gewesen. Leider wurde er verpasst.

Lena Odenthal muss sich selbst aus der Reha entlassen, als die Handlung einsetzt. Ein Tierpfleger ist auf einem nahe gelegenen Pferdehof erstochen worden. Eben noch joggte sie durch die Kälte und ließ sich von ihrem onkelhaften Therapeuten einbläuen, sich abzugrenzen von der furchtbaren Realität ihres Berufs. Nun steht sie schon wieder in den Blutlachen Ludwigshafens. Und alle fragen sich, was sie da macht: ihr Therapeut, ihr Kollege Mario Kopper, vor allem aber der ratlose Zuschauer vor dem Bildschirm.

Denn es ist schon eine arg klischeebeladene und inspirationsfreie Geschichte, durch die wir nun anderthalb Stunden lang geschleift werden. In der Nähe des Tatorts ist ein Pferderipper seiner kranken Neigung nachgegangen. Das geschundene Tier liegt röchelnd am Boden. Lena Odenthal tut mit ihrer Dienstwaffe das, was man vernünftigerweise in einer solchen Lage tut. In der Stille nach dem Gnadenschuss darf sich der Zuschauer kurz fragen, was es eigentlich mit dem pompösen Titel dieser Folge auf sich hat: Der lautet „Die Sonne stirbt wie ein Tier“ und ist wohl nicht viel mehr als Wortgeklingel.

Das hätte spannend werden können

Ein Hauptverdächtiger ist schnell ausgemacht. Es ist der soziopathische, stotternde Gerd Holler, der in seiner Freizeit auch gern einmal in die Wohnung attraktiver Frauen einbricht, deren Kuscheltiere klaut und dann daheim damit Dinge veranstaltet, über die wir nichts wissen wollen. Eine solche Frau hat er in der Klamottenverkäuferin Paula Bender gefunden, der Lisa Charlotte Friederich einen regionalen Dialekt verpasst, der sich gewaschen hat.

Paula Bender jedenfalls verliebt sich überraschenderweise in den kauzigen Gerd, während parallel die Eigentümer des Pferdehofs in den Blick der Ermittler geraten. Das hätte spannend werden können, wenn es Autor Harald Göckeritz und Regisseur Patrick Winczewski nicht so stumpf nach dem Strickmusterbogen erzählen würden. Lena Odenthal hätte bessere Fälle verdient. Oder endlich den ersehnten Ruhestand.

ARD, Sonntag, 20.15 Uhr.