Berlinale 2018

„7 Days in Entebbe“: Tanzeinlage zum Terror-Akt

Der Wettbewerbs-Film „7 Days in Entebbe“ zeigt, was man bei Filmen über Entführungen alles falsch machen kann.

7 Days in Entebbe

7 Days in Entebbe

Foto: Berlinale 2018

Terror-Tag auf der Berlinale. Erst wird man in das Attentat auf Utøya im Juli 2011 versetzt und nur wenig später auch noch in die Flugzeugentführung nach Entebbe im Juni 1973. Im direkten Vergleich kann man sehen, dass „Utøya 22. Juli“ alles richtig macht: Endlich mal ein Film, der ein solches Geschehen konsequent und ausschließlich aus der Perspektive der Opfer zeigt. Umso schwächer dagegen „7 Days in Entebbe“: Der zeigt lang und erschöpfend die Aktivitäten der Täter (in diesem Fall Daniel Brühl und Rosamund Pike), auch den Krisenstab in der israelischen Regierung (mit Eddie Marsan als grotesk toupiertem Shimon Peres) und die Vorbereitungen einer Spezialkampftruppe zur Befreiung der Maschine in der „Operation Thunderbolt“. Aber die Opfer, sie bekommen kaum ein Gesicht, bleiben wie so oft in solchen Filmen Statisten.

Die Entführung der Air-France-
Maschine voller Israelis durch deutsche und palästinensische Terroristen war ein heikles Politikum. Würde sich Israel auf Verhandlungen einlassen und damit in der Nahost-Krise erpressbar werden? Zündstoff erhielt die Geiselnahme auch dadurch, dass die Maschine nach Uganda umgeleitet und die Terrorgruppe von Diktator Idi Amin unterstützt wurde.

Der brasilianische Regisseur José Padilha hat die Berlinale schon einmal gespalten. „Tropa de Elite“, der 2008 den Goldenen Bären gewann, legte Machtmechanismen und -missbräuche einer Elite-Eingreifgruppe in Rio bloß, unterlag aber auch ein wenig der Faszination dieser männerbündnerischen Macho-Welt. Ganz ähnlich blickt Padilha hier im Grunde mit dem gleichen In- teresse auf die drei Parteien. Und führt dem eine weitere Ebene hinzu, wenn eine moderne israelische Tanzgruppe eine Choreographie einstudiert. Der historische, schon mehrfach verfilmte Fall scheint allein nicht mehr interessant genug, man muss ihn künstlerisch überhöhen. Penibel einstudierte Bewegungsabfolgen einer Choreographie mit einer chaotisch verlaufenden Terror-Tat zu vereinen, ist aber nicht nur prätentiös, es wirkt geradezu zynisch.

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