Kalauer können schmerzen. Ja, sie können richtig wehtun. Aber reiht man vier, fünf dusselige Einzeiler und Wortspiele konsequent aneinander, ist Lachen programmiert. Die Freiburger Brüder Volker und Thomas Martins sind Meister dieses Metiers. Als Chaos Theater Oropax haben sie die Lust am gehobenen Schwachsinn perfektioniert. Seit mehr als 30 Jahren sind sie unterwegs durch die Republik und die deutschsprachigen Anrainerstaaten und feierten am Mittwochabend im Tipi am Kanzleramt Berlin-Premiere mit ihrem aktuellen Programm „Chaos Royal“.

Dieser vorsätzliche Klamauk ist gewöhnungsbedürftig. Man muss sich dem gezielten Gag-Bombardement der Klasse-Clowns aussetzen, ist dann aber bald gefangen in einem tatsächlich höchst chaotischen Bühnenprogramm, in dem die humorentschlossenen Brüder aber auch keinen noch so albernen Spaß auslassen, um ihn genüsslich breitzutreten. Volker, der jüngere Bruder, muss sich andauernd Witze über seine Glatze gefallen lassen, Thomas, der vier Jahre ältere, bekommt dafür seine langgesichtige Physiognomie um die Ohren gehauen.

Improvisierter Unsinn mit Überrumpelungstaktik

Es beginnt in einem heillosen Durcheinander. Sie sind zu spät dran. Die Kulissen sind noch nicht aufgebaut. Die beiden Oropaxe und zwei weitere Helfer wuseln durch das Bühnen-Halbdunkel, im Saal ist noch Licht. Dass sie dann doch nur fünf Minuten zu spät sind, liegt daran, dass Thomas den Minutenzeiger der Bühnenuhr arretiert hat. „Ich wollte den Zeiger mit Sekundenkleber demütigen“, meint er trocken. Und füttert die Uhr. Mit Tic-Tac. Dieser zutiefst sinnfreie Abend lebt vom Zusammenspiel der Brüder, von ihrem über die Jahre geschulten Timing, von der Überrumpelungstaktik, mit der sie ihren komprimierten und gern auch improvisierten Unsinn auf das Publikum loslassen.

Seltsamste Bühnenfiguren tauchen auf. Das Klorakel, ein überdrehter Mönch und ein klamottiger Pizza-Bote. „Ich lasse mich immer noch Artischocken“, entfährt es Langgesicht Thomas. Während Bruder Volker ein Smiley-Gesicht in die frisch aufgetaute Pizza beißt. Da hat der eine im Knast ein Buch geschrieben, das „Haftnotizen“ heißt, während der andere irgendwann kund tut: „Ich sauf mir die Show jetzt schön“ und gleich zwei Humpen mit einem Bier-und-Sekt-Gemisch auf ex wegtrinkt.

Anarchische Lust am Absurden

Die Rollenverteilung ist so klar wie klassisch: Volker Martins ist der wortgewandte Schlaue, Bruder Thomas gibt den durchgeknallten Narren. Wie einst Laurel und Hardy oder Abbott und Costello, wie der Weißclown und der August oder Ernst Waldbrunn und Maxi Böhm. Oropax fügen dieser klassischen Schlau-Doof-Konstellation durch ihre anarchische Lust am Absurden noch einmal eine völlig neue Nuance hinzu, zelebrieren einen königlichen Nonsens, den man entweder hemmungslos lachend über sich ergehen lässt oder dem man sich durch fluchtartiges Verlassen in der Pause entzieht.

Auch diese Zeitung wird Teil der hemmungslosen Kalauer-Parade. Da wird heute schon die Berliner Morgenpost gelesen und die schönsten Artikel werden rezitiert: „Der. Die. Das. Und das waren längst nicht alle, sondern nur bestimmte Artikel“. Und wir lernen, dass bei einem schwäbischen Brötchen der Artikel im Französischen am Ende steht: Weck-le. Das Niveau liegt auch mal unter der Gürtellinie, aber die Pointendichte ist enorm. Man kann die zwei nur mögen. Oder eben nicht. Es kommt auf den Selbstversuch an. Noch bis zum 1. Februar sorgen Oropax für Chaos am Kanzleramt.