Berlin-Konzert

Voll in die Menge: Die Foals detonieren in der Columbiahalle

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Elisa von Hof

Foto: picture-alliance

Die britische Band Foals will sich immer wieder selbst überraschen. In Berlin ließen sie die Columbiahalle pogen.

Ein echter Rockstar springt schon mal von der Bühne und lässt sich von seinen kreischenden Fans auf Händen tragen. Der lässt Mikro oder E-Gitarre beim Stagediven auch nicht los, der spielt unbeirrt weiter, während hunderte feuchte Hände Rücken, Po und sonstiges begrabschen. Aber eine echte Rampensau erkennt man daran, dass der Sprung von der Bühne nicht reicht. Dass der Nervenkitzel größer, der Sprung tiefer sein muss – wie bei Yannis Philippakis, dem Frontmann und Sänger der britischen Foals. Am Montagabend ist die Indie-Rockband, deren Name übersetzt „Fohlen“ bedeutet, in der Columbiahalle aufgetreten - und Philippakis gibt die Rampensau.

Da quietschen E-Gitarren in den Lichtblitzen von Stroboskoplicht, Synthesizer-Beats dröhnen unter verzerrtem Bass, Philippakis kreischt in sein Mikro, schüttelt seine braunen Locken und krampft über seiner Gitarre hängend in spastischen Zuckungen. Der Name der Band hält nicht, was er verspricht. Von bravem Pferdchen hat das nichts. Nachdem sie sich mit den ersten Liedern eingespielt haben, sind die fünf Oxforder ziemlich laut.

Da gibt es dann Rockiges wie „Snake Oil“ vom aktuellen Album „What went down“, das die Band im vergangenen Jahr veröffentlichte. Genau wie die drei voran gegangenen Alben landet es in den Top Ten der britischen Albumcharts. Dann wird es eher schrill, mit viel Schlagzeug, Gitarrensoli und Geschrei. Die Fünf könnten da auch die jungen Rolling Stones sein – wären die Hipster-Bärte, Röhrenjeans und hochgekrempelten T-Shirts nicht. Dann switcht die Band zu ihrem populären „My Number“ von 2013 und immer weiter zurück zu älteren Stücken.

Die Foals wollen sich nicht langweilen

Frontmann Philippakis sagte mal, die Band wolle sich eine gewisse Vielfalt an Sounds bewahren, damit sie sich beim live spielen immer wieder überraschen können. Erstaunlicherweise klappt das. Sie klingen - das ist doch deutlich zu hören – in den früheren Stücken etwas punkiger, einfach mehr nach den 00er-Jahren. Jetzt hört man schon eher elektronische Klänge durch ihren Rock wie bei dem Song, der am meisten ins Ohr geht: „Mountain at my gates“, auch bekannt vom FIFA Spielen an der Play Station. Wenn Philippakis unter den stetigen Lichtblitzen auf der Bühne los schreit - „I see a mountain at my gates, I see a darkness in my face“ -, dann hört er sich an wie Dave Grohl von den Foo Fighters nach drei Whisky. Das ist ziemlich gut.

Heiter und fröhlich sind ihre Songs nicht. Eher düster, dunkel, manchmal melancholisch und oft ein bisschen wütend, vor allem live. Ein Gig sei wie eine verdorbene Kommunion, sagte Philippakis in einem Interview mal – aber das trifft´s nicht ganz, denn die Jungs haben nichts Pfaffenhaftes an sich. Die detonieren auf der Bühne. Und die Zuschauer machen mit. Kaum gibt Jack Bevan auf dem Schlagzeug den Takt zum nächsten Stück an, pogen die ersten vierzehn Reihen vor der Bühne: Menschenstrudel, die mehr und mehr Zuschauer mit sich ziehen, die beim Refrain ekstatisch aneinander springen.

Als sich das Konzert der Foals auf seinen klimatischen Höhepunkt zubewegt – man merkt es daran, dass die Securitymänner immer mehr Mädchen über den Metallzaun vor der Bühne hieven- , steht Philippakis plötzlich auf der Galerie über den Zuschauern. Er streckt den Daumen in die Luft und springt. Einfach so, ohne viel Aufhebens, ohne viel Entertainment. Wer die Columbiahalle kennt, der weiß, dass da schon ein paar gute Meter zwischen Galerie und Boden liegen. Und dass das schon fies enden kann. Aber Philippakis schwimmt singend, dann kreischend auf den Zuschauerhänden auf die Bühne zu. Die braunen Locken glänzen schweißnass im Stroboskoplicht.