Interview mit Jackie Chan

"Bruch an Bruch und hält doch"

Seine Kollegen hören spätestens in diesem biblischen Alter auf. Nicht, dass Jackie Chan schon alt wäre - gerade mal Mitte 50. Aber für einen Martial-Arts-Schauspieler ist das eher die Zeit, in der er mit kaputten Knochen von Festival zu Festival reist, um sich Preise fürs Lebenswerk abzuholen. Im Berlinale-Special stellt Chan am Mittwoch seinen Film "Little Big Soldier" vor.

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Am Potsdamer Platz lief Juliane Moore und einige deutsche Schauspieler über den roten Teppich. Doch Action-Star Jackie Chan sorgte für mehr Wirbel bei den Fans am Friedrichstadtpalast.

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Jackie Chan hingegen strahlt noch immer die Energie eines Mittdreißigers aus, der die schwersten Aufgaben des Lebens noch gern vor sich hat. Ruhestand? Von diesem Wort hat der drahtige, 1,74 große Schauspieler schon mal gehört. Es aber noch nie auf sich selbst bezogen.


Morgenpost Online: Man sieht Sie selten auf Filmfesten, oder?

Jackie Chan: Das stimmt nicht ganz. Vor ein paar Jahren hätte ich Ihnen da Recht gegeben. Aber ich war schon in Cannes bei den Filmfestspielen. In Berlin bin ich auch schon gewesen. Vielleicht staunen manche noch, wenn sie mich auf Filmfesten sehen. Aber warum sollte ausgerechnet ein Jackie Chan da nicht hindürfen?

Morgenpost Online: Sehen Sie es als eine Art späte Genugtuung?

Jackie Chan: Nein, das würde ich so nicht sagen. Wissen Sie, ich war noch nie der Mensch, der sich über Zustände besonders lange gegrämt hat. Ich habe immer, und das habe ich von meinen Eltern gelernt, das gemacht, was möglich war. Wäre es schöner gewesen, ein Leben lang auf kleinen Festivals gefeiert zu werden und dafür auf die Massen im Kino verzichten zu müssen? Wohl kaum. Jeder muss für sein Glück kämpfen. Und ich bin ein ganz guter Kämpfer.

Morgenpost Online: Ihr neuer Film "Little Big Soldier" passt ganz gut zu dieser Aussage. Denn die Idee dafür gibt es schon länger.

Jackie Chan: Richtig. Ich wollte den Film schon vor mehr als 20 Jahren machen. Ein junger Mann, der ein kleiner Soldat ist, rettet einen alten Mann, der General ist. Für die Rettung verspricht er sich eine Belohnung. Damals wollte mir niemand Geld dafür geben. Es mussten erst ein paar Jahre ins Land gehen.

Morgenpost Online: Und Sie mussten improvisieren.

Jackie Chan: Na ja, den jungen Soldaten hätte mir wohl niemand mehr abgenommen. Also habe ich schweren Herzens... Nein, das ist natürlich Quatsch. Ich wusste schon seit einiger Zeit, dass ich den Jungen nicht mehr spielen kann. Jetzt darf ich den älteren Part übernehmen.

Morgenpost Online: Haben Sie das Gefühl, dass Ihr Körper Ihnen noch lange diese intensive Arbeit mit ihm verzeiht?

Jackie Chan: Ob er mir das verzeiht? Das ist aber wirklich mal eine schöne Frage. Ich sage immer über meine Knochen: "Bruch an Bruch und hält doch". Ich war schon so oft verletzt, dass ich mich an Tage ohne Schmerzen nicht mehr erinnern kann. Aber das klingt vielleicht schon wieder zu weinerlich? Ich habe mich nun mal vor ein paar Jahrzehnten für diese sehr körperliche Art des Schauspiels entschieden. Noch macht mein Körper das mit. Was ich ihm hoch anrechne.

Morgenpost Online: Gibt es Ihrem Team einen Mitarbeiter, der die Verletzungen notiert und dann an das "Guinness Buch der Rekorde" weitergibt? Das hatte ich mal gehört.

Jackie Chan: Solchen Unfug höre ich auch manchmal. Früher hat mich das aufgeregt. Heute nicht mehr. Sollen die Leute doch schreiben, was sie wollen. Es existieren viele Zahlen. Irgendwo hat wohl mal gestanden, dass ich mir 7800 Brüche zugezogen haben soll. Schicke Zahl. Aber wenn man die mal genauer untersucht und umrechnet, wie oft ich dann im Krankenhaus gelegen haben muss, dann hätte ich sicher nicht mehr als zehn Filme gemacht.

Morgenpost Online: Stattdessen sind es seit Anfang der 60er Jahre mehr als 100. Kein Ende in Sicht.

Jackie Chan: Um Gottes Willen. Fangen Sie bloß nicht damit an. Das bringt Unglück. Ich bin mitten in meiner Karriere. Wie sagt man so schön: "Ein Mann in den besten Jahren".

Morgenpost Online: Vor einer Weile waren Ihre Fans ganz aus dem Häuschen, als es hieß, Sie würden Ihre Stunts nicht selbst machen.

Jackie Chan: Hören Sie bloß damit auf! Das ist so ein Missverständnis. Nirgendwo hat je gestanden, dass ich alle Stunts selber mache. Ich habe allerdings den Anspruch, so viel wie möglich selbst zu machen. Man muss es ausprobieren. Und seinen eigenen Kopf hinhalten.

Morgenpost Online: Keinen Stunt bereut?

Jackie Chan: Da ich sie alle überlebt habe: Nein, kein Bedauern, keine Reue. Das wäre ja auch schlimm.

Morgenpost Online: Stimmt die Geschichte eigentlich, dass Sie ein großer Freund der Berliner Bären sind?

Jackie Chan: Absolut. In welcher Form auch immer. Berlin und Bär passt ja perfekt zusammen. Nicht, dass ich glaube, bei allem Optimismus, dass ich mal einen Berlinale-Bären bekommen würde. Aber als ich vor ein paar Jahren in Berlin "In 80 Tagen um die Welt" gedreht habe, sind mir die "Buddy Bären" in der ganzen Stadt aufgefallen. Und als ich dann noch hörte, dass sie nicht nur gut aussehen sondern auch noch einem guten Zweck dienen...

Morgenpost Online: ...nämlich Kinder zu unterstützen.

Jackie Chan: Genau. Ich bin jemand, der gern von seinem Reichtum etwas abgibt. Ich unterstütze sehr gern Kinder, denen es nicht so gut geht. Und deshalb habe ich Berliner Bären nach Hongkong gebracht. Und auch dort Geld gesammelt.

Morgenpost Online: In Amerika und in Europa kennt man sie als Schauspieler. In Asien aber machen Sie noch viel mehr.

Jackie Chan: Ach, was heißt das schon, viel mehr?! Ich habe ein paar Restaurants. Ich designe hin und wieder ein paar Sachen. Ich hatte Lust, meine eigene Kollektion zu entwerfen. Vom Turnschuh bis zum Anzug. Alles echt Jackie Chan.