First Night

Wie man den Schattenmann in seine Schranken weist

Zu den Künstlern, die das Festival Classic Open Air auf dem Gendarmenmarkt eröffnen, gehört Laith Al-Deen. Der Sänger hat aus einer schweren persönlichen Krise herausgefunden – mit Hilfe der Musik.

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Vor sieben Jahren stand Laith Al-Deen, 43, schon einmal auf der Bühne am Gendarmenmarkt. Dass er jetzt wieder dabei ist, zur „First Night“ des Classic Open Air am 2. Juli, ist alles andere als selbstverständlich. Denn in der Zwischenzeit war er in eine schwere Krise gestürzt. „Ganz verstehe ich immer noch nicht, was da passiert ist. Es fing 2008 schon an und schlich sich langsam ein“, erzählt der Sänger.

Fachleute nennen es Burn-out. Er selbst bemerkte nur, dass er nichts mehr zustande brachte. Abends schrieb er an einem neuen Song, morgens warf er alles über den Haufen, weil er völlig unzufrieden mit dem Ergebnis war. Es stellten sich Grundsatzfragen: Wofür das alles? Was will ich eigentlich? „Jeder kann in eine solche Situation hineinrutschen“, meint er. Nach mehreren fruchtlosen Jahren war es am Ende ein Lied, das ihn aus dem Krisensumpf herauszog. Musik und Text flossen auf einmal wie von selbst aus ihm heraus: „Ich fange an zu laufen, schau nicht mehr zurück …“

Das Ergebnis seiner neuen Lebensphase kann man hören. „Was, wenn alles gut geht“ heißt das neue Album. Es handelt von Zweifeln und Hoffnungen, von Momenten im Leben, in denen man den Boden unter den Füßen verliert. Vor allem will Laith Al-Deen aber Mut machen und zeigen, wie man den „Schattenmann“, wie er seinen bösen Geist nennt, in seine Schranken weist.

Laith Al-Deen blickt auf eine beeindruckende Karriere mit mehr als einer Million verkauften Tonträgern, vier Gold-Alben, Echo-Nominierungen und zahlreichen Single-Hits zurück. Trotzdem: „Den Entschluss zu fassen, Musiker zu werden, war einfach. Alles, was danach kam, war schwierig.“

Anfangs ging es immer nur bergauf

Sein Vater ist ein Maschinenbauingenieur aus dem Irak, seine Mutter Deutsche. Nach ein paar Jahren in Bagdad und im US-amerikanischen Indiana wuchs er in Mannheim auf. Seine Grundschullehrerin weckte seine Liebe zur Musik. „Ich sang in ihrem Kinderchor, und wir zogen mit einem Béla-Bartók-Programm durch andere Schulen.“ Mit 13 bekam er eine Heimorgel, vier Jahre danach war er Sänger und Gitarrist in seiner ersten Band.

Seine Eltern waren nicht begeistert von der Idee, dass der Sohn Musiker werden wollte. Er begann, Soziologie zu studieren und machte eine Ausbildung als Medizinisch-Technischer Radiologieassistent. Doch die Liebe zur Musik wuchs, und die ersten Schmusesoul-Hits stellten sich ein. Im neuen Jahrtausend ging es immer nur bergauf.

Laith Al-Deen setzt sich engagiert für die deutschsprachige Popmusik ein. Ihn stört das Übergewicht englischer Titel in den Medien. „Viele Leute können englischsprachige Musik nebenher laufen lassen und inhaltlich ausblenden. Unserer Muttersprache können wir uns dagegen nicht entziehen“, überlegt der Sänger. „In deutschsprachigen Songs können wir auch zwischen den Zeilen lesen. Für mich ist das das Salz in der Suppe.“

In Berlin ist er immer gern, er hat hier viele Musikerfreunde. Silvester hat er mit seiner Band am Brandenburger Tor gespielt und hinterher in einer Bar am Hausvogteiplatz gefeiert. In diesem Winter war er nach seiner tiefen Krise zum ersten Mal wieder auf Tournee. „Die Jungs von meiner Band, mit denen ich teilweise schon seit 15 Jahren auf der Bühne stehe, geben mir viel Kraft“, sagt er dazu. „Es war die beste Medizin, einfach auf Tour zu gehen, sich den eigenen Schatten zu stellen.“ Er hat viel dazugelernt, vor allem, Prioritäten im Leben zu setzen, mehr auf sich selbst zu achten.

Versuche mit neuen Klängen

Er hat ein halbes Rock- und Metal-Album fertig, es soll seinen Fans irgendwann eine neue Seite zeigen. Im Moment arbeitet er aber an seinem nächsten „normalen“ Album und hat im Sommer eine Reihe von Freiluft-Konzerten vor sich. Zum Classic Open Air bringt er die Songs „Bilder von dir“, „Dein Lied“ und den Titelsong vom aktuellen Album „Was, wenn alles gut geht“ mit. Das Besondere für ihn ist, dass er diesmal nicht von seiner Band, sondern vom Deutschen Filmorchester Babelsberg begleitet wird. „Das wird im besten Sinne aufbrausend!“