Berlinale

Film "Jodaeiye" erhält den Morgenpost-Leserpreis

"Jodaeiye Nader az Simin" (Nader und Simin: eine Trennung) wurde einstimmig von der Morgenpost-Leserjury zum diesjährigen Sieger gewählt. Der Film des iranischen Regisseurs Ashgar Farhadi zeichnet ein realistisches Bild des heutigen Iran.

Foto: Reuters / Reuters/REUTERS

Die Bären werden Samstagabend verliehen. Ein Preis aber steht schon fest: der Publikumspreis, den die Leserjury von Morgenpost Online in diesem Jahr bereits zum 38. Mal verleiht. Neun Tage lang haben sich zwölf unserer Leser die 16 Beiträge des Wettbewerbs angesehen, um ihren Publikumsfavoriten zu küren. Am Ende kommt es erfahrungsgemäß zu sehr unterschiedlichen Positionen und manchmal auch knappen Entscheidungen. In diesem Jahr aber war das Votum – zum ersten Mal überhaupt – einstimmig. Alle zwölf Juroren wählten den iranischen Beitrag „Jodaeyie Nader az Simin“ (Nader und Simin: eine Trennung) von Ashgar Farhadi.

Der Film rangiert, seit er gelaufen ist, auch in unserem Kritikerspiegel an erster Stelle und wird auch bei anderen Umfragen getreulich zuerst genannt. Es wäre geradezu ein Skandal, wenn er am Ende nicht auch einen Hauptpreis der Internationalen Jury einbrächte. Aber der Film ist, das zeigt dieser Preis, nun eben nicht nur ein Favorit der Berufskritiker, sondern auch der „ganz normalen“ Kinozuschauer – die, die am Ende die Tickets kaufen. Ein Signal, dass ein solches Drama, für das es das Schreckens-Etikett „Problemfilm“ gibt, auch an der Kasse funktioniert.


„Jodaeiye“ zeigt ein sehr realistisches Bild des heutigen Iran. Ohne Pathos werden hier Iraner im Alltag gezeigt. Sie lassen sich scheiden, wollen ins Ausland, weil sie in ihrer Heimat keine Zukunft für ihre Kinder sehen (und dies auch offen bei den Behörden sagen). Der Film handelt von Männern, die arbeitslos sind, und Ehefrauen, die sich deshalb als Heimpflegerinnen anstellen lassen, ohne dem Mann etwas zu sagen – weil es eigentlich eine Sünde ist, allein bei einem Fremden im Haus zu sein. Und es zeigt, wie aus einer doppelten Form von Überforderung sich ein Rechtsstreit entspinnt, der sich trotz einiger Lösungsversuche unbeirrt immer weiter in Ärger und Hass steigert. Wobei die Frauen stets die sind, die vermitteln wollen, und die Männer in ihrem blinden Zorn und verletzten Ehrbegriff alles immer wieder zunichte machen.

Unsere Juroren haben bei der Schlusssitzung am Freitag ausdrücklich festgestellt, dass ihre Entscheidung keineswegs als reiner Solidaritätsakt zu verstehen sei, sondern dass diesen Film auch in einem Jahr, in dem kein iranischer Juror zu sechs Jahren Freiheitsstrafe und 20 Jahren Berufsverbot verurteilt worden wäre, gekürt hätte. Eine spontane Idee, bei der Preisverleihung aus Solidarität mit Panahi grüne Halstücher zu tragen, wurde aus diesem Grund (und nur aus diesem) wieder verworfen. Der Leserpreis wird Samstag, mit weiteren Auszeichnungen Unabhängiger Jurys, um 12 Uhr in der Landesvertretung des Saarlandes (Ministergärten 4) verliehen. Als Trophäe wird eine Skulptur der Berliner Designerin Susanne Meixner überreicht, die eine gläserne Filmspule symbolisiert.