Die Dänen sind die glücklichsten Menschen der Welt laut der zum Weltglückstag veröffentlichten UN-Statistik. Ausgerechnet von dort kommt nun ein Film über einen angekündigten Selbstmord. Esther (Ghita Nørby) hat ihre Familie für ein Wochenende in ihr Landhaus eingeladen.
Sie will noch einmal Weihnachten feiern, auch wenn es dafür noch gar nicht die richtige Jahreszeit ist. Aber Esthers Zeit läuft ab, sie ist unheilbar am Nervenleiden ALS erkrankt und plant seit Monaten mit Hilfe ihres Mannes Poul (Morten Grunwald), einem pensionierten Arzt, ihren Suizid.
Noch einmal feiern, und dann Schluss
Noch ist es nur ihr linker Arm, den sie nicht mehr bewegen kann, aber nach und nach wird ihr ganzer Körper erlahmen. Dem will sie zuvorkommen. Die Familie weiß Bescheid. Die beiden Töchter, die kontrollierende Hedi (Paprika Steen) und die labile Sanne (Danica Curcic), haben ihre Partner mitgebracht, auch Esthers alte Freundin Lisbeth (Vigga Bro) ist eingeladen.
Ihr Plan: Nach dem Abschied der Familie am nächsten Tag wird Mutter Tabletten nehmen. Doch angesichts des nahen Endes brechen alte Konflikte auf und die Töchter beginnen bald, an ihrer Unterstützung des Vorhabens zu zweifeln.

Der dänische Regisseur Bille August („Das Geisterhaus“) widmet sich damit einem Thema, das in den letzten Jahren im Kino zu einem kleinen Subgenre geworden ist. Filme über aktive Sterbehilfe, die auch eine gesellschaftspolitische Debatte über die ethischen und rechtlichen Aspekte reflektieren. Was ist legal, und inwieweit ist es legitim, sich darüber hinwegzusetzen?
Wie Esther leidet auch Hannes in „Hin und Weg“ an ALS, aber anders als Bille August inszenierte Christian Zübert daraus kein Kammerspiel, sondern ein Roadmovie. Der Todkranke macht mit seinen Freunden eine Fahrradtour nach Belgien. Erst auf dem Weg erklärt er ihnen Grund des Ziels: Nur im liberalen Belgien ist assistierter Freitod gesetzlich erlaubt.
Das Recht auf selbstbestimmtes Sterben
Zübert hat daraus einen Wohlfühlfilm gemacht, in dem es mehr um Freundschaft als ums Sterben geht, anders als etwa Frederik Steiners Sterbedrama „Und morgen Mittag bin ich tot“ oder der spanische Oscargewinner „Das Meer in mir“ über einen querschnittsgelähmten Mann, der vor Gericht für sein Recht auf selbstbestimmtes Sterben kämpft.
Auch in „Silent Heart“ überwiegt das Drama. Dazu gehört, ebenfalls ein wiederkehrendes Element des Sterbehilfefilms, jemand, der sich dem letzten Wunsch widersetzt – hier ist es die labile Tochter, die notfalls heimlich einen Krankenwagen rufen lassen will. Wie alle sterbewilligen Protagonisten plant auch Esther jedes Detail und will nichts dem Zufall überlassen. Sie will sich nicht bevormunden lassen.

Doch egal, ob Tragikomödie oder klassisches Drama: Trotz der Unabwendbarkeit erweisen sich die Filme auch immer als eine Feier des Lebens und des Zusammenhalts, ob in der Familie oder im Freundeskreis. „Am Ende ein Fest“ heißt einer der schönsten Beiträge zum Thema. In der israelischen Tragikomödie bastelt ein alter Tüftler für seinen im Sterben liegenden Freund einen Apparat, mit dem er per Knopfdruck selbst entscheiden kann, wann er aus dem Leben scheidet.
Seine technischen Fähigkeiten wecken schnell das Begehr weiterer Todeskandidaten, wobei der Film es schafft, sich dem delikaten Thema ebenso heiter wie klug zu nähern. Am subtilsten hat sich bislang sicher Michael Haneke damit auseinandergesetzt.
In seinem Meisterwerk „Liebe“ pflegt George seine an Demenz erkrankte Frau Anne und muss zusehen, wie sie mehr und mehr verfällt. Für den letzten Schritt, der aus Liebe dem Leiden ein Ende setzt, findet Haneke genau den richtigen Ton. Daran reicht Bille Augusts etwas kalkuliertes Kammerspiel nicht heran, das ausgerechnet an einem krankt: seinem eigenen, unglaubwürdigen Ende.





