ARD-Krimi

Aus nach nur zwei Folgen für jüngstes „Tatort“-Team aller Zeiten

Bei der Kritik kamen sie nicht gut an, beim Publikum auch nicht. Nun haben Alina Levshin und Friedrich Mücke nach anderthalb Jahren ihre Dienstmarke wieder abgegeben. Vermissen wird sie wohl keiner.

Foto: Michael Reichel / dpa

Am „Tatort“ hängt, zum „Tatort“ drängt doch alles. Das Zugpferd der ARD gilt als das Höchste, was man als deutscher Filmschauspieler erreichen kann. Deshalb hängen ja auch alle TV-Kommissare so an ihrer Dienstmarke. Dachte man zumindest. Denn jetzt haben ausgerechnet die Neuzugänge aus Erfurt Schluss gemacht. Nach nur zwei Folgen löst sich das Dreierteam um Hauptkommissar Henry Funck (Friedrich Mücke), Oberkommissar Maik Schaffert (Benjamin Krumme) und Kommissarin Johanna Grewel (Alina Levshin) auf. An Benjamin Krumme lag es wohl nicht. Der ist nicht ganz so populär und hätte wohl gern weitergemacht. Alina Levshin aber – bekannt aus der Russenmafia-Serie „Im Angesicht des Verbrechens“ und vor allem aus dem Neonazi-Drama „Kriegerin“, für den sie einen Deutschen Filmpreis als beste Schauspielerin gewann – und Friedrich Mücke – Buddy von Matthias Schweighöfer auch in vielen von dessen Filmen („Friendship!“, „Russendisko“) – haben sich entschieden, von ihren Rollen zu verabschieden.

Eigentlich war noch für dieses Jahr der Dreh eines dritten Falles geplant. Daraus wird nun nichts mehr. „Wir bedauern das sehr“, erklärt der MDR. „Damit verabschieden wir uns nicht nur von wunderbaren Schauspielerpersönlichkeiten, sondern in der Folge auch von der Idee des Erfurter Ermittlertrios.“ Für den MDR ermitteln aber weiter Nora Tschirner und Christian Ulmen in Weimar: Das Duo war zunächst nur als Event-„Tatort“ geplant, wird nun aber regelmäßig einen Fall im Jahr lösen. Demnächst soll für den Sender auch Yvonne Catterfeld im Nachbarland Sachsen auf Verbrecherjagd gehen.

Das Ende der Verjüngungskur

Den Erfurter „Tatort“, das muss leider gesagt sein, wird wohl keiner vermissen. Weder die erste Episode „Kalter Engel“ noch die zweite „Der Maulwurf“, die erst vor zwei Wochen ausgestrahlt wurde, kam bei der Kritik gut weg. Auch nicht beim Publikum – trotz hoher Quoten: Fall Eins kam im November 2013 immerhin auf 10,32 Millionen, Fall Zwei am 21. Dezember nur noch auf 8,47 Millionen.

Das Pikante daran: Das Trio aus der thüringischen Landeshauptstadt war ja eigentlich Ausdruck der Verjüngungskur, der sich die älteste Reihe des deutschen Fernsehens gerade unterzieht. Während Ulrike Folkerts als dienstältester deutscher TV-Ermittler noch immer in Ludwigshafen ermittelt und die Münchner immer grauer und einander immer ähnlicher werden, werden anderswo die Kommissare in den Vorruhestand geschickt, wie zuletzt in Berlin und demnächst in Leipzig und Konstanz. Wer immer nachrückt, ist vor allem jünger.

Die Praktikantin ging zuerst

Genau das war aber der Kritikpunkt am Erfurter Team. Das wurde von vornherein so gecastet, dass die Schauspieler gerade mal so in den gehobenen Dienst gepasst haben. Bei Amtsantritt kamen die Drei im Schnitt auf 30,6 Jahren. War Aylin Tezel 2012 im Dortmunder „Tatort“ (auch so ein Jungbrunnen) kurzzeitig die jüngste Ermittlerin aller Zeiten, so wurde sie nur ein Jahr später von Alina Levshin abgelöst – wobei die Berlinerin mit 29 Lenzen so jung war, dass sie in der ersten Folge noch als Praktikantin eingeführt wurde. Die Erfurter wurden gern als „junge Hüpfer“ und „Frischfleisch“ verspottet, richtig ernst genommen hat sie keiner. Nun hat die Praktikantin als erste die Reißlinie gezogen. Damit sind die Erfurter auch die jüngsten „Tatort“-Abgänger der letzten Zeit. Vielleicht stoppt das ja den grassierenden Jugendwahn in der ARD.