Der Laden ist üppig gefüllt. Ein bunt gemischtes Publikum drängelt sich vor der kleinen Bühne, auf der es sich Folksänger Donovan im Schneidersitz und mit seiner etwas skurril anmutenden keltischgrünen Gitarre samt Hirsch-Intarsie bequem gemacht hat. Ja, Donovan, der schottische Liedermacher, der in den sechziger Jahren mit Dylan und den Beatles herumhing und der sich mit einigen wunderschönen Songs in der Popgeschichte verewigt hat.
Die gewaltige Discokugel an der Decke hat heute Pause. Durch das Schwuz, Berlins beliebtesten und ältesten Schwulen-Club, weht der Geist der Hippie-Jahre, einer Zeit, in der die Jugend aufbegehrte gegen alle Ungerechtigkeiten dieser Welt, gegen die Lustfeindlichkeit der 50er-Jahre ebenso wie gegen den Krieg in Vietnam. Und Donovan war damals mit seiner Gitarre immer mittendrin dabei.
„Ich habe ein paar Songs mitgebracht", sagt er lächelnd zur Begrüßung. „Die meisten von euch werden sie alle kennen." Und er beginnt diesen intimen Abend mit „Catch The Wind", seiner ersten Single von 1965, die gleich zum Erfolg für ihn wurde. 18 Jahre alt war da. Sympathisch bescheiden wirkt er. Er nimmt sich nicht wichtig, ist sich aber durchaus bewusst, dass seine Hits wichtig und prägend waren für eine ganze Ära. Er spielt sie nahezu alle.
Ganz allein auf der Bühne
„ Little Tin Soldier" etwa und „Colours", „Jennifer Juniper" und „Lalena", „Sunshine Superman" und auch „Universal Soldier", den er sich von der kanadischen Sängerin Buffy St. Marie ausgeliehen hatte. Ganz allein sitzt er da, nur mit seiner Gitarre. Seine 69 Jahre sieht man ihm nicht an. Und diese samtweiche Stimme ist immer noch einzigartig, auch wenn er nicht mehr unbedingt jeden Ton auf Anhieb trifft.
Donovan war ein gewichtiger Teil der Musikszene in den 60er- und 70er-Jahren. Auf seinen Platten spielte er mit Cracks wie Jimmy Page oder Jeff Beck und zu den Beatles hatte er eine ganz besondere Beziehung. 1968 reisten sie gemeinsam zu einem mehrwöchigen Meditationskurs des Gurus Maharishi Mahesh Yogi nach Indien. In jener Zeit brachte Donovan John Lennon seinen Fingerpicking-Gitarrenstil bei, eine Übung, die sich später in Lennon-Songs wie „Dear Prudence" oder „Julia" niederschlug. Lennon revanchierte sich dafür mit einer Strophe zu Donovans Song „Hurdy Gurdy Man".
Solche Geschichten erzählt er immer wieder gern. Wie Donovan überhaupt in lockerer Plauderstimmung ist an diesem Abend der Erinnerung. Dabei war er auch in den vergangenen Jahrzehnten stets aktiv, veröffentliche immer wieder Platten, doch an die große Zeit der frühen Jahre konnte er nie wieder anknüpfen. Zuletzt erschien 2010 mit „Ritual Groove" eine Doppel-CD, bei der auch die Gitarristen Chris Spedding und Nils Lofgren mitwirkten.
Arte zeigt Konzert
Doch neuere Stücke gibt es diesmal nicht, dafür „There Is A Mountain" von 1967 zum Mitklatschen oder den Reverend-Gary-Davis-Klassiker „Candy Man", bei dem sich Donovan wieder die Mundharmonika umhängt. „All the hits will be here" hat er versprochen. Er hält Wort. Und dankt dem TV-Sender Arte, der diesen Berlin-Abstecher erst möglich gemacht habe. Mehrere Kameras halten das Konzert fest. Am 26. Juli um 0.40 Uhr zeigt Arte das Programm von Donovan im Rahmen seiner diesjährige Sommerreihe „Summer of Peace".
Donovan, der sich seit Jahren mit Unterstützung von Filmregisseur David Lynch für eine vom Maharishi inspirierte Universität engagiert, an der Transzendentale Meditation ein Pflichtbestandteil der Ausbildung sein soll, will schon Ende des Jahres nach Berlin zurückkehren. Dann im Rahmen seiner ersten großen Tournee seit mehr als zehn Jahren, mit der er sein 50. Bühnenjubiläum feiert. Dann gibt es sicher auch mehr neue Songs.
Nach gut einer Stunde legt er die Gitarre bei Seite und gibt dem Mann am Mixer ein Zeichen. Zum Finale singt er seinen 67er-Hit „ Mellow Yellow", mit kompletter Musikbegleitung vom Playback. Der Jubel, der aufbrandet, ist atemberaubend. Und bringt Donovan noch einmal zurück auf die Bühne. Stimmt. Da fehlt ja auch noch etwas.
Lächelnde Gesichter im Publikum
Er kommt nicht allein. Kleine Mädchen mit Blumen im Haar und ein kompletter Chor begleiten ihn bei seinem größten Hit „Atlantis", der 1968 auch in Deutschland Platz 1 der Hitparade belegte. Jede Menge Hippie-Seligkeit wogt von der Bühne und sorgt für lächelnde Gesichter im Publikum. Der Refrain „Way down below the ocean, where I wanna be, she may be" hallt noch lange nach.





