„Ich werd’ hier den ganzen Tag schon angelogen“, sagt Markus Lanz am Donnerstagabend in seiner ZDF-Sendung – halb im Scherz, halb aus echter Frustration. Es geht um Carsten Linnemann, den CDU-Generalsekretär, der überraschend auf ein Ministeramt in einer möglichen schwarz-roten Koalition verzichtet. Warum – das will er in der Sendung herausfinden.

Warum will Karsten Linnemann nicht Minister werden?

Karl-Theodor zu Guttenberg, Ex-Verteidigungsminister und sichtlich in Plauderlaune, schlägt zunächst diplomatische Töne an. Linnemann sei „einer der Begabteren“, jemand, der „zur Formation der Union gehört“. Doch Lanz lässt nicht locker: „Man macht doch den Generalsekretär, und die Belohnung ist es dann, Minister zu werden.“ Zu Guttenberg widerspricht. Ulrike Herrmann, Wirtschaftsjournalistin der „taz“, liefert eine andere Lesart: „Vielleicht will er sein eigenes neoliberales Profil nicht ruinieren.“ Schließlich sei die Koalition alternativlos.

Lanz treibt die Spekulation weiter: „Ist da nicht jemand einfach maßlos enttäuscht?“ Diesmal stimmt Guttenberg zu. Herrmann zieht daraus den Schluss: „Wenn man sich so positioniert, heißt das eigentlich: Ich bringe mich in Stellung, wenn die Koalition scheitert.“ 

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Zwischen Söder-Sticheleien und CSU-Schattenkämpfen

Natürlich fällt auch der Name Söder. Lanz unterstellt Guttenberg, noch längst nicht mit der Politik abgeschlossen zu haben. „Wie oft telefonieren Sie mit Herrn Söder“, will er wissen, immerhin seien sie ja Parteikollegen. Der winkt ab: „Locker zehn Jahre her“, sei das letzte Telefonat mit dem bayerischen Ministerpräsidenten. Dafür spreche man aber außerordentlich oft übereinander, merkt Lanz an.

So auch beim Thema Koalitionsvertrag. „Man hat sich auf Teufel komm raus mit einer Koalitionsmöglichkeit festgelegt, das war Ausdruck besonderer Doofheit“, sagt Guttenberg – und zielt damit auch auf Markus Söder. Die Abgrenzung zu den Grünen habe die Stimmung im Land vergiftet, sind sich die Gäste einig. Nun, so der Tenor, fehle es an Weitsicht: Statt großer Linien dominiere eine Debatte über „kleine Themen“. Hasnain Kazim, Autor bei „Der Journalist“, teilt die Kritik. Es sei eine verpasste Chance, in einer instabilen Weltlage klare Schwerpunkte zu setzen.

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Wehrpflicht zurück auf der Agenda

Im zweiten Teil der Sendung geht es um die Wiedereinführung der Wehrpflicht – ein Thema, bei dem sich Einigkeit einstellt. Guttenberg verteidigt seinen damaligen Beschluss, die Pflichtdienste auszusetzen. Rückblickend sagt er aber: „Ich bin ein Anhänger der Wehrpflicht, wenn sie ausreichend ausgestattet ist.“

Damals, im Jahr 2011, sei der finanzielle Druck enorm gewesen. Bundeskanzlerin Merkel und Finanzminister Schäuble hätten Einsparungen verlangt, auch im Verteidigungsressort. Guttenberg beschreibt die Situation als Zwangslage: Entweder man erfülle weiter die Bündnisverpflichtungen – oder halte an einer Wehrpflicht fest, die längst nicht mehr funktionierte. Die Dienstzeit war auf sechs Monate geschrumpft, das System, so Guttenberg, „verkrüppelt“ gewesen.

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Es fehlen: Kasernen, Personal, Struktur

Berufssoldat Maik Mutschke, der 2010 in Afghanistan schwer verletzt wurde, schildert eindrücklich, was es heißt, im Einsatz zu stehen. Hasnain Kazim, damals als Journalist im selben Einsatzgebiet, spricht von seinem Antrieb: „Ich glaube, dass es sich lohnt, Demokratie zu verteidigen – notfalls mit der Waffe.“

Ulrike Herrmann warnt vor Schnellschüssen: Kasernen, Personal, Struktur – all das fehle. Die Rückkehr zur Wehrpflicht sei allein logistisch kaum zu stemmen. Dennoch ist sich das Panel einig: In einer instabiler werdenden Welt könnte ein gut ausgestatteter Pflichtdienst mehr sein als ein nostalgisches Projekt.