Die Lage. Die Anhänger der Slow-Food-Bewegung würden den Potsdamer Platz normalerweise weiträumig umfahren. Wenn dort allerdings ein so internationales Festival wie die Berlinale stattfindet, muss man eine Ausnahme machen. Und so stehen seit dem Beginn des Festivals mehrere „Food Trucks“ in der Joseph-von-Eichendorff-Gasse, in Sichtweite des CinemaxX-Kinos. Organisiert hat das der „Bite Club Berlin“, der schon seit geraumer Zeit bei allen möglichen Anlässen hippes Straßenessen über die ganze Stadt verteilt. Aber schmeckt es auch? Wir haben mal probiert.

Die Wartezeiten. Mal abgesehen vom Anstehen: In der klammen Kälte am Potsdamer Platz merkt man schnell, dass Slow Food hier auch Slow Service bedeutet. Der sympathische junge Kerl im „Bunsmobile“ etwa, wo man Cheeseburger mit und ohne gigantische Bacon-Scheibe kaufen kann, strahlt die Ruhe eines buddhistischen Klostermönchs aus. Leider hat er auch dessen Dynamik. Als der Burger schließlich in den Händen landet, bewahrt er sie noch eben so vor dem Abfrieren – trotz Handschuhen.

Das Süppchen. Eine schöne heiße Kartoffelsuppe ist da natürlich eine Verheißung. Und weil sie zusammen mit einer Limonade 6,50 Euro kostet, ist die Erwartung am „Bunsmobile“ natürlich groß. Es kommt dann aber eher ein Gruß aus der Küche: eine zwar sehr gute, aber leider fast homöopathisch dosierte Portion, auf der man einen verlorenen Tropfen Olivenöl erkennt und in der eine Scheibe Bacon schwimmt. Das Plastikgefäß ist zudem so instabil, dass der Verzehr ohne Sauerei zum Glücksspiel wird.

Das Ei. „The Future Breakfast“ nennt sich der kleine Truck, der von Florian Traenkner und Katie James geführt wird. Traenkner war in seinen Zwanzigern meistens verkatert und dachte über das perfekte Frühstücksgegengift nach. Ergebnis dieser Überlegungen sind zwei Brötchen mit pochierten Eiern, einmal mit Lachs, einmal mit Biospinat (6 Euro aufwärts). Beide sehr lecker, dezent gewürzt und sparsam mit einer aromatischen Soße übergossen. Man schmeckt die hochwertigen Zutaten klar heraus. Da hat man die zeitlupenhafte Zubereitung schon längst wieder vergessen.

Der Glückspilz. Am „Maria Maria Arepas Food Truck“ gibt es zum Beispiel die „Magic Mushroom“-Tasche (6 Euro). Diese Tasche aus frischem Maisteig wird vollmundig als „Tasche des Glücks“ beworben, wer will die nicht? Gefüllt ist sie entweder mit Shrimps oder mit den Sporen des zweisporigen Zuchtchampignons, an Fetakäse neben Salsa und natürlich jeder Menge Guacamole. Wer sein Gesicht gern ganzflächig guacamolegrün trägt und die Nase am liebsten mit Salsa pudert, ist hier richtig.

Schwaben sind überall. Zwei Amerikaner standen am Mittwoch vor dem Food Truck, der „Heißer Hobel“ heißt, und fragten sich, was „Spatzle“ wohl sind. Neugierig schlichen sie näher an den Wagen heran, und blickten in den Topf. „Is that Mac and Cheese?“, fragten sie, beide, im Chor. „Kind of“, sagt der Franzose im Wageninneren: Die Amerikaner nicken. Erst wollen sie bestellen, dann aber: Sieben Euro für ein paar Nudeln in einer Pommesschale? Es sind nicht die allerbesten Käsespätzle, aber nach drei Filmen kann so eine kleine Käsespätzle-Portion mit Röstzwiebeln und Lauch mitunter genau das Richtige sein.

Der Geheimtipp. Von Street Food übersättigt, bestellten wir dann noch rosa Rinderrücken in der „Tizian Lounge“ im „Grand Hyatt Hotel“. Das ist nur mal eben die Straße rüber. Es war dort natürlich etwas teurer, aber der Tag war lang, das Licht kam von oben, wir hatten lustige Schatten im Gesicht. Das Rind verwöhnte unseren Gaumen zart, während in unserem Rücken einige Gala-Dekolletés auf dem Weg zum Berlinale Palast auf und ab marschierten. So richtig gut sah da leider niemand aus, wir auch nicht . Wir tranken dann richtig viel warmen Montepulciano und fühlten uns trotzdem kurz wie zwei Filmmenschen.