Krimi-Reihe

Schafft diese Ermittler im „Tatort“ doch einfach ab!

Die ARD dementiert, dass sie beim „Tatort“ sparen will. Wir haben trotzdem ein paar Vorschläge, auf wen man gut verzichten könnte. Und auch Til Schweiger sollte seine Wumme abgeben.

Foto: NDR/Marion von der Mehden

Gerüchten zufolge will die ARD den „Tatort“-Etat kürzen. Das hat zumindest die „Bild“ am Mittwoch geschlagzeilt. Es soll weniger Folgen geben. Die ARD Dementiert. Dabei könnte man auf einige Kommissare gut verzichten. Eine Einsparliste.

Hannover

Auch in Hannover kann man zum Mörder werden. Eine Stadt mit hohem kriminalistischem Potenzial. Man möchte sie allerdings nicht Maria Furtwängler anvertrauen. Sollten ihre ermittlungstechnischen Fähigkeiten so groß sein wie ihre schauspielerischen, würde es höchstens für Ladendiebstahl reichen. Immerhin macht sie allen angehenden Schauspielschülerinnen Mut: Mimische Fähigkeiten sind überbewertet. Man kann auch mit einem einzigen Gesichtsausdruck, den man leidlich beherrscht, „Tatort“-Kommissarin werden. So fährt Charlotte Lindholm fröhlich im Passat durch niedersächsische Landschaften, während daheim ihr Kind, das sich Furtwängler hat in den Lindholm-Plot erfinden lassen, emotional komplett verödet. Man möchte ständig das Jugendamt anrufen.

Ludwigshafen

Hier kommt alles zusammen. Das ganze Dilemma. Könnte eine Art Duisburg (ach, Schimanski) mit anderen Mitteln sein. Insofern wäre ein „Tatort“-Team da recht am Ort. In der Regel allerdings hilft es auch nicht, die herrliche Luft über der Chemiemetropole vom Rhein mittels einer Shisha-Pfeife als Konzentrat einzuatmen, um sich Sonntagabende mit Ulrike Folkerts schönzurauchen. Wenn man Dramaturgieseminare über filmischen Provinzialismus abhalten möchte, bieten sich die durchschnittlichen Drehbücher an, die in Ludwigshafen verfilmt werden. In der Vollpfostensatzdichte sind sie unübertroffen. Ulrike Folkerts (von der wir uns nur im Notfall und höchstens das Telefonbuch vorlesen ließen) und Andreas Hoppe mühen sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Leider ist der ziemlich eng. Lena Odenthals Katzen spielen meistens besser.

Saarbrücken

Schauspielerresourcenverschwendung (I): Wir mögen Devid Striesow. Wirklich. Hätten gedacht, dem könnte man ein Telefonbuch in die Hand geben, und er würde daraus ein zweistündiges Lesedrama machen. Als er, zwei Jahre ist das her, in Saarbrücken Kommissar wurde, hätte eigentlich nichts schiefgehen können. Leider bekam er da statt des Saarbrücker Telefonbuchs richtige Drehbücher in die Hand gedrückt, aus denen selbst er kein Drama machen konnte. Striesow knattert als ein Schluffi von Kommissar, der Badelatschen trägt und Tüten raucht, mit rotem Helm auf einem Roller an der Saar lang. Und sieht aus, als würde er noch den Sätzen nachtrauern, die er weiland als Sidekick von Hannelore Hoger in „Bella Block“ aufsagen durfte, die auch nicht immer stilsicher waren. Man möchte ständig weinen.

Konstanz

Schauspielerresourcenverschwendung II: Wir mögen Eva Mattes ja wirklich gern. Wir verehren sie geradezu. Als Schauspielerin, die richtige Sätze sagt, als Sprecherin, die schöne Texte vorliest. Jane Austen etwa möchten wir niemals mehr von einem anderen hören. Dafür hätte sie endlich mehr Zeit, würde man auf die Konstanzer „Tatorte“ verzichten. Landschaftlich sicherlich reizvoll. Man sieht den Bodensee ja gern, die Hügel, die Berge. Leider stehen in den Wiesen und an den Ufern Fälle herum, die so schief konstruiert sind, wie Bauernscheunen am schwäbischen Meer nach zweihundert Jahren aussehen. Im See versenkt wurden inzwischen außerdem mehr Themen als nicht nur der Fernsehökologie guttut. Eva Mattes und der ebenfalls deutlich unterforderte Sebastian Bezzel, der immer treudoof neben ihr herdackeln muss, müssen ständig klassische Krimivollpfostensätze sagen. („Wo waren Sie am Sonntagabend?“) Auch hier tränt einem ständig das Auge.

Hamburg

Wenn man schon sparen möchte, hier wäre das größte Potenzial. Einfach Til Schweiger die Wumme wegnehmen. Er könnte dann – wie Eva Mattes, nur anders – endlich das tun, was er am besten kann. Mit seiner ganzen Familie noch mehr Viertelohrkaninchenfilme drehen etwa. Stattdessen darf er als eine Art Degeto-Bruce-Willis in einem mühevoll und extrem teuer hochgejazzten Hamburg versuchen, neue Rekordleichenzahlen zu produzieren und sich durch Plots zu ballern, die von jeder Logik frei sind. Schweigers Nick Tschiller ist ein marodierender „Tatort“-Söldner, der es schon nach zwei Fällen geschafft hat, sämtliche moralische Grenzen zu unterlaufen, die es je im „Tatort“ gegeben hat. Hamburg hat Schweiger nicht verdient.