#tatort auf Twitter

So viel seltsame Musik hat es im „Tatort“ noch nie gegeben

Die Stadt, der Müll und der Tod: Die Kommissare Lürsen und Stedefreund begaben sich unter Abfallentsorger. Im Netz trieb die Zuschauer vor allem eine Frage um: Wer bitte hat diese Musik ausgesucht?

Foto: Carmen Jaspersen / dpa

Es war ganz offensichtlich: Dieser „Tatort“ wollte überdreht sein und unrealistisch, fast wie ein Comic: bunt, laut und grell. Dafür holte Regisseur Florian Baxmayer Neapel gewissermaßen an die Weser. Der Bewährungshelfer, von allen nur „Papa“ genannt und von Roeland Wiesnekker als eine Art mafiöse Knallcharge gespielt, saß in seinem China-Restaurant und lud „seine Jungs“ zum Rapport, als wäre er Don Vito Corleone.

Schon die Kamera (Marcus Kanter) tat alles, um der etwas müden Handlung wenigstens durch ihre Inszenierung etwas Drive zu verschaffen: Langsame Zeitlupeneinstellungen wechselten ab mit kuriosen Blickwinkeln und atemlosen Schnittfolgen, die derart begeistert auf sich selbst verwiesen, dass man der Handlung oft nicht folgen konnte. Doch den Vogel schoss diesmal eindeutig die musikalische Dauerberieselung ab, die als so eine Art Wutmarsch durch die Rock- und Popgeschichte angelegt war. Nichts beschäftigte die Twitter-Nutzer so sehr wie das.

Fragen wie diese wurden schon dutzendfach laut, als noch die ersten Minuten liefen. Die Kamera zoomte sich am Krustengetier im Aquarium eines China-Restaurants entlang, dazu lief „Daddy Cool“ von Boney M. Und so ging es weiter: Die Rolling Stones, Rio Reiser, die Les Humphries Singers – in jeder neuen Einstellung lief eine neue Platte. Das wirkte auf manchen etwas willkürlich.

Andere fühlten sich ein wenig wie im falschen Film.

Es wurde nicht besser Während auf der Mattscheibe Augen mit Gabeln ausgestochen wurden und Frauen mit merkwürdigen Fingernägeln und Töchtern namens Rihanna auftraten, kreischte Van Halen mit „Why can’t this be love“ im Hintergrund, dann wieder Sister Sledge (“We are Family“) oder sogar Survivor (“Eye of the Tiger“). Das fand mancher Nutzer gut, die Mehrheit war irritiert.

Einige wähnten, dass hier zwei Plattensammlungen durcheinander geraten waren.

Andere empfingen Telefonanrufe.

War sonst noch was? Ja, die Sache mit den Selbstreferenzen. Vielen fiel auf, dass „Sympathy for the Devil“ von den Stones ein stummer Gruß an Kommissar Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) war, der in Norddeutschland ermittelt und dieses Lied auf dem Handy als Klingelton eingerichtet hat. Andere stellten fest, dass sie den Müllmann Tarik (Patrick Abozen) schon kannten – war er nicht im Hamburger Tatort mit Til Schweiger als neuer Assistent aufgetreten?

Genau, war er. Es ging eben viel um Norddeutschland in dieser Episode. Seitenhiebe gegen südlichere Städte wurden trotzdem gern verteilt.

Und außerdem stand man ja immer noch ganz im Bann des Relegationsspiels, das kurz zuvor abgepfiffen worden war.

Aber das waren Randerscheinungen. Die Musik war das, was haften blieb. Deshalb machte schnell eine besondere Serviceleistung die Runde:

Vielleicht kann man ja diese Liste auf der nächsten Party verwenden – wahlweise als Stimmungsanheizer oder als Rausschmeißer.