Palim, palim

Mehr als Didi: Dieter Hallervorden wird 80 Jahre alt

Das Publikum liebt ihn seit „Nonstop Nonsens“. Doch nun überzeugt Dieter Hallervorden auch in ernsten Rollen.

Palim, palim. Auf diese beiden Worte wird Dieter Hallervorden gern reduziert. Nicht nur, auch so was Zweiwortiges, auf „Nonstop Nonsens“, die Serie, die ihn in den 70-ern weit über Berlin schlagartig berühmt machte. Nicht auf Didi, die Figur, die er, nicht erst für die Serie, erfunden hat. Nein: Hallervorden, das ist palim, palim.

Ein Sketch, der bekanntlich vom Einkaufen von Pommes frites in Flaschen handelt. Natürlich ist auch das ein Verdienst, dass man sich an einen Sketch erinnern kann, der gut 40 Jahre auf dem Buckel hat. Und noch immer darüber schmunzelt.

Die Serie, die ihn berühmt machte: Hallervorden in seiner Show "Nonstop Nonsens" Picture-Alliance / KPA

Dieter Hallervorden hat sich in den Siebzigern zum Pausenclown der Nation gemacht. Mit ewigen Grimassen, hysterischer Lache, schlimmen Klamotten und überdicken Brillen. Jeder erinnert sich an die Kuh Elsa. Oder an den „Mittelteil von ,Dr. Schiwago‘“ (Schnief Schnief di Schneuf).

An die peinliche Frage „Ins Hotel?“ und die berühmte Gegenfrage „150 Mark?“ Mit solchen Sketchen, nicht zuletzt auch mit dem „gespielten Witz“, hat Hallervorden nicht die plattesten Pointen gescheut. Hat sich damit aber in die Herzen seiner Zuschauer gewitzelt.

Reduziert auf den größten Erfolg

Die kumpanenhafte Vereinnahmung des Hallervorden als Didi, auch wenn sie erklärtermaßen gegen dessen Willen stattfand, war auch so etwas wie eine Liebeserklärung des Publikums.

Hallervorden aber wurde, das ist seine persönliche Tragik, stets reduziert auf seinen größten Erfolg. Und immer ein wenig unterschätzt. Wer lustig ist, so ein weithin verbreitetes Vorurteil, der kann kein richtiger Schauspieler sein.

Aber der Komödiant hat es in seinem Leben immer wieder gelernt, gegen Erwartungshaltungen anzurennen, sich nicht in Schubladen stecken zu lassen, sich selbst zu beweisen. Hallervorden, heute vor genau 80 Jahren in Dessau geboren und 1958 vom Osten Berlins in den Westen der Stadt geflohen, entbrannte früh für das Kabarett, wofür er auch sein Studium schmiss.

Eine einseitige Liebe, er wurde nicht zurückgeliebt. Das Max-Reinhardt-Seminar wollte ihn nicht, die Stachelschweine ließen ihn auch abblitzen. Aber er nahm unverdrossen privaten Schauspielunterricht. Und gründete dann, 1960 war das, ein halbes Jahr vor dem Mauerbau, kurzerhand sein eigenes Kabaretttheater: Die Wühlmäuse. Da war er gerade mal 25 Lenze jung.

Mit 25 ein eigenes Theater

Ein Theater, das er noch heute leitet und im Dezember sein 55-jähriges Bestehen feiert.
Die ersten Räume waren noch in einem Keller in der Martin-Luther-Straße, und weil sie nicht immer voll waren, erfand er sich diese Figur, mit der er das Publikum „kriegte“. Den Didi. Auch wenn er fortan, wie so viele Kabarettisten, in das Dilemma kam: Wollte er Kabarett politisch-satirisch agieren? Oder wollte er die Leute „nur“ unterhalten?

Menschen zum Lachen zu bringen, das ist eine hohe Kunst. Und nicht jeder beherrscht sie. Hallervorden hat mit „Nonstop Nonsens“ TV-Geschichte geschrieben, weil er auf Slapstick und anarchischen Witz setzte, etwas, das man eher aus dem angelsächsischen Raum und im deutschen Fernsehen gerade mal durch „Klimbim“ kannte.

Die Klimbims, Didi und Otto, das waren in jenen Tagen die einzigen großen Komiker hierzulande, die Comedy machten, lange bevor es das Wort dafür gab. Irgendwann wollte Hallervorden höher hinaus. Hat in den 80er-Jahren auch Kinofilme gedreht wie „Ach du lieber Harry“ oder „Didi und die Rache der Enterbten“, die nicht immer so erfolgreich waren.


Weil alle halt nur den Didi mit den kurzen Sketchen wollten. Dem hat sich Hallervorden dann auch irgendwie ergeben, als er mit „Hallervordens Spott-Light“ sein Comeback startete. Zu einer Zeit, als längst Stand-up-Comedians den Platz beherrschten und seine Art des Humors ein wenig altbacken wirkte.

Aber der Frust, nie ernst genommen zu werden, nagte tief an ihm. Und so hat er noch einmal alle überrascht. Als er 2009, in einem Alter, in dem andere sich längst aufs Altenteil zurückziehen, das Schlosspark Theater übernahm. Und Millionen an Erspartem in das Haus steckte.


Um endlich die Rollen spielen zu können, die ihm sonst keiner anbot. Viele hatten anfangs gelacht, wenige hatten geglaubt, dass er länger als neun Monate durchhalten würde. Aber gerade hat er seine siebte Spielzeit vorgestellt.

Und plötzlich kamen auch die großen Altersrollen im Kino. „Sein letztes Rennen“, das ihn als hochbetagten Marathonläufer zeigte und sein Lebensmotto in Film brannte: „Immer einmal mehr aufstehen als hinfallen“. Und schließlich Til Schweigers „Honig im Kopf“, in dem er als Alzheimer-Opa Millionen Zuschauer zu Tränen rührte.

Er ist nicht immer einfach, der Dieter. Beim Dreh von „Honig im Kopf“ sollen die Fetzen geflogen sein. In Wien irritierte er, als er die Romy gewann und meinte, er wolle den Preis „heim ins Reich“ führen. Dass er in der U2 just die „Mohrenstraße“ ansagen durfte, fanden viele unpassend, weil es bei seiner „Rappaport“-Inszenierung einen Streit um schwarz bemalte weiße Darsteller gab.

Er lässt sich nichts mehr sagen, der Hallervorden. Er ist halt nicht der nette, harmlose Didi. Aber er hat keinesfalls Honig im Kopf. Und ist noch immer rüstiger, als man es von jemandem in seinem Alter erwarten kann.

Es gäbe viele Möglichkeiten für ihn, seinen 80. am heutigen Sonnabend zu begehen. Er könnte sich auf sein Schloss auf einer Insel im Atlantik zurückziehen. Er könnte es sich auf dem Sofa gemütlich machen und in der ARD „Chuzpe – Klops braucht der Mensch“ anschauen, sein jüngster Film, den ihm die ARD zum Geschenk gemacht hat.


Er könnte auch im Velodrom bei der Verleihung der Goldenen Henne fiebern, wo er selbst nominiert ist. Aber nein, er wird in seinem Schlosspark Theater sitzen, wo heute mit der Premiere von „Amadeus“ die neue Saison eröffnet wird. Ein Mann, der immer noch für das Theater brennt.