Schaubühne

Marius von Mayenburg inszeniert eine bunte Shakespeare-Show

In „Viel Lärm um Nichts“ bekommt der Zuschauer alles, was das Herz begehrt. Marius von Mayenburg hat das Stück von Shakespeare verschlankt, neu übersetzt und in eine Kostümparty uminterpretiert.

Foto: privat / dpa

Der Krieg ist aus, Zeit für ein bisschen Spaß. Ach was, ein bisschen, für richtig riesengroßen, unendlichen Spaß. Hereinspaziert, werte Damen und Herren, in den bonbonrosa Showtempel des Lebens, hier bekommen Sie alles, was das Herz erfreut und begehrt: Lieben und Intrigen, exotische Landschaften, erotische Hula-Mädchen, Piraten und Großwildjäger.

Sie werden einen liebestollen Tiger sehen, King Kong in Kopulierlaune, Nosferatu mit den spitzen Ohren und selbst der geschätzte William Shakespeare wird seine Aufwartung machen, wenngleich nur am Rande gewissermaßen.

Dabei hat der sich den ganzen Zauber ausgedacht, früher mal. Jetzt aber hat Marius von Mayenburg sich des Stoffs angenommen und „Viel Lärm um Nichts“ für die Schaubühne nicht nur verschlankt und neu übersetzt, sondern auch inszeniert.

Eine große Show mit riesigem Spaßfaktor

Dafür hat er das große Spiel um Schein und Sein in eine nicht enden wollende Kostümparty uminterpretiert und auf eine exotische Südseeinsel verlegt. Kennt man ja, Palmen, Strand und ein paar warme Gitarrentöne, schon ist dem Herz wieder nach Hüpfen zumute. Ist ein vielfach erprobtes Erfolgskonzept bei Musik- und Filmproduzenten. Bei beiden bedient der Regisseur sich ausführlich.

Doch bevor sie nun ganz untergeht, hier noch schnell die Story: Claudio (Moritz Gottwald) liebt Hero (Jenny König), doch der böse Fürstenbruder lässt ihn glauben, dass sie in Wahrheit ein liederliches Luder sei. Benedick (Sebastian Schwarz) und Beatrice (Eva Meckbach) lieben sich eigentlich nicht, doch der Rest des Maskenballs lässt sie glauben, dass ihr Wettbewerb der Wörter in Wahrheit gegenseitiges verliebtes Werben sei.

Bei Mayenburg nun ist das alles nur eine große Show, das Leben, die Liebe, das Miteinander. Aber eine mit riesigem Spaßfaktor. Damit daran nicht der geringste Zweifel besteht, feuert Mayenburg Salven inszenatorischer Gags ins Publikum und die sind, tatsächlich ausnahmslos, sensationell gut.

Es wird viel gesungen an diesem Abend

Im Hintergrund laufen bebildernde Filmsequenzen und auch vorne, auf der Bühne treffen wir auf alte Bekannte. Wie die Komik hier kreative Kapriolen schlägt, wie King Kong Part der Intrige wird, wie die vermasselte Hochzeit schwer nach einem Familienfest der Addams Family aussieht, all das ist schon die Eintrittskarte wert.

Dazu kommen die Darsteller: Eva Meckbachs Beatrice paart intellektuelle Schlagfertigkeit mit einer Sexyness, der Sebastian Schwarz als Benedick sehr verständlich nur schwer widerstehen kann. Überhaupt wird viel gesungen an diesem Abend, vorne am Standmikrofon.

Mayenburgs Ist-doch-alles-nur-Spaß-Version

Und neben der offenbar unerschöpflichen Fülle des Schaubühnen-Kostüm-Fundus (Ausstattung: Nina Wetzel) ist dies die zweite Überraschung des Abends: Die können allesamt richtig gut singen, die Schaubühnen-Darsteller. Die musikalischen Parts des Abends sind insofern von besonderem Interesse, als sich hier zumindest ansatzweise jene traurig-tragische Doppelbödigkeit zeigt, die dem shakespearschen Text ja auch innewohnt.

Tatsächlich ließe sich bemäkeln, dass Marius von Mayenburg diesen Aspekt in seiner Ist-doch-alles-nur-Spaß-Version allzu sehr unter den Komik-Teppich kehrt, aber der riesengroße Unterhaltungswert des Abends wiegt das ganz unbedingt wieder auf.

Schaubühne am Lehniner Platz, Kurfürstendamm 153, Charlottenburg. Tel. 890023 Montag um 20 Uhr