Tatort

Wiener Kommissare stolpern durch die Weltverschwörung

Ein iranischer Unterhändler fällt aus einem Hotelfenster. Ein israelischer Killertrupp geht um. Und Moritz Eisner und Bibi Fellner fragen sich, ob das alles wahr sein kann. Die Kritik zum „Tatort“.

Von Felix Müller

Foto: ARD Degeto/ORF/Petro Domenigg

Der „Tatort“ aus Wien ist ja vor allem ein sprachliches Erlebnis. Ganz egal, ob es nun der weich vernuschelte Dialekt Moritz Eisners ist oder der kongeniale Austriazismenschatz seiner Kollegin Bibi Fellner: Es ist einfach eine Freude, den rhetorischen Eskapaden der alpenländischen Mundart zuzuhören.

„Wie schautn des aus?“, fragt Eisner alias Harald Krassnitzer einmal – da geht es um die Frage, warum er zwei Agenten des israelischen Geheimdienstes Mossad lieber nicht auf offener Straße erschossen hat. Und ein Taxifahrer spricht davon, dass ihm da jemand aufs Auto „auffi ghupft“ sei – eine zärtliche Umschreibung dafür, dass ein Mann aus einem Hotelzimmer stürzte und auf dem Dach seines Wagens zerschmetterte.

Dunkle Mächte greifen ein

Dieser Mann ist ein iranischer Atomphysiker, er kommt gleich in den ersten Sekunden des Krimis ums Leben. Er war für sein Heimatland als Beschaffer von Geräten zuständig, die auch für Nukleartechnologien genutzt werden können. In seiner Hotelsuite finden Eisner und Fellner (Adele Neuhauser) seinen Laptop und sein Handy – die allerdings werden gleich von einem selbstbewusst hereinrauschenden Mitarbeiter der iranischen Botschaft konfisziert. Es wird nicht das letzte Mal sein, dass ihre Arbeit von dunklen Mächten behindert wird.

Man muss sich schon auf ein stark überwürztes Gebräu von Verschwörungstheorien einlassen können, um diesem „Tatort“ etwas abzugewinnen. Schnell wird klar, dass eine Spezialeinheit des israelischen Geheimdienstes Mossad – Deckname „Kidon“ – schon mehrere iranische Nuklearbeschaffer ausgeschaltet hat.

Waren sie auch diesmal im Spiel? Was verbirgt der windige Graf Trachtenfels-Lissé, der gern mit Iranern Geschäfte macht? Muss es uns alarmieren, dass dieser von Udo Samel gespielt wird, weil ein Großschauspieler in einer Nebenrolle nach einem ungeschriebenen „Tatort“-Gesetz immer der Hauptverdächtige ist? Wir lassen das offen und wenden uns wieder dem Studium des österreichischen Idioms zu. Sagten wir schon, dass es eine große Freude ist?

„Tatort: Deckname Kidon“, 4. Januar 2015, 20.15 Uhr ARD, 21.45 Uhr und 23.45 Uhr EinsFestival sowie am Dienstag, 6. Januar 2015, 0.00 Uhr ARD