Wenn es nach Moderatorin Anke Engelke geht, kann es die Berlinale im kommenden Jahr wettertechnisch mit der Biennale in Venedig aufnehmen. Dem Klimawandel sei dank, gebe es dann vielleicht an der Spree einen echte Strand - mit Palmen. „In diesem Jahr haben wir auf dem roten Teppich weder Schnee noch Regen - sogar die Sonne hat geschienen. Es ist ja wie in Cannes.“

Mit diesen Worten begrüßte die Moderatorin am Donnerstagabend die rund 1600 Gäste im Berlinale-Palast am Potsdamer Platz zur großen Eröffnungsgala der 64. Internationalen Filmfestspiele in Berlin. Der Abend, von dem die deutsche Filmprominenz seit Monaten gesprochen hat und der internationale Topstars nach Berlin gelockt hat, bildete den Auftakt für zehn Tage Ausnahmezustand in der Hauptstadt.

Und so wirkte Berlinale-Chef Dieter Kosslick, der traditionell in schwarzem Mantel, mit Hut und Schal die Gäste am Eingang des Theaters begrüßte, fast ein wenig zugeknöpft für die frühlingshaften Temperaturen. Den Fotografen zur Freude hatten die vielen weiblichen berühmten Premierengäste keine Eile, den roten Teppich - selbst im dünnen Abendkleid - zu verlassen.

Tilda Swinton mit Flip-Flops

Auch Schauspielerin Heike Makatsch war überrascht über die Temperaturen, trug an diesem Abend ein langärmliges Spitzenkleid. „Das ist schon erstaunlich für die Berlinale - aber sehr angenehm“, sagte die 42-Jährige.

Auch der braun gebrannte Elyas M'Barek, der pünktlich zur Berlinale aus seinem dreiwöchigen Thailand-Urlaub zurückgekommen war, freute sich, keinen Kälteschock erleiden zu müssen. US-Schauspielerin Tilda Swinton hatte jedoch scheinbar mit angenehmen Temperaturen gerechnet - und lief mit ausgefallenen Flip-Flops über den roten Teppich.

Gemeinsam mit ihren Kollegen Willem Dafoe, Bill Murray, Edward Norton, Ralph Fiennes und Regisseur Wes Anderson war die Charakter-Darstellerin nach Berlin gekommen, um ihren Film „Grand Budapest Hotel“ - den Eröffnungsfilm der Festspiele - an diesem Abend vorzustellen. Sie waren jedoch nur die Vorhut der vielen internationalen Gäste, die in den kommenden Tagen erwartet werden.

„Kultur soll auch Zumutung sein“

„Sie kommen doch alle nur wegen der hübschen Berlinale-Schals, besonders Bill Murray“, scherzte Kosslick auf die Frage von Moderatorin Engelke, wie es ihm gelingen würde, so viele Prominente nach Berlin zu locken.

Noch beim Aussteigen aus der Limousine hatte Murray einen letzten Schluck aus dem Cocktailglas genommen, bevor er es dann vorsorglich in seiner Jacketttasche verstaut hatte. Und das, obwohl der Eröffnungsfilm eine Tragikkomödie und kein düsterer Martial-Arts-Film war, wie er es im vergangenen Jahr war.

Für die Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) gehört jedoch auch schwerer Filmstoff zur Berlinale. „Kultur darf und soll auch Zumutung sein“, sagte sie bei der Eröffnung.

Der Eröffnungsfilm hatte jedoch auch zahlreiche andere bekannte Persönlichkeiten aus Gesellschaft, Politik und Kultur angelockt. Gekommen waren Prominente wie Mario Adorf, Herbert Grönemeyer, Karoline Herfurth, David Kross, Iris Berben, Hannah Herzsprung sowie US-Botschafter John B. Emerson mit seiner Ehefrau Kimberly. Seitens der Politik waren Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) und Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) sowie Grünen-Politikerin Claudia Roth gekommen. Stellvertretend für die Berliner Politik kamen Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) und Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos, für SPD) zur Eröffnung.

Auch die Mitglieder der Jury, in diesem Jahr unter anderen der zweifache Oscar-Preisträger Christoph Waltz („Inglourious Basterds“, „Django Unchained“) und die „James Bond“-Produzentin Barbara Broccoli, wurden von Anke Engelke persönlich begrüßt.

Sie und ein Großteil der anwesenden Gäste werden sich spätestens am kommenden Sonntag – bei der Verleihung der begehrten Bären im Berlinale-Palast – wiedersehen. An dem Abend, mit dem die Filmfestspiele ihr zehntägiges Gastspiel schließen werden.