Berliner Originale

Lieder, Filme, falsche Wimpern: Hilde Knef zum 90.

Am Montag wäre sie 90 geworden. Dazu huldigt Berlin seinem Weltstar. Mit einer neuen CD, Filmvorführungen und persönlichen Anekdoten.

Am 28. Dezember wäre sie 90 Jahre alt geworden: Die Berliner Schauspielerin und Sängerin Hildegard Knef

Am 28. Dezember wäre sie 90 Jahre alt geworden: Die Berliner Schauspielerin und Sängerin Hildegard Knef

Foto: Istvan Bajzat / picture-alliance / dpa

Am Anfang ist ihre Stimme zu hören. „Hallo Ihr Lieben. Hier ist Hilde Knef.“ Als ob man ihre Stimme nicht sofort erkennen würde. „Wie gerne“, fährt sie fort, „wäre ich jetzt bei euch. Auf der Bühne oder mittenmang.“

Das ist leider nicht möglich. Hildegard Knef ist bekanntlich am 1. Februar 2002 in Berlin gestorben. Nun aber, zu ihrem am morgigen Montag anstehenden 90. Geburtstag, wird der Berliner Weltstar noch einmal gefeiert. Mit einem Tribute-Album (erschienen bei Four Music), bei dem zwar nicht 90, aber doch 19 Künstler die Songs der Knef singen. Es ist schon das zweite Tribute-Album, nach „Für dich soll’s rote Rosen regnen“, das zum 10. Todestag erschien.

Der Titel des Albums ist ganz schlicht: „Für Hilde“. Die Lieder haben es in sich. Denn es sind große Interpretationen und Aneignungen. Popstar Alina etwa übernimmt es, „Für mich soll’s rote Rosen regnen“, den langlebigsten aller Hilde-Hits, neu aufzulegen. Sammy Deluxe macht aus „Von nun an ging's bergab“ einen trendigen Rap, bei dem die Knef im Refrain auch mitsingt.

Die Fantastischen Vier stimmen „Im 80. Stockwerk“ an, Clueso „Ich bin zu müde, um schlafen zu geh’n“, Cosma Shiva Hagen das eher weniger bekannte Lied „Und der Mond hatte frei“. Und Mieze die ewige Stadt-Hymne „Berlin, dein Gesicht hat Sommersprossen.“

Keine Frage: Das hätte der Knef gefallen. Ob im Tonstudio oder bei ihren Konzerten, immer hat sie nur mit den besten Musikern ihrer Zeit zusammengearbeitet. 1992 hat sie, unvergessen, ihre „Roten Rosen“ noch mal mit Extrabreit neu aufgepeppt.

Drei unveröffentlichte Texte erstmals vertont

Und mit Till Brönner ihre letzte CD „17 Millimeter“ aufgenommen. Ja, an diesem Tribute-Album hätte sie ihren Spaß gehabt. Als besonderer Bonus sind drei bislang unveröffentlichte Texte von ihr überhaupt zum ersten Mal vertont worden: „Doch drehst du dich um“ von Nisse, „Intrigen Intrigen“ von Jupiter Jones und „Wohin ich blicke“ von Bela B & Bonaparte. 13 Jahre nach ihrem Tod macht eine jüngere Generation sich auf, die Knef zu entdecken und zu erschließen.

Eine Kostprobe daraus wird es auch am 15. Januar (19 Uhr) in der Kulturbühne im Kulturkaufhaus Dussmann geben. Da ist als Gesprächspartner Paul von Schell, der Witwer der Knef, zu Gast. Und Alina wird dazu live Kostproben aus dem Tribute-Album geben.

Bereits am heutigen Sonntag (17 Uhr) widmet Star-Visagist René Koch der Knef einen Abend. Er, der eine 25-jährige „Beauty-Liaison“ mit ihr hatte und ihr wohl etliche Kilometer ihrer berühmten Wimpern geklebt hat, wird aus ihren Briefen an ihn lesen und einige Anekdoten von „Ida Putenschlund“, wie er die ungeschminkte Knef bespöttelt hat, zum Besten geben.

Das Ganze findet im Schwulen Museum statt, wo gerade zu seinem 70. Geburtstag die René-Koch-Ausstellung „Die Kunst des schönen Scheins“ zu sehen ist und auch Briefe, Bühnenkleider und, ja, Wimpern der Knef zu besichtigen sind.

Am Geburtstag selbst widmet die Astor Film Lounge der Knef einen Abend (ab 17 Uhr) . Zu sehen ist der Trümmerfilm „Die Mörder sind unter uns“, der erste Film überhaupt, der im Nachkriegsdeutschland gedreht wurde und mit dem die Knef schlagartig berühmt wurde.

Zuvor gibt die Berliner Sängerin Maila Barthel, von der schon das Programm „Bin ich knef?“ stammt, Chansons der Knef. Im Foyer des Premiumkinos gibt es schon seit einiger Zeit eine kleine Ausstellung mit Fotos, Plakaten und Zeitdokumenten, die Dieter Bornemann zusammengestellt hat, der eines der umfassendsten Knef-Archive sein eigen nennen darf.

Auch der Zoo Palast, der gemeinsam mit der Berliner Morgenpost die Filmreihe „Hauptrolle Berlin“ gestaltet, wird seine Januar-Ausgabe der Jubilarin widmen: Mit dem Film „Hilde“ (5.1., 20 Uhr), der nach den Knef-Memoiren „Der geschenkte Gaul“ entstand und in dem Heike Makatsch sich bis zum Verwechseln ähnlich in die Knef verwandelte.

Hilde-Gedenken allerorten also. Man wird den Gedanken nicht los, dass sie doch bei uns ist. Und zwar mittenmang.