Bei Greenberg passiert folgendes: Ein etwas schräger Typ passt sechs Wochen lang auf das Haus des Bruders auf und tut nebenbei – nichts. Aber genau so scheint Ben Stiller im wahren Leben zu sein. Der Typ, der gern nichts tut. Oder, wenn er im Hotel „De Rome“ auf Morgenpost Online wartet, noch fix die Internet-Gemeinde per Twitter mit den Neuigkeiten aus Berlin versorgt. Mit Ben Stiller sprach Peter Beddies.?
Morgenpost Online: Wussten Sie, dass der Twitter Nr.1 auf der Welt Ashton Kutcher plus Gattin im letzten Jahr, als sie während der Berlinale im Hotel „Adlon“ gewohnt haben, den Michael-Jackson-Aus-dem Fenster-Halte-Skandal nachgespielt haben?
Ben Stiller: Nein, davon hatte ich bislang keine Ahnung! Aber das ist eigentlich genau meine Art von Humor. Wenn keiner darüber lachen kann, weil es grenzwertig ist. Das finde ich gut.
Morgenpost Online: Und womit versorgen Sie Ihre Fans gerade?
Stiller: Welches Wetter in Berlin ist und was für ein tolles Festival es hier gibt.
Morgenpost Online: Waren Sie schon mal auf der Berlinale?
Stiller: Nein, das ist das erste Mal und ich fühle mich auch sehr geehrt. Meine Filme werden zwar oft von ziemlich vielen Leuten gesehen. Aber auf Festivals lädt man mich normalerweise eher selten sein.
Morgenpost Online: Und davon haben Sie gerade eben geschrieben?
Stiller: Nein, das habe ich schon getan, als ich hier in Berlin ankam. Twitter benutze ich ganz gern. Zum einen hat man einen unmittelbaren Kontakt zu seinen Fans. Kann aber auch wieder aufhören, wenn es zu viel wird. Aber auf der anderen Seite kann Twitter unglaublich viel helfen. Jetzt nach der Katastrophe in Haiti zum Beispiel haben wir sehr schnell viele Aktionen starten können, um zu helfen.
Morgenpost Online: Familie Kutcher versorgt die Fans gern mit intimen Details.
Stiller: Ja, toll. Vielleicht sollte ich auch schreiben, welchen Burger in Berlin ich gerade gegessen habe und wie wunderschön das war. Nein, ganz ehrlich, es gibt Mittel, die man benutzen kann wie zum Beispiel Twitter. Aber ich möchte sie sinnvoll benutzen. Und nicht verschwenden.
Morgenpost Online: Diese Figur „Greenberg“, die nicht viel mehr tut als nichts zu tun und dabei noch fies zu sein, könnte doch Twitter auch ganz gut gebrauchen, oder?
Stiller: Vielleicht. Ansonsten redet er ja nicht viel. Er macht nicht viel. Er beschäftigt sich mit sich selbst. Diese neue Art der Kommunikation, dass Menschen wieder miteinander ins Gespräch kommen, aber auf eine neue Art und Weise, die könnte ihm möglicherweise gefallen.
Morgenpost Online: Man kennt Sie aus den meisten Ihrer Filme in der einen oder anderen Weise komisch. Dieses Mal verzichten Sie völlig darauf.
Stiller: Stimmt nicht. Wenn Greenberg auf ein Auto von hinten drauf haut, das dann abbremst und er wegläuft, dann finde ich das ziemlich komisch.
Morgenpost Online: Aber im Vergleich zu den anderen Filmen…
Stiller: …stimmt ja. Sie haben Recht. Ich bin dieses Mal wenig komisch. Aber – wer hätte das gedacht: Nicht lustig sein fällt mir nicht schwer. Hier gibt es ein sehr gutes Drehbuch. In das habe ich mich eingearbeitet. Und beim Einarbeiten ist mir aufgefallen, dass ich darin völlig aufgehe.
Morgenpost Online: Der Regisseur Noah Baumbach musste Sie also nicht ermahnen, ernster zu sein?
Stiller: Nein. Wissen Sie, das hat etwas mit Berufserfahrung zu tun. Ich weiß heute, dass ich einem Drehbuch vertrauen kann und nicht noch eine Extraportion Ben mit einbringen muss. Und was passiert? Nicht, dass es mein Verdienst allein wäre. Aber schwupps, sind wir bei der Berlinale.
Morgenpost Online: Haben Sie das Gefühl, dass Sie bei früheren Filmen übertrieben haben?
Stiller: Na ja, wenn ich mir zum Beispiel „Cable Guy“ anschaue, bei dem ich Regie geführt habe und Jim Carrey war in der Hauptrolle zu sehen, da frage ich mich schon, wie wir damals so drauf waren. Aber was soll`s, man kann es nicht mehr ändern.
Morgenpost Online: Glauben Sie daran, bis zum Ende Ihrer Karriere komisch sein zu können?
Stiller: Ich glaube, dass es irgendwann mal reicht. Dass man jeden Scherz gemacht hat. Ich kann mir gut vorstellen, dass ich Menschen immer gern zum Lachen bringe. Aber nicht unbedingt als Schauspieler. Vielleicht werden die Menschen später mal sagen, dass „Greenberg“ ein Anfang in eine neue Richtung war. Aber das Analysieren überlasse ich lieber anderen.
Morgenpost Online: Sie sind neben Ihrer Arbeit als Schauspieler ja auch noch Regisseur und Produzent. Im Herbst wird es einen ersten Trickfilm geben, die Sie produziert haben „Megamind“, unter anderem mit der Stimme von Brad Pitt.
Stiller: Oh ja, den wollte ich schon immer mal treffen. (lacht)
Morgenpost Online: Und wirklich?
Stiller: Na ja, ich habe eine Produktionsgesellschaft. Man weiß ja nie, wie die Dinge sich entwickeln. Und vielleicht bin ich als Schauspieler eines Tages nicht mehr so gefragt. Aber davon mal abgesehen, eines Tages kam dieses Drehbuch in unser Büro. Damals war es noch kein Trickfilm. Aber es ging schon um Superhelden. Nach ein paar Überarbeitungen und ein paar Jahren, die ins Land gingen, wurde daraus ein Stoff, den ich Jeffrey Katzenberg von Dreamworks angeboten habe. Den kenne ich ja ganz gut, zum Beispiel von den „Madagascar“-Filmen. Und nun mache ich meinen eigenen Trickfilm.
Morgenpost Online: Stelle ich mir gerade sehr interessant vor, wenn Ben Stiller Telefondienst hat und das Projekt betreut.
Stiller: Oh nein, erwähnte ich schon, dass ich eine Produktionsgesellschaft und damit auch mehrere Mitarbeiter habe? Bei so einem Film, der sich über Jahre hinzieht, wie jeder gute Trickfilm, muss ich vor allem gute Leute haben, die sich um alles kümmern.
Morgenpost Online: Wäre ein Platz wie die Berlinale, die bei den Stars ja einen recht zügigen Durchlauf hat, weil sie woanders ihre Filme vorstellen müssen, eigentlich ein interessanter Fleck für den Produzenten Ben Stiller?
Stiller: Auf jeden Fall. Ich wäre gern geblieben, hätte mehr Filme gesehen als nur „Shutter Island“ und „Ghost Writer“. Aber leider hat die Pflicht schon wieder gerufen.
Morgenpost Online: Schnell zurück nach L.A.?
Stiller: Nein, ich muss direkt nach Afrika, um mich dort für einen neuen Film umzuschauen. Es geht nach Namibia und Lagos.
Morgenpost Online: Worum geht es im neuen Film?
Stiller: Das erzähle ich Ihnen beim nächsten Mal.













