Am zweiten Abend von Classic Open Air am Gendarmenmarkt wird bei der italienischen Nacht gesungen und gespielt, als ob Sänger und Orchester das Festival eröffnen würden. Das Publikum ist an diesem Freitagabend eingeladen, sich von Fabio Andreotti, Startenor aus Rom, und drei Sopranistinnen populäre italienische Klassiker präsentieren zu lassen. Die Brandenburger Symphoniker unter Generalmusikdirektor Michael Helmrath unterstützten die vier Sänger dabei. Im Mittelpunkt steht natürlich die italienische Oper und damit - die Liebe.
Der Gendarmenmarkt - der zwar nicht die Arena von Verona ist, aber wohl wie kein anderer Platz in Berlin für eine mediterrane Atmosphäre steht – ist gut gefüllt, aber nicht ausverkauft. Hinter der Tribüne der bezahlten Plätze jedoch ist jeder freie Fleck belegt. Auf Klapphockern, Decken oder auf der Wiese neben dem Deutschen und Französischem Dom wollen noch viel mehr Berliner ein Gratis-Konzert unter freiem Himmel hören. Die meisten von ihnen haben zwar keinen Blick auf die Bühne, dafür aber Salate, Würste und Aufstrich mitgebracht und stoßen mit Weingläsern oder Plastikbechern an. So wird die italienische Nacht eine Nacht für alle Berliner.
Und dann singt Andreotti, den schon Startenor Luciano Pavarotti früh gefördert hat, für die Menge und die Brandenburger spielen, als wollten sie mit ihren wild schwingenden Bögen ein bisschen für kühlen Wind im überhitzten Publikum sorgen. „Doch was wäre eine italienische Reise ohne Frauen?“, fragt der Tenor das Publikum, nachdem er es auf Deutsch und Italienisch begrüßt hat, und holt seine Sopranistinnen auf die Bühne, die ihn in den nächsten zweieinhalb Stunden wahlweise in romantischen Arien umschwärmen oder in temperamentvollen Stücken zurückweisen werden. Immer wieder wird er versuchen, ihre Herzen und das des Publikums zu gewinnen. Alessandra Rossi-Filippi, die schon im Weißen Haus gesungen hat, stellt sich mit „Addio del passato“ aus La Traviata vor. Mirjam Miesterfeldt singt „O mio babbino caro“ aus Puccinis Gianni Schicchi zur Einstimmung und die Brasilianerin Lindsay Funchal „Quando m’en vo“ aus La Bohème.
Die Liebeslieder schwingen von einem Dom zum anderen und die Musik zentriert sich vor dem Konzerthaus. Überraschend selten schallt oder scheppert es leicht über den Platz. Natürlich kann ein Orchester sein Publikum unter freiem Himmel nicht so erfüllen wie in einem optimierten Konzertsaal, aber auch das Publikum erwartet einen leichteren Abend und nebenan wird geplaudert und hinten gegessen.
Erst als die Violinistin Sascha Jekaterina Haberl zu zwei Sätzen aus dem Sommer von Vivaldis „Die Vier Jahreszeiten“ anstimmt, ist es mucksmäuschenstill auf dem Gendarmenmarkt.
Und dann kühlt sich der Abend langsam den 25 Grad entgegen, das Publikum atmet auf und lässt sich von den Liebesduetten und den Klängen Rossinis, Tosellis und Verdis in die Nacht tragen.





