Die „Tatort“-Folgen aus München sind in gewisser Weise ein Kontrastprogramm zu der Art, wie etwa in Münster oder Köln ermittelt wird. Während in Nordrhein-Westfalen die burschikos-handfeste Art von Max Ballauf und Freddy Schenk oder der lustvolle Klamauk aus Münster das Geschehen prägen, hat man sich in der bayerischen Hauptstadt in die Traurigkeit verliebt.
Wenn Ivo Batic und Franz Leitmayr ermitteln, dann wird immer von der Verzweiflung erzählt und von der Einsamkeit der Menschen. So auch gestern, als es um eine Frau ging, die von ihrem Balkon im 12. Stock gestoßen wurde. Die Ermittlungen ergaben, dass sie die Freundin vieler Männer war, die oft gegen Geld Zeit mit ihr verbrachten – ranghohe Honoratioren ebenso wie windige Unternehmer oder eigenschaftslose Familienväter. Ihnen allen, Kommissar Leitmayr eingeschlossen, war das Leiden am Verlust anzusehen. Ein düsterer Versuch über die Liebe war das. Das Resümee der Zuschauer fiel auf Twitter überwiegend positiv aus.
ein guter #tatort . ich mag cholerische kroaten die große klappe mit köpfchen haben. und diese 70er jahre zooms der kamera.
— Der Marvin (@DerMarvin_) 4. Mai 2014 In der Tat wirkten Kameraführung und auch die Interieurs streckenweise wie ein Ausflug in vergangene Epochen der bundesrepublikanischen Stilgeschichte. Für Aufsehen sorgte zum Beispiel das Wohnzimmer des Witwers mit Helfersyndrom, dem Harry Riedeck prägnantes Aussehen und knarzende Stimme lieh. Es wirkte wie eine in Jägermeister eingelegte Spießerhölle aus den Achtzigern mit ein paar schlimmen Endmoränen aus vorigen Epochen. Das holzvertäfelte Ensemble wurde wahlweise als Gelsenkirchener Alptraumbarock oder als solider Selbstmordgrund beschrieben. Tatsächlich ereilte den hilfsbereiten Mann dann ja ein sehr unangenehmes Ende. Dafür lag dann gleich eine Erklärung bereit:
Das war ganz klar ein Amoklauf, ausgelöst von der psychodelischen Tapete am #Tatort
— Alex (@alexs_ansichten) 4. Mai 2014 Dann war da die Sache mit dem Dialekt. Wenn der „Tatort“ aus München kommt, dann werden aus dem Rest der Republik regelmäßig Forderungen nach Untertiteln laut. Das war auch diesmal so. Für Begeisterung und eine große Zahl spontaner Liebeserklärungen sorgte Franz Xaver Kroetz, der in wunderbarer Mundart einen herrschsüchtigen Unternehmer darstellte.
Nirgendwo wird's schöner ausgesprochen als im #tatort aus München: "Bonnditsch, Herr Batditsch!"
— Tino Höfert (@tinomito) 4. Mai 2014 Erinnerungen an frühere Kroetz-Auftritte wurden wach.
Wieso bekommt der Kroetz eigentlich keinen Kir Royal bei seiner Vernehmung? #Tatort
— Marc Etzold (@MEtzold) 4. Mai 2014 Aufmerksamkeit zog aber vor allem sein Porsche Panamera auf sich, mit dem sich der selbstgerechte Unternehmer zu Tode raste.
Dieser #tatort kann Spuren von Autowerbung enthalten.
— CD (@ChDaum) 4. Mai 2014 Wobei Art und Umstände dieses Todes auch praktische Fragen aufwarfen.
Wann kann man denn auf der deutschen Autobahn in Raum München noch so fahren? #Tatort
— Michaela (@Berlinerjoere) 4. Mai 2014 Jedenfalls schied der Großkotz mit dem schnellen Wagen als Tatverdächtiger aus. Die Wendung kam einigermaßen unerwartet: Es war gar kein Mann. Es war eine Frau. Die verrückte Nachbarin.
Die gruselige Killer-Apothekerin ist doch sicher die aus dem Buch von Ingrid Noll gleichen Namens. #Tatort
— Anne (@Annegret) 4. Mai 2014 Barbara de Koy spielte eine in die Jahre gekommene Apothekerin, die den Verlust einer für sie sehr wichtigen Freundin fürchtete. Ihr monologartig vorgertragenes Geständnis kam nicht allzu gut an.
Diese Performance wurde ihnen präsentiert vom Bundesverband Deutscher Schauspielschulen. #Tatort #Nachbarin
— Jan Hendrik Becker (@beckerjan) 4. Mai 2014 Und dann kam es zum großen Finale – mitsamt Cliffhanger. Kommissar Leitmayr stand ja schon im Zentrum des Dramas, seit ihn der Witwer angebellt hatte, er habe einmal eine Beziehung zu Lisa Brenner gehabt („Sie! Sie sind das!“). Nun stach die Apothekerin auf ihn ein.
Leitmayr ist der Beweis: Apotheker können sehr wohl bei Rückenschmerzen helfen. #Tatort
— Jan Hendrik Becker (@beckerjan) 4. Mai 2014 Was bitte war das? Ist dem Münchener Ermittlerduo nun ein Kommissar abhanden gekommen? Wer sich davon beunruhigen ließ, dem war rasch geholfen.
Wer Angst um Leitmayr hat: Zumindest wurde grade wieder ein #Tatort mit Wachtveitl gedreht: http://t.co/NXLk7RE04n
— Tatort-Blog (@tatortblog) 4. Mai 2014 Manchmal wird man so ernüchternd schnell seiner Illusionen beraubt – aber irgendwie kann man sich darüber ja auch freuen. Denn ein Batic ohne einen Leitmayr, des wär fei scho a rechter Schmarrn.



