Es war ganz offensichtlich: Dieser „Tatort“ wollte überdreht sein und unrealistisch, fast wie ein Comic: bunt, laut und grell. Dafür holte Regisseur Florian Baxmayer Neapel gewissermaßen an die Weser. Der Bewährungshelfer, von allen nur „Papa“ genannt und von Roeland Wiesnekker als eine Art mafiöse Knallcharge gespielt, saß in seinem China-Restaurant und lud „seine Jungs“ zum Rapport, als wäre er Don Vito Corleone.
Schon die Kamera (Marcus Kanter) tat alles, um der etwas müden Handlung wenigstens durch ihre Inszenierung etwas Drive zu verschaffen: Langsame Zeitlupeneinstellungen wechselten ab mit kuriosen Blickwinkeln und atemlosen Schnittfolgen, die derart begeistert auf sich selbst verwiesen, dass man der Handlung oft nicht folgen konnte. Doch den Vogel schoss diesmal eindeutig die musikalische Dauerberieselung ab, die als so eine Art Wutmarsch durch die Rock- und Popgeschichte angelegt war. Nichts beschäftigte die Twitter-Nutzer so sehr wie das.
#tatort heute ein Musical?
— Christian Menschel (@cmenschel) 18. Mai 2014 Fragen wie diese wurden schon dutzendfach laut, als noch die ersten Minuten liefen. Die Kamera zoomte sich am Krustengetier im Aquarium eines China-Restaurants entlang, dazu lief „Daddy Cool“ von Boney M. Und so ging es weiter: Die Rolling Stones, Rio Reiser, die Les Humphries Singers – in jeder neuen Einstellung lief eine neue Platte. Das wirkte auf manchen etwas willkürlich.
Interessanter Soundtrack heute. Per Losverfahren ausgesucht? #Tatort
— Zachy Haas (@Zachy_Haas) 18. Mai 2014 Andere fühlten sich ein wenig wie im falschen Film.
... die bunte Retro-Musikauswahl bei diesem #Tatort: Gleich kommt Ilja Richter und spielt uns einen Sketch vor!
— FreiZeit-Tiger (@Freizeit_Tiger) 18. Mai 2014 Es wurde nicht besser Während auf der Mattscheibe Augen mit Gabeln ausgestochen wurden und Frauen mit merkwürdigen Fingernägeln und Töchtern namens Rihanna auftraten, kreischte Van Halen mit „Why can’t this be love“ im Hintergrund, dann wieder Sister Sledge (“We are Family“) oder sogar Survivor (“Eye of the Tiger“). Das fand mancher Nutzer gut, die Mehrheit war irritiert.
Bei der Musik wälzen sich die Bremer Stadtmusikanten in ihren Gräbern #tatort
— Jazz (@meri_street) 18. Mai 2014 Einige wähnten, dass hier zwei Plattensammlungen durcheinander geraten waren.
hammer musikauswahl. fehlen nur noch ice ice baby und was von helene fischer. #tatort
— froileinmerle (@froileinmerle) 18. Mai 2014 Andere empfingen Telefonanrufe.
*ringring* Die 80er und 90er rufen an und wollen ihre Musik wieder haben! #tatort
— Maja (@moeyskitchen) 18. Mai 2014 War sonst noch was? Ja, die Sache mit den Selbstreferenzen. Vielen fiel auf, dass „Sympathy for the Devil“ von den Stones ein stummer Gruß an Kommissar Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) war, der in Norddeutschland ermittelt und dieses Lied auf dem Handy als Klingelton eingerichtet hat. Andere stellten fest, dass sie den Müllmann Tarik (Patrick Abozen) schon kannten – war er nicht im Hamburger Tatort mit Til Schweiger als neuer Assistent aufgetreten?
Gestern noch Polizeiassistent in Köln, heute Müllmann in Bremen. Eine postmoderne Erwerbsbiographie. #Tatort
— Daniel Jungblut (@Reiseheld) 18. Mai 2014 Genau, war er. Es ging eben viel um Norddeutschland in dieser Episode. Seitenhiebe gegen südlichere Städte wurden trotzdem gern verteilt.
Was für Bremen die Müllabfuhr ist, ist für München der FC Bayern.
#Tatort
— klara klartext (@Oklara) 18. Mai 2014 Und außerdem stand man ja immer noch ganz im Bann des Relegationsspiels, das kurz zuvor abgepfiffen worden war.
Das Bremer Modell. Hier nennt man so etwas "HSV Plus". #tatort
— Lebewesen unterwegs (@nekophil) 18. Mai 2014 Aber das waren Randerscheinungen. Die Musik war das, was haften blieb. Deshalb machte schnell eine besondere Serviceleistung die Runde:
Wer bei der ganzen Musik den Überblick verloren hat - wir haben die Playlist: http://t.co/rSgb92kFj4 #Tatort
— Tatort-Blog (@tatortblog) 18. Mai 2014 Vielleicht kann man ja diese Liste auf der nächsten Party verwenden – wahlweise als Stimmungsanheizer oder als Rausschmeißer.



