Berlinale

Der Tiefpunkt des Festivals - Jetzt wird es noch ganz esoterisch

In „Aloft“ sucht Claudia Llosa nach Heilung für die Menschheit. Das sieht alles sehr schön aus, ist aber auch ganz schön abstrus.

Foto: © Allen Fraser / Cry Fly Manitoba Inc. / Allen Fraser/Cry Fly Manitoba Inc.

Keine Frage, wir müssten viel öfter mal in die Natur gehen. Frische Luft tanken. Sich den Wind um die Nase streichen lassen. Vielleicht auch ein bisschen Reisig sammeln. Und zu Skulpturen bauen. Tun wir aber nicht. Stattdessen sitzen wir im Dunkeln. Und müssen zusehen, wie andere in die Natur gehen. Und Reisig sammeln. Und da fängt das Problem an.

„Aloft“ ist der neue Film von Claudia Llosa. Die hat 2009 für „Eine Perle Ewigkeit“ den Goldenen Bären bekommen. Es war der erste peruanische Film, der je für einen Oscar nominiert wurde. Claudia Llosa zählt jetzt zum Weltkino. Ihr neuer Film ist dann auch sowas wie eine Botschaft an die ganze Menschheit. Darunter geht es nicht.

Frau Llosa, geben Sie den Bären zurück

„Aloft“ handelt von einer Mutter (wunderschön: Jennifer Connelly), die wegen ihres kranken Kindes einen Heiler aufsucht. Der baut Reisigbündel und hält Audienz darunter. Er kann ihr nicht helfen, sieht aber auch in ihr die Kraft des Heilens. Da steckt sie in einem Dilemma: Soll sie sich um ihre beiden Jungen kümmern? Oder um das Wohl von vielen? Der Film löst es auf seine Weise. Der ältere Bruder ist eifersüchtig, fährt einen Wagen in den See, der kranke Bruder ertrinkt. Die Mutter verlässt den Übriggebliebenen. Und geht zum Heilen an den Nordpol.

Eine Journalistin (ebenfalls wunderschön: Mélanie Laurent) geht sie 20 Jahre später besuchen, unter einem Vorwand überredet sie auch den Sohn (Cillian Murphy), mitzukommen.

Das alles wird uns in zwei Zeitebenen erzählt, die man lange nicht zusammenbringt, und in schwebenden Bildern mit oszillierender Musik, die einen nicht heilt, aber doch sanft in den Schlaf wiegt. Das sieht alles sehr schön aus, aber auch ganz schön abstrus. So viel Pseudo-Esoterik war selten. Aber so ein Festivaltiefgang muss auch sein. Um das Maß für die anderen Filme zu halten. Wären wir mal lieber spazieren gegangen. An die Luft. Anstatt in diesen Unsinn. Wo Frau Llosa schon mal hier ist, sollte sie zur Strafe gleich den Goldenen Bären von 2009 zurückgeben.