Im Leben von Charlie Sheen scheint es zwei Konstanten zu geben: Seinen massiven Alkohol- und Drogenkonsum, der laut eigener Aussage in seiner Doku „aka. Charlie Sheen” seit sieben Jahren der Vergangenheit angehört und trotzdem immer ein Teil ebendieser bleiben wird und die Liebe, die ihn aus seinem Umfeld umgibt.
Denn zu jeder Erzählung eines weiteren Absturzes kommt bei Netflix nun eine Erzählung von Liebe. Das verwundert nicht, bedenkt man, dass der Schauspieler seine Geschichte selbst erzählt und die Erzählung des Films vorgibt. Sheen sitzt während der Interviewszenen in einem typisch amerikanischen Diner. Dort auf dem Tisch steht stets eine Kaffeetasse, aus der er trinkt, wenn es unangenehm wird. Wenn ihn etwas richtig emotional anfasst, dann merkt man das als Zuschauerin oder Zuschauer lediglich daran, dass Sheen anfängt, mit seinen Händen zu knacken.
Charlie Sheen will kein Weichei sein
Sheen ist es wichtig, immer noch einem bestimmten Bild zu entsprechen. Dem eines Mannes, wie es vor allem in den frühen 2000ern in der Öffentlichkeit gezeichnet wurde. Dem eines Mannes, den er in der Erfolgsserie „Two and a half man” jahrelang selbst spielte. Einer, der immer cool ist, einer, dem nichts etwas anhaben kann. Einer, der kein Weichei ist.
Daran ändert sich auch nichts, als er – für viele seiner Fans sicherlich überraschend – davon erzählt, dass er in der Hochphase seiner Cracksucht auch mit Männern geschlafen hat. Seine damalige drogenbedingte „Hypersexualität” sei der „Ursprung und Auslöser” für diese Erfahrungen gewesen. „Es ist extrem befreiend, einfach über Sex mit Männern zu sprechen”, sagt Sheen. In den Phasen, in denen er clean war, habe er versucht, sich damit auseinanderzusetzen. „Woher kommt das? Warum ist das passiert?“
Am Ende, so Sheen, habe er sich gesagt: „Na und? Manches war seltsam, vieles verdammt unterhaltsam – und das Leben geht weiter.“ Im Jahr 2025 wirken derartige Aussagen schon mehr als befremdlich. Beim Zuschauen wird man das Gefühl nicht los, dass Sheen Sex mit Männern als etwas ansieht, das unter dem Einfluss von Drogen okay sei, aber ansonsten für einen „Manly Man” wie ihn dann doch irgendwie befremdlich ist.

Auch HIV-Erkrankung und angebliche Vergewaltigung werden thematisiert
Und so ist es auch mit anderen unangenehmen Themen. Während Sheen kein Problem damit hat, stundenlang über seine Abstürze und Exzesse auszupacken, genauestens aufzuzählen, wann er welche Droge mit wem genommen hat und wie viel Geld er für Prostituierte und an seinen persönlichen Drogendealer – der auch in der Doku zu Wort kommt – gezahlt hat, fliesen brisante Themen in einer Art Abbinder in den Film ein. Denn gerade als die Doku auf ihr schon sehr kitschig daherkommendes Happy End zusteuert, wird auch filmisch ein Cut gesetzt.
Lesen Sie auch
Jetzt spricht Charlie Sheen über etwas, über das er noch nie öffentlich gesprochen hat. Schauspieler Corey Feldman hatte 2020 in einer Dokumentation über den angeblichen Missbrauch seines toten Freundes Corey Haim durch Charlie Sheen gesprochen. Der soll damals erst 13 Jahre alt gewesen sein, Sheen war zu dem Zeitpunkt 19 Jahre alt. Die Mutter des mutmaßlichen Opfers aber hatte die Vorwürfe bestritten, Sheen lies die Vorwürfe über seinen Sprecher zurückweisen. In der Netflix-Doku äußert sich der Schauspieler nun erstmals dazu und sagt: „Ich hätte rechtlich gegen ihn (Feldman) vorgehen sollen, aber ich wollte diesem Clown nicht noch mehr Aufmerksamkeit geben. Das ist eine bösartige Erfindung, nicht mehr, (...) einfach Schwachsinn.”

Auch bei einem weiteren Thema nutzt Sheen die Doku dazu, seine Hände in Unschuld zu waschen. Durch seine Drogenexzesse infizierte er sich mit HIV. Eine Tatsache, die seit 2015 bekannt ist. Er sagt, er sei seinen Sexpartnern- und partnerinnen gegenüber diesbezüglich immer offen gewesen und hätte stets ein Kondom benutzt. „Niemand hat HIV von mir”, so Sheen.
Lesen Sie auch
Hatte Charlie Sheen einfach verdammt viel Glück?
Dass das stimmt, fällt einem nach der Aneinanderreihung von Ausfällen, Drogen bedingten Psychosen und Gewalttaten wahrlich schwer zu glauben. Vielleicht hat Sheen das Schweigen vieler Menschen mit sehr viel Geld gekauft – in einigen Fällen hat er das, erzählt er in der Doku – vielleicht hat er sich mit sehr viel Geld auch die Liebe von sehr vielen Menschen in seinem Leben erkauft und vielleicht ist auch einfach nichts an alledem dran und er ist einfach ein Mensch, der unfassbar viel Glück in seinem Leben hatte.
Beratungsstellen helfen bei Suchterkrankungen
Sie leben mit einer Abhängigkeitserkrankung oder haben den Verdacht, süchtig zu sein? Sie sind Angehöriger eines Menschen mit Abhängigkeitserkrankung und suchen nach Hilfe? Suchtberatungsstellen in Deutschland bieten vertrauliche Hilfe bei allen Fragen rund um das Thema Sucht.
• Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS): Die DHS ist die zentrale Dachorganisation der Suchthilfe in Deutschland. Auf ihrer Website finden Sie eine Liste von regionalen Suchtberatungsstellen und Fachkliniken: www.dhs.de
• Sucht & Drogen Hotline: Die Hotline ist rund um die Uhr unter der kostenlosen Rufnummer 01806 313031 erreichbar und bietet telefonische Beratung für Betroffene und Angehörige.
• Bundesweite Online-Sprechstunde der Suchthilfe: Über das Portal des Fachverbands Sucht können Sie eine Online-Beratung in Anspruch nehmen. Die Beratung erfolgt anonym, sicher und datenschutzkonform.
• Anonyme Selbsthilfegruppen: Verschiedene Selbsthilfegruppen wie die Anonymen Alkoholiker (AA) oder die Narcotics Anonymous (NA) bieten Treffen für Betroffene an, um sich untereinander auszutauschen und zu unterstützen. Informationen zu Treffen finden Sie auf den jeweiligen Websites.
Zusätzlich können Sie auch bei Ihrem Hausarzt, beim Gesundheitsamt oder bei psychiatrischen Kliniken weitere Unterstützung erhalten.
Das Glück, dass ihn sein berühmter Schauspiel-Vater Vater Martin Sheen ihn anzeigte, nachdem er gegen seine Bewährungsauflagen verstoßen hatte, damit er wieder in eine Suchtklinik gehen musste. Überhaupt das Glück einer Familie, die ihn nie daran zweifeln lies, dass sie ihn liebt – auch wenn Martin Sheen lieber nicht Teil der Doku sein wollte. Das Glück, von Ex-Frauen, die trotz unaussprechlicher Dinge fest an seiner Seite stehen.
„Ich liebe ihn immer noch”, sagt etwa seine Ex-Frau Denise Richards. „Er ist inzwischen einer, der sich kümmert”, die andere Ex-Frau Brooke Mueller. Das Glück, über all die Zeit einen stets nüchternen und immer loyalen besten Freund zu haben. Und das Glück, dass seine Kinder – zumindest kommen mit Bob und Lola Sheen zwei seiner fünf Kinder zu Wort – froh darum zu sein scheinen, dass er jetzt nach all den Jahren den präsenten Vater gibt. Oder, um es in den Worten von Charlie Sheen zu sagen: „Es gibt Mitwirkende, die für diese Geschichte wichtiger sind als ich.”
aka. Charlie Sheen ist ab dem 10. September bei Netflix zu sehen








