Das Ganze findet ungefähr bei Kilometer 38 statt. Während sich draußen auf der Potsdamer Straße die Marathonläufer auf ihre letzten Kilometer eingrooven, findet drinnen im Kammermusiksaal der Philharmonie ein eigener Marathon statt. Zu dem hat die Horngruppe der Berliner Philharmoniker eingeladen. Der „Horn-Marathon“ beginnt um 11 Uhr und wird mehrere Stunden dauern. Eine punktgenaue Zielzeit will Solo-Hornist Stefan Dohr gar nicht nennen. Ein bisschen hängt es auch davon ab, wie viel Kraft, Neugierde und Spaß alle Beteiligten am Sonntag haben. Bislang sind rund 40 Hornisten vom Schüler bis zum Profi angekündigt. Dazu zählen die sechs amtierenden Hornisten der Philharmoniker, Stipendiaten der Orchester-Akademie und Nachwuchshornisten aus Berliner Musikschulen und Hochschulen.
Dohr weiß, dass es zu Beginn fürs Publikum nicht leicht sein wird, um die Absperrungen herum ins Haus zu kommen. Einer der philharmonischen Hornisten hat sich auch gleich später angekündigt. Georg Schreckenberger will beim Marathon mitlaufen und am Nachmittag mitspielen. Das klingt mutig. „Die philharmonische Horngruppe“ spielt Haydns „Der Scherz“ sowie Auszüge aus „Opera!“ oder „Four Corners“. Davor ist „Das Horn kammermusikalisch“ angekündigt. Auf dem Programm stehen Beethoven, Mozart, Brahms. Ganz zu Beginn stellen sich Musikschüler im Foyer vor. „Abblasen!“ heißt es zum Finale: Es ist ein Mitmachkonzert für alle, die ein Horn dabei haben. Es gibt natürlich vorab eine Probe. Der Marathon ist musikalisch ernst gemeint.
Das „Instrument des Jahres“ 2015
Der Landesmusikrat hat 2015 das Horn zum „Instrument des Jahres“ erklärt. Daraufhin hatten sich die Philharmoniker den 27. September für ihre Aktion ausgesucht. Dass zeitgleich der Berlin-Marathon stattfindet, das fiel ihnen erst später auf, aber damit – so Stefan Dohr – war die Idee für den „Horn-Marathon“ geboren.
Dass mit dem Abblasen hat seine eigene Tradition. „Das Horn gibt es schon“, scherzt Dohr, „seit ein Büffel irgendwo tot umgefallen ist und jemand gemerkt hat, dass man auf dem Horn etwas spielen kann. Das Horn kann als Signalinstrument viel Lärm machen. Ins Orchester kam es erst viel später. Da war noch der Umweg als Jagdinstrument, dann wurde es rundgebogen, damit man es beim Reiten mit sich führen konnte. So richtig ins Orchester mit schönen Soli kam es erst nach Brahms.“
Ein Flashmob an der Laufstrecke
Bei den Konzerten sind Hornisten innerhalb eines Symphonieorchesters schon sehr präsent. „Manchmal darf man der Heldendarsteller sein, manchmal darf man nur ein paar Töne spielen“, sagt Dohr, der seit 1993 zu den Philharmonikern gehört: „Grundsätzlich sind wir ein Vermittler zwischen den hinteren Instrumentengruppen.“ Der gebürtige Münsteraner hat ursprünglich Bratsche gelernt. Dann bekam er ein Jagdhorn geschenkt und fand den Klang schöner. Studiert hat er dann in Essen und Köln, anschließend in mehreren Orchestern gespielt.
Im Kammermusiksaal wird es heute auch ums Handwerkliche gehen. Im Foyer gibt es etwa eine mobile Werkstatt des Hornbauers Philipp Alexander, der extra aus Mainz anreist. Für den Nachwuchs hat Dohr auch einige Tipps parat. Zum Beispiel: „Als Hornist sollte man keinen trockenen Mund haben. Dafür aber die Fähigkeit, seine Patzer schnell vergessen zu können.“ Eine gewisse Gelassenheit, so Dohr, sollte ein Hornist schon haben. „Ich hasse Hektik vorm Konzert“, fügt er hinzu: „Ich brauche nachmittags ein kleines Nickerchen und das Gefühl, gut vorbereitet zu sein.“ Und auch ein „gewisses Körperempfinden, wo man Luft und Kraft hernimmt, sollte man haben“. Stefan Dohr selbst joggt dreimal die Woche und geht regelmäßig segeln. „Die meisten Kollegen“, sagt er, „machen Sport.“ Heute gegen 17 Uhr soll es auch einen Flashmob der Hornisten geben, voraussichtlich an der Laufstrecke. Ungefähr bei Kilometer 38.
Kammermusiksaal: ab 11 Uhr, Flashmob gegen 17 Uhr



