Spielen wir doch mal das beliebte „Sag mir, wie du heißt, und ich sag dir, wer du bist“. Die Hauptfigur von „Fack Ju Göhte“ (Kinostart am 7. November 2013), der Neuauflage der alten „Lümmel“-Filme, trägt den Vornamen Zeki. Zum Vergleich: Die Hauptfigur in „Die Lümmel von der ersten Bank“ hörte auf Pepe. Damals hieß das Mädchen zum Verlieben Marion Nietnagel, jetzt ist es die ähnlich putzig-solide Lisi Schnabelstedt. Das überforderte Lehrpersonal heißt entweder Arthur Knörz (einst) oder Ingrid Leimbach-Knorr (heute). Urkomisch, auf jeden Fall!

Nämlicher Dr. Knörz fiel 1968 einem Lümmelstreich zum Opfer und verabschiedete sich ins Sanatorium. Damit sind wir schon bei den Korrekturen, die Regisseur und Autor Bora Dagtekin 45 Jahre später angebracht hat. Hier stürzt sich Frau Leimbach-Knorr aus dem ersten Schulstock, weil sie die rebellische Klasse 10b (einst war es die 10a) nicht mehr aushält. Damals wie heute muss ein Ersatzlehrer her – und nun werden die Unterschiede wirklich interessant, weil beide Filme trotz allen Klamauks wie ein Soziogramm der die Schulen umgebenden Gesellschaft zu lesen sind.

Klassenausflug ins Prekariat

Der Ersatzlehrer von 1968 brauchte nichts weiter zu tun, als die Streiche zu durchschauen und sich in die Tochter des Direktors zu verlieben. Da ist Zeki Müller von ganz anderem Kaliber. Er kommt direkt aus dem Gefängnis und bewirbt sich in der Schule als Hausmeister, damit er in Ruhe nach seiner Diebesbeute graben kann, über die während seiner Knastzeit leider eine Turnhalle gebaut wurde. Nach diversen Missverständnissen landet er als Pädagoge in der 10b, und die streicht ihm zwar auch den beliebten Leim auf den Lehrerstuhl, aber ihre Aufsässigkeit ist im wesentlichen eine der Resignation.

Auf die 10a aus Wirtschaftswunderzeiten warteten sichere Arbeitsplätze, egal wie wenig sie lernte, die 10b sieht ihre Zukunft illusionslos: prekariate Jobs, Hartz-4, Drogen-Dealen – egal, wie viel sie lernt. Insofern ist die Umkehrung der Rollen, die Dagtekin vornimmt, so bitter wie konsequent: Es ist nun der Lehrer, der seinen Schülern Streiche spielt.

Am Ende wird aus „Bad Teacher“ wieder „Dr. Specht“

Wer nach der Pause noch auf dem Schulhof herumlungert, wird mit Paintbällen beschossen. Und im Zuge seiner rauen Pädagogik der Straße schleppt er seine Klasse zu all den Hartzern und Drogies mit, zur Abschreckung. Es ist eine brutale Disziplinierung, die aber komisch wirkt, weil sie im schulischen Umfeld geschieht, wo die lieben Kleinen doch mit Samthandschuhen angefasst werden.

Was natürlich nicht stimmt, geschieht dort die Disziplinierung eben per Noten. Zeki Müller (Elyas M’Barek) ist sozusagen der personifizierte Notenhammer, und so lange er hart bleibt, ist „Fack ju Göhte“ bissig und böse. Leider mischt sich irgendwann die unvermeidliche Schultheateraufführung ein (Scheckspier, nicht Göhte), und die Rabauken werden durch Berührung mit Kunst zu wertvolleren Menschen. Der Film bekommt ebenfalls weiche Knie, und Zeki und Lisi (Karoline Herfurth) finden zusammen, was wir von Anfang an wussten. Eine Weile lang waren wir auf gutem Wege zu einem „Bad Teacher“, dann endet alles wieder bei den „Lümmeln“ (und Dr. Specht). Und Uschi Glas, die Marion einst und die Leimbach-Knorr jetzt, geht in Pension. Bis zum nächsten Pauker-Film in ein paar Jahren.