Katharina Thalbach hat es getan, Dagmar Manzel und Katja Riemann haben es getan, Iris Berben macht es demnächst sogar schon das zweite Mal. Und nun also auch Veronica Ferres: Im Sat1-Fernsehfilm „Die Staatsaffäre“ spielt das ehemalige „Superweib“ die deutsche Kanzlerin. Und verliebt sich dabei in den französischen Staatspräsidenten. Ein Gespräch über Angela Merkel, zu hohe Ansprüche an Politiker und den Druck, in der Öffentlichkeit zu stehen.

Berliner Morgenpost: Frau Ferres, wie ist es, eine Kanzlerin zu sein. Würden Sie gern mit Frau Merkel tauschen?

Veronika Ferres: Auf keinen Fall! Ich habe viel zu viel Respekt vor dieser großen Aufgabe und Verantwortung. Sieben Tage die Woche 24 Stunden auf Abruf zu sein und dafür immer so in der Kritik der Öffentlichkeit zu stehen, das ist schon ein ganz harter Job. Die Franzosen trennen Berufliches und Privates viel mehr als wir hier. Wenn jemand seinen Job gut macht, kann er privat tun, was er möchte. Bei uns ist das anders. Wir verlangen von unseren Politikern eine Abstinenz wie bei einem katholischen Priester.

So etwas wie Sarkozy und Carla Bruni wäre bei uns undenkbar?

Stellen Sie sich vor, Angela Merkel hätte eine Affäre mit Til Schweiger oder Jan Josef Liefers, dann würde Deutschland an den Toren des Kanzleramtes rütteln. Mit dieser Selbstverständlichkeit, zu meinen, das Privatleben eines jeden Politikers durchleuchten zu dürfen, sind wir gnadenlos, grausam und ganz sicher nicht gerecht. Frau Merkel macht das perfekt, sie stellt ihr Privatleben zurück, und hat offensichtlich den perfekten Ehemann dafür.

Sie haben Angela Merkel bereits kennen gelernt.

Ich war vor drei, vier Jahren einmal mit anderen Künstlern zum Abendessen ins Kanzleramt eingeladen. Ich war sehr aufgeregt, weil ich schon damals großen Respekt vor ihr hatte. Beim Essen saß ich ihr direkt gegenüber und habe sie gefragt: Wie entspannen Sie? Was ist ihr Hobby? Sie hat gesagt: Kochen. Das fand ich sehr sympathisch, weil sie dabei offensichtlich wirklich alles vergisst und mit ihrem Mann etwas gemeinsam macht. Sie hat sich trotz allem eine Weiblichkeit bewahrt in einer Welt, die von Männern beherrscht wird. Und sie hat eine Besonnenheit, die ich bewundere. Ich habe das nicht, ich bin emotional, intuitiv, spontan und ungeduldig. Alleine deshalb könnte ich niemals Bundeskanzlerin sein.

Gleich in der ersten Drehwoche haben Sie Frau Merkel noch einmal getroffen. Was hielt sie davon, dass Sie eine Kanzlerin spielen?

Sie wusste das noch gar nicht, das war noch absolut geheim. Ich musste mir vom Sender die Erlaubnis einholen, dass ich überhaupt darüber reden darf. Sie hat mit viel Humor darauf reagiert. Ich habe ihr gesagt, dass ich eine Affäre mit dem französischen Staatspräsidenten habe. Und sie lachte, weil das der Freitag war, an dem sie nach Rügen fuhr, um sich mit Hollande zu treffen. Ich habe sie dann zum Dreh eingeladen, Volker Kauder war dann auch tatsächlich am Set.

Haben Sie auch im Kanzleramt gedreht?

Nein. Viel davor und drum herum. Aber alle Szenen, die drinnen spielen, haben wir nachgebaut. Lustigerweise in der niederländischen Botschaft.

Katharina Thalbach hat unsere Kanzlerin in der Fernsehparodie „Der Minister“ als „Angela Murkel“ bis in körpersprachliche Details hinein parodiert. Sie machen die Merkel-Raute auch, aber nur mal so angedeutet.

Es sollte nur ein kleiner Wink sein, kein Zaunpfahl. Natürlich war in der Vorbereitungszeit Youtube mein bester Freund. Ich habe ihre Reden, ihre Gestik und Mimik studiert. Da hatte ich sehr viel Material, das natürlich sehr bereichert hat. Aber all das sollte nur angedeutet werden.

Sie spielen explizit eine fiktive Figur namens Anna Bremer. War Ihnen das wichtig, um gar nicht erst Parallelen aufkommen zu lassen?

Absolut. Die Ähnlichkeit ist ja schon dadurch, dass es diesen Job nur einmal in Deutschland gibt, gegeben. Was uns genügend Spielraum für den voyeuristischen Blick hinter die Kulissen gewährt: Wie sieht der Alltag einer Bundeskanzlerin aus, wie werden Entscheidungen getroffen? Und wir machen ja den Vorhang auf, wenn wir zeigen, wie diese Frau sich im Privaten verhält. Wie ist sie eingerichtet, ist sie Fußballfan, was für ein Nachthemd trägt sie? Damit erzählen wir schon unglaublich viel. Aber es ging uns nie darum, Frau Merkel zu imitieren oder gar zu parodieren.

Wenn Sie Macht hätten als Politiker, was würden Sie anders machen?

Die Gesetze der Waffenindustrie. Natürlich hängen da unglaublich viele Arbeitsplätze daran, aber es ist schrecklich, wie viele Waffen in Deutschland hergestellt werden. Vielleicht ist das naiv, aber ich finde es eine Katastrophe, dass ein Land wie das unsere Geld und Profit damit macht, dass in anderen Gebieten Krieg herrscht.

Es gibt einige Schauspieler, die in die Politik gegangen sind. Wäre das auch eine Option für Sie?

Nein, ich brauche meine Kreativität. Nur wenn ich die ausleben kann, bin ich ein glücklicher Mensch. Diesen Druck, diese Verantwortung, das könnte ich nicht aushalten. Gerade jetzt, wo wir so viele Krisenherde haben, ist es doch fürchterlich, diese Verantwortung tragen zu müssen – ich könnte nie schlafen.

Sat.1, 2. September um 20.15 Uhr