Fifty Shades of Grey

Mr. Grey wird Sie jetzt empfangen

Erst auf der Berlinale, dann im Kino: Alle warten auf „Fifty Shades of Grey“, der am Mittwoch Weltpremiere im Zoo Palast feiert. Dem Trailer zufolge fällt der vermeintliche Sex-Film eher aseptisch aus.

Foto: Krauthoefer / jörg Krauthöfer

Es gibt Filmszenen, die sind unsterblich. Die verändern alles, was man bisher über Sex gedacht hat. So eine Szene wie in „Der letzte Tango in Paris“. Marlon Brando, Maria Schneider, der Fußboden, die Butter. Ein Skandal, als der Film 1972 erschien. Dann, drei Jahre später, „Die Geschichte der O.“, eine freiwillige Liebes-Sklavin in Fesseln. Ein bisschen weniger skandalös, aber dennoch hinreichend gewagt zeigten sich Kim Basinger und Mickey Rourke in „9 1/2 Wochen“ 1986. Sie brachten die Fessel-Spielchen nach Hollywood. Und jetzt?

Am Donnerstag kommt die Verfilmung von „Fifty Shades of Grey“ in die Kinos. Einen Tag vorher feiert sie Weltpremiere im Zoo Palast. Nicht unbedingt wegen filmischer Qualitäten, sondern eher, weil Dieter Kosslick auch das große Spektakel liebt. Große Stars sind zwar nicht dabei, allzu wilder Sex wird auch nicht zu erwarten sein – von 100 Minuten seien nur 20 explizit, munkelt man vorab. Dakota Johnson, Tochter von Melanie Griffith und Don Johnson, tut wenigstens so, als wäre ihr Auftritt gewagt: Sie will nicht, dass Papa und Mama sie als devote Gefesselte sehen, hat sie im Interview gesagt. Aber bislang hat nur Malaysia den Produzenten den Gefallen getan, den Film auf den Index zu setzen und ihn damit den Ruf des Verbotenen zu geben.

100 Millionen verkaufte Exemplare

100 Millionen Mal hat sich die Trilogie von E. L. James verkauft. Über 45 Millionen Mal wurde der Trailer auf Youtube abgerufen. Für den Film sollen bereits drei Millionen Kino-Tickets vorbestellt sein. Kaum naht die Filmpremiere, besetzt auch die Trilogie über Anastasia Steele und Christian Grey wieder die Bestsellerliste. Goldmann, der deutsche Verlag von E. L. James, hat im Januar eine Filmausgabe von „Geheimes Verlangen“, dem ersten Teil, auf den Markt gebracht. Fans, die auf dem eigens eingerichteten Blog zu Fifty Shades nachfragten, was genau die Filmausgabe von dem Roman unterscheidet, bekamen die erhellende Antwort: das Cover.

Begierde wird auf tausenderlei Arten entfacht. Nur in einigen, seltenen, glücklichen Fällen ist das Objekt der Begierde auch wirklich begehrenswert. So verhält es sich mit „Fifty Shades of Grey“. Ein Sex-Schmonzetten-Megaseller über ein braves Mädchen und einen dominanten Millionär mit traumatischer Kindheit und gewöhnungsbedürftigen sexuellen Vorlieben. Ein Mann, der seiner Freundin vorschreiben will, wie sie sich ernährt und wie sie sich kleiden soll. Eine Frau, die ihren Partner ebenso liebt wie sie ihn fürchtet.

Dem Trailer nach zu urteilen wird der vermeintliche Sex-Film erschreckend aseptisch ausfallen. Im Netz kursiert bereits eine Slide-Show mit 50 leblosen Objekten, die mehr voneinander angezogen sind als die Hauptdarsteller. Handtücher, zum Beispiel. Oder zwei Rollen Pressschinken. Aber schließlich haben sich auch sämtliche Feuilletons weltweit über die unterirdisch simple Sprache und die biedere Gedankenwelt der Autorin E. L. James lustig gemacht, aber die begeisterten Konsumenten des neu geschaffenen Genres „Mommy Porn“ hat das nicht abgeschreckt.

Einen Gewinner wird es auf jeden Fall geben: Die Sex-Toy-Industrie. Beim Berliner Internethändler Amorelie kann man von E. L. James eigenhändig autorisierte Handschellen, Peitschen und Liebesperlen bestellen. Wenn der Film enttäuscht, kann man das Buch wenigstens zu Hause nachstellen.